Der Aufstieg der Labour-Partei

Ein neuer Roman von HOWARD SPRING

Von Howard Spring, dem Verfasser des Romans „Absalom, my son Absalom" (den deutschen Lesern unter dem Titel „Geliebte Söhne" bekannt), erschien während des Krieges ein neues Werk unter dem Titel „Farne is the spur", der Ruhm gibt den Ansporn, das den Aufstieg der LabourPartei zum Hintergrund hat.

Die heutige Arbeiterbewegung in England hat eine stark religiöse Grundlage, sehr im Gegensatz etwa zur marxistischen Bewegung auf dem Festland. Von den Sekten hat die der Methodisten, vor allem die des Wesley, einen großen Einfluß ausgeübt, und der Dichter führt seinen Helden, Hatner Shawcross, als Knaben in die Abendgottesdienste der einfachen Leute, die mit religiöser Inbrunst an die Verwirklichung der göttlichen Gerechtigkeit glauben.

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Die revolutionären Bestrebungen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts sind in der zweiten Hälfte abgeklungen, etwa die der Chartisten, zu denen die Maschinenstürmer und politischen Umstürzler zählten. Als Symbol der Erinnerung spielt in den Roman ein Säbel hinein, den der Großvater des Helden als junger Mann auf dem Felde von Peterloo aufgerafft hat, wo er gegen demonstrierende Arbeiter geschwungen worden war und ein blühendes Mädchenleben vernichtet hatte. Nur leise klingt auch der Einfluß von Marx fld Engels an, wenn der Lehrer von Shawcross von seiner Begegnung mit Engels erzählt.

Mit dem Wahlzettel sind die Schlachten geschlagen worden, denen die Labour Partei ihren Sieg verdankt, und auch unser Held stürzt sich in den Wahlkampf. Er trifft auf überlegene Gegner, auf den bodenverwurzelten, alteingesessenen Adel. Gegen jugendliche Kraft und den großen sittlichen Schwung einer Idee steht die Erfahrung einer jahrhundertealten Demokratie — und Shawcross unterliegt, so wie die Labour Partei jahrzehntelang unterlegen ist.

Neue Kräfte mußten aufgeboten werden. Erst die große Gewerkschaftsbewegung konnte den politischen Kräften der Labourbewegung denar1amentarischen Erfolg sichern. Im Roman geht beste Freund des Helden, Arnold Ryerson, Bergarbeitern des Rhondda Tales r Hier, in seliger Kleinarbeit, im Teilen der Leide liehen Freuden der Kohlenarbeiter, grandiose Organisation der Werktätig in den beiden Gestalten, Shawcrqs sind zwei Strömungen dargstelJ sammengehen für die britische kennzeichnend ist: die inneren Gegensl Richtungen werden sehr gut herausgearl Shawcross ist der Intellektuelle, der früh d seine schriftstellerische Tätigkeit" sich einen Nanu? emacht und aus der Enge seiner Jugend herauswächst, der hervorragende Sprecher, der den Sieg der Wahlen entscheidet, aber Ryerson ist der gediegene Arbeiter, der die undankbare Kleinarbeit bewältigt, stets im Hintergrund bleibt und für den jede Niederlage schließlich doch zum Sieg wird. Die Spannung zwischen diesen beiden Freunden, die in der Sache sich so gut verstehen, deren Denken jedoch grundverschieden ist, gibt dem Roman eine besondere Kraft. Die Spannung wird erhöht durch die Frauengestalten. Shawcross ist der Mann, den die Frauen fördern, weil er sie an seinen Stern glauben läßt, aber dann vermag er die hohen, an ihn gestellten Anforderungen nicht zu erfüllen. Seine eigene Frau, Ann, wird zwar nie irre in der Liebe zu ihm, aber sie wird Suffragettin, sie führt den Kampf um eine wahre Gerechtigkeit weiter, als er aus taktischen Gründen ihr nicht mehr folgen will, ja sich ihr politisch entgegenstellt. Damit beginnt bereits die innere Tragödie von Shawcross, die zugleich die geschichtliche Tragödie der Labour Partei gewesen ist. Shawcross kann auf einen ununterbrochenen sozialen Aufstieg zurückblicken, der schließlich mit seiner Berufung als Viscount ins Oberhaus endet, aber er löst sich damit aus der Welt, aus der er herausgewachsen ist. Es ist die gleiche Tragik, die für die geschichtliche Entwicklung der LabourPartei entscheidend war, und die 1931 zur Spaltung der Partei führte, als Ramsay MacDonald zusammen mit dem Konservativen Baldwin die nationale Regierung bildete.

Neue Kräfte waren notwendig, um nach der Spaltung die Arbeiterbewegung wieder aufzubauen. Auch im Roman wächst eine neue Generation heran. Der Sohn von Shawcross verheiratet sich mit der Tochter Ryersons, aber er findet nach den furchtbaren Erlebnissen des ersten Weltkrieges nicht zumJftter. Das Generationenproblem aus den "GejSiMfcSöhnen" klingt an, jetzt politisch gestal |j IEEHm wird Kommunist und fällt, als er HHp ch Bürgerkrieg beteiligt. An :efen religiösen Kräfte, die den" Labour Partei gestaltet haben — der s ist dem Gedicht „Verlorenes Milton entnommen — treten jetzt Senden Einflüsse des Nachkrieges, der jtskrise und der Zerfall der Werte. Die it führt zum materiellen Genuß, zum Wohlen, und läßt den kämpferischen Geist vergessen. Shawcross stirbt, innerlich verlassen, ein einsamer Mann.

In dieses äußere Geschehen hinein baut Howard ing ein Menschenleben, ja eine überwältigende von Einzelleben, die mit großer dramaier Kraft gestaltet sind.

 
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