Mark und Dollar
In der amerikanischen Besatzungszone hat die Reichsmark jetzt etwa die Kaufkraft von 35 Cents, also gut ein Duttel Dollar wie der letzte Wirtschaftsbericht des Military Government in Frankfurt a M feststellt Erläuternd wird hinzugefugt, daß diese Berechnung naturgemäß nur~£üT~ ratio!BÄfsartiker gilt.
Nomiieli sind die deutschen Preise speziell für jenes Warensortiment seit 1936 um nur 10 Prozent gestiegen Da sich aber gleichzeitig die Qualitäten verschlechtert haben ist die effektive Preiserhöhung etwas starker Auf der anderen Seite ist die „Kaufkraft" des Dollars seit Kriegsbeginn gemessen an den Kleinhandelspreisen der Lebensrnittel um rund 20 Prozent gesunken Anders ausgedruckt: diese Preise sind um 25 Prozent gestiegen Deshalb ergibt sich heute ein relativ gunstiges Verhältnis zwischen Dollar- und Reichsmark- Kaufkraft". Diese Relation kann freiLcb nur dann erhalten bleAsa, iKenft dej Verbraucher, viel au rationierten Waren erhalt daßer davon satt werden oder doch zum mindesten sein Leben fristen kann Nun wird in letzter Zeit über die Abheferungsdisziphn der Bauern ebenso geklagt wie die Wirksamkeit der direkten Preiskontrolle als An Inflatronsmittel nachgelassen hat Deshalb müssen, wie es im Bericht der USA Militärregierung heißt bald drastische Maßnahmen ergriffen werden, um Preisgefüge Geldwert und Fmanzwirtschaft in der Hand zu behalten Die kurzlich bekanntgegebenen Steuererhebungen sind das erste dieser drastischen Mittel Weniger beachtet worden ist die etwa gleichzeitig erfolgte Errichtung einer zentralen Preiskontrollstelle für alle vier Zonen —, die ausdrücklich als wGegemaflatiopsmaßnabme bezeichnet worden ist. In der USA Besatzungszone ist eine lebhafte Diskussion über die Wahrungsfrage und überhaupt den ganzen Komplex dgr Finanzwirtschaft im Gange Verlautbarungen des Military Government, Mmisterreden und Zeitungsartikel haben bald dies bald jenes Problem in den Blickpunkt geruckt. Und die allgemeine Sorge daß bald eine radikale „Abwertung" kommen werde ( was aber noch keineswegs feststeht es gibt andere und feinere Methoden die Geldmenge dem Waren Angebot anzupassen und umgekehrt) hat nicht nur zu Sachwertkaufen und zu einet Hausse auf den — freilich ungewöhnlich veiengten Effekten Markten gefuhrt sondern auch zum Horten" von Münzen und kleinen Noten Gegen dies sinnlose Hamstern ist jetzt ein radikales Mittel eingesetzt worden die Mihtanegierung laßt über die Banken ihre eigenen Noten m großen Mengen ausgeben Gleichzeitig wird erklart daß bei einer eventuellen Wahrungsumstelluns alle Geldarten Münzen Mil Gov Noten kleine und große deutsche Noten gleichmäßig betroffen werden wördeni Etwa gleichzeitig ist duich den Berliner Korrespondenten des Daily Express", erstmalig der Schleier ein wenig gelüftet worden der noch immer die Zukunft unserer Finanzwirtschaft verhüllt Der Kontrollrat hofft, so meldet Selkirk Panton,m Kurze zur Einigung über einen neuen Finanzplan zu kommen Seme Hauptpunkte sind, neben Steuerprogramm und Preiskontrolle, die Anerkennung der Verpflichtungen des Reiches und ein allgemeiner Lastenausgleich im Wege einer Vermögensabgabe. Der Staatsbank?" soll also vermieden, die Wahrung gehalten werden, und das Bankwesen soll intakt bleiben Die Anlagen der Banken, Sparkassen und Versicherungsgesellschaften, die zu 75 bis 80 Prozent aus Reichswerten bestehen, werden einen gewissen Wert behalten und entsprechend Buch die privaten Guthaben, die allerdings durch die Quote ausfallt, zu der künftig Reidhswerte und sonstige Forderungen an das Reich ( und entsprechend die puvaten Guthaben bei den Geldtastituten bewertet werden das wird sich erst in Zukunft entscheiden, denn nicht das heutige Volkätermogen ist dafür maßgebend, sondern die Proffuktivkraft einer künftigen deutschen Wirtschaft.
- Datum 28.02.1946 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.2.1946 Nr. 02
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