Aluminium und Magnesium
Nach der am 5 Februar erfolgten Bekanntmachung über das Ergebnis der Reparationsbesprechungen zwischen den alliierten Machten werden von der Stillegung oder der Ablieferung auf Reparationskonto vor allem auch diejenigen Zweite der Robstoff Produktion in Deutschland betroffen, die im Rahmen des Vierjahresplans entwickelt wurden Es handelt sich dabei um die Gewinnung von Aluminium und Magnesium, von synthetischem Benzin synthetischem Gummi und synthetischem Ammoniak Bei Aluminium und Magnesium entbehrte Deutschland wenn man das sog Altieich zugrunde legt, der eigenen Rohstoffbasis Sowohl der Bauxit, der Rohstoff für das Leichtmetall Alumininm, wie der Magnesit, der Rohstoff für das Leichtmetall Magnesium mußten eingeführt werden Die Rohstoffbasis der deutschen Aluminiumerzeugung lag dabei ubei wiegend m den Landern des Sudostens, die Rohstoffbasis für Magnesium m Österreich.
Die deutsche Rohalummnim Gewinnnng war ein Kind des ersten Weltkriegs Nach dem Krieg stieg die Gewinnung von Rohalumimum in Deutschland von 10900 t im Jahre 1920 auf 36000 t im Jahre 1929 und fiel dann infolge der Wirtschaftskrise auf 21 000 t im Jahre 1933 Die folgenden Jahre brachten einen entscheidenden Ausbau; im Jahre 1938 wurden 165000 t in Deutschland erzeugt, das sich damit sogar vor die Vereinigten Staaten an die Spitze der Produktionslander gesetzt hatte. Seitdem ist eine erheblich weitere Produktionssteigerung in den Knegsjahren emgetieten die bis auf eine Hohe von etwa 300 000 bis 4OO 000 t geschätzt wird Das bedeutet daß weit ubej l Mill t Bauxit — vier Teile Bauxit ergeben e n Teil Aluminium — eingeführt werden mußten Der Hauptproduktionsfaktor bei der RohalummiumGewinnung ist jedoch nicht der eigentliche metallische Rohstoff sondern der Strom mit dessen Hilfe auf elektiolytischem Wege aus dem Zwischenprodukt Tonerde das Rohaluminium gewonnen wird Daher liegt die Aluminium Industrie in der Nahe der großen Stromerzeugung=que!len in Deutschland entweder bei den Braunkohlenlagern der Niederlausitz (Lautawerk) von Mitteldeutschland (Bitterteld) und ini Rheinland (Erftwerk) oder in Suddeutschland in der Nahe der großen Wasserkraftwerke (Inn Werk, Werk Rheinhausen) Die Anwendbarkeit des Aluminiums ist in den letzten Jahrzehnten vor allem durch die Entwicklung der Alurruniumlegierungen ausgeweitet worden Mit ihrer Hilfe gelang es dem Aluminium einen ausgedehnten Verwendungskreis im Maschinen- und Fahrzeubau zu schaffen Eine ähnliche Entwicklung, wie in Deutschland hat sich in den letzten Jahren in der AluminiumIndustrie d?r Welt, vor allem in Nordamerika vollzogen. Von 170000 t im Jahre 1934 stieg die Weitproduktion auf 675000 t im Jahre 1939 und auf etwa 2 Mill t im Jahre 1943. Von dieser letzteren Zahl entfielen allein fast 1 3 Mill t auf ISIordatnerika, auf die Vereinigten Staaten 835 000 t nd Kanada 456000 t, deren Aluminium Industrie gowohl in ihrem finanziellen Aufbau wie in ihren Kraftquellen eng zusammenhängt. Da die Bauxityersorgung der USA aus dem eigenen Land schon £eit Jahren dem steigenden Bedarf nicht mehr entsprach, waren die Vereinigten Staaten immer stärker auf Einfuhr angewiesen. Sie stützten sich dabei Vor allem auf Holländisch- und Britisch Guayana. Die einige Jahre vor Ausbrudi des Krieges mit Japan begonnene Einfuhr aus Niederländisch Indien wurde im Dezember 1941 wieder unterbrochen. Dafür begannen die Vereinigten Staaten und Kanada sich für Bauxitgruben auf Haiti und Jamaika zu interessieren. Der größte Teil der kanadischen Rohaluminium Gewinnung ging in die Vereinigten Staaten, wenn auch zeitweise während des Krieges beträchtliche Lieferungen an England und Sowietrußland erfolgten, Schon während des Krieges wurden die Aluminiumpreise in den USA von 20 auf 15 Cents je Ib gesenkt.
Das Leichtrnetall Magnesium, dessen spezifisches Gewicht noch geringer ist als das des Aluminiums, ist im letzten Jahrzehnt immer stärker neben dem Aluminium entwickelt worden, dessen KonkurrenzProdukt es ursprünglich war. Für die Vorkriegszeit liegt eine Schätzung der Weltproduktion on 25 000 t im Jahre 1938 vor. Von dieser Produktion entfiel etwas mehr als die Hälfte auf Deutschland, wo die IG Farbenindustrie und die Wintershall AG an der Produltion beteiligt waren. Man darf auch auf diesem Gebiet eine Vervielfachung der Erzeugung im Krieg annehmen. Die Vereinigten Staaten, die im Jahre 1938 mit 2200 t noch hinter Großbritannien (4000 t) rangierten, haben die Kapazität ihrer Magnesium Gewinnungsanlagen im Krieg auf fast 200 000 t erhöht. Der größte Sprung fand von 49000 t im Jahre 1942 auf 183000 t im Jahre 1943 statt. In diesem Jahr wurden 68 000 t für Flugzeugteile verwandt. Die Weltproduktion wurde 1943 von amerikanischer Seite auf 269000 t gegen 140000 t im Vorjahr geschätzt. Hs
- Datum 28.02.1946 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.2.1946 Nr. 02
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