Anderthalb Millionen Deutsche werden aus den von Polen verwalteten Gebieten des Ostens in den nächsten Wochen und Monaten in die britische Besatzungszone übergeführt.

Ein neuer Meilenstein auf dem Leidensweg les deutschen Volkes wird gesetzt, ein Leidensweg, der wohl beispiellos in der Geschichte dasteht.

Vor einem Jahre erlebten wir den großen Treck, und damals schien es uns wohl, als ob die Not das äußerste Ausmaß angenommen hätte. Damals begleiteten Kanonendonner und peitsdiende Tiefangriffe aus der Luft, das Krachen der Bomben den nach rückwärts flutenden Strom der von der heimischen Scholle Vertriebenen. In den keinen Schutz gewährenden Städten griffen züngelnde Flammen nach der letzten Hate. Heute ruhen die Waffen.

Dennoch mochte es fast scheinen, daß das La der Ausgewiesenen heute trauriger sei als das der Flüchtenden vor einem Jahr. Gewiß! Die schneidende Kälte, der die zusammenbrechenden Frauen und die wehrlosen Kinder zu Tausenden erlagen, hat nachgelassen, wenn auch die Unbilden des Winters uns hart bedrängen. Dafür haben sich andere Begleiter eingefunden: Hunger. Not und Krankheiten!

Vor einem Jahr vermochten wir den Unglüchlichen noch eine Heimat zu bieten, war sie auch von Gefahren umwittert, von Sorgen erfüllt Heute stehen wir mit leeren Minden da. Wenn aus dem trostlosen Zug mensdrlichen Elends die stumme und dennoch alles erschütternde Anklage gegen den Krieg und seine Zerstörungen gen Himmel steigt, müssen wir schweigen. Wir sind weniger als Bettler geworden. Unsere Schuld macht uns stumm.