Die Vereinten Nationen haben ihre erste Tagung beendet.

Aus den Trümmern einer Welt, die nur der Zerstörung und der Vernichtung, dem Kriege und dem Hasse gelebt, erhebt sich das Traumbild einer besseren, einer schöneren Zukunft.

Ein Gebilde ist erstanden, das die Gerechtigkeit auf Erden verwirklichen, das eine Welt der Freiheit aufbauen will, eine Welt frei von Furcht, frei von Mangel, eine Welt der Freiheit des Wortes und – köstlichstes Gut überhaupt – Freiheit des Denkens, ein Gebilde, das den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker fördern will.

Aller Völker! So steht es in den Satzungen der Vereinten Nationen, die am 26. Juni 1945 in San Franzisko feierlich von 51 Staaten unterschrieben wurde, also während noch der Krieg im Pazifik einem Höhepunkt entgegenzugehen schien.

Ein weiter Weg führte zur Schaffung dieser Gemeinschaft der Völker! Von der Atlantik-Charter die noch vor Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg die gemeinsamen Grundsätze der Weltpolitik Englands und Nordamerikas festlegte, über die Verkündung der vier Grundfreiheiten der Menschen durch den Präsidenten Roosevelt, von der Konferenz von Teheran über die Zusammenkunft von Jalta läßt sich die Entwicklung deutlich Verfolgen, die in San Franzisko mündet.

Entscheidend war der Gedanke, daß der zweite Weltkrieg nicht wie der erste mit einem Waffenstillstand enden dürfe, der nach zwanzig Jahren mit einem neuen Blutbad, einer neuen Welle der Zerstörung und Vernichtung abgebrochen werde. Frieden solle herrschen auf Erden, dauerhafter Frieden, und es war allen verantwortlichen Staatsmännern bewußt, daß nur ein gerechter Frieden dauerhaft sein könne.

Zwei Voraussetzungen waren notwendig, um den kommenden Frieden dauerhaft zu gestalten: Er mußte auf unverrückbare moralische Grundsätze aufgebaut werden, und ihm mußte eine Organisation zur Seite gestellt werden, um diese hohen Gedanken und Ideale auch mit dem nötigen Nachdruck gegenüber allen Gewalten zu vertreten, die es wagen sollten, aus eigensüchtigen Bestrebungen heraus sie zu verletzen.