"Wir wollen keinen Kreuzzug der Ideen", erklärte die französische Regierung Léon Blum während des spanischen Bürgerkriegs. Inzwischen hat sich viel geändert. Die Einstellung der Menschen zu Ideen ist auf Grund bitterer Erfahrungen härter und unduldsamer geworden, da ihre Gefährlichkeit -erkannt wurde. Die französische Regierung hat die Grenzen nach Spanien schließen lassen.

Im 19. Jahrhundert sprach Europa von der "Orientalischen Krise", die wiederholt zu großen Kriegen, am schlimmsten im Krimkrieg zwischen Rußland, England und Frankreich, führte und die noch bis zum ersten Weltkrieg reichte. Droht jetzt Spanien zu einem solchen Krisenherd zu werden? Auch der Deutsch-Französische Krieg 18 70 entzündete sich am Anlaß eines spanischen Thronstreites, Iris Frankreich gegen die Kandidatur eines Hohenzollernprinzen Einspruch erhob. Wie kommt Spanien dazu, eine derart unheilvolle Rolle zuspielen?

Am 14. April 1931 stürzt die Monarchie in Spanien. Das Reich Philipps II., der Hort der Reaktion, wie es manchen schien, wurde Republik. Über hundert Jahre, eigentlich seit der Widerstandsbewegung der Spanier gegen Napoleon, spülten die Fluten des Liberalismus an der Monarchie. Gestürzt aber wurde sie, weil sie sich zuletzt, von 1923 bis 1930, mit einem Diktator, dem General Primo de Rivera, verbunden hatte und diesen dann in der großen Wirtschaftskrise fallen ließ. Das entfremdete ihr die Armee und enthüllte zugleich den Linkskreisen ihre innere Schwäche.

Die Republik wurde vom Parlament beherrscht, und in diesem hatte die Verbindung der gemäßigten Rechten, das war die Katholische Aktion unter Gil Robles, mit der gemäßigten Linken, das waren die Radikalen unter Lerroux, die Führung. Ihr Staatspräsident hieß Alcala Zamora. Aber dann trennte sich die Koalition. Gil Robles glaubte bei den Wahlen des Jahres 1936 allein die Mehrheit erringen zu können und lehnte die Zusammenarbeit mit andern Gruppen der Rechten ab, auf der Linken schlossen sich alle Gruppen in einer Volksfront nach französischem Muster zusammen und errangen die Mehrheit der Sitze, wenn auch nicht der abgegebenen Stimmen. Das feste Zusammenhalten hatte über die Zersplitterung gesiegt. Alcala Zamora geriet in Widerspruch mit dem neugebildeten Parlament und legte sein Amt nieder. An seiner Stelle wurde Azana Staatspräsident. –

Da schlug die Armee los. Sie glaubte sich unentbehrlich, weil sie noch 1934 zur Niederwerfung eines Bergarbeiteraufstandes in Asturien herangezogen werden War und weil die Linke von den Anarchisten bis zur bürgerlichen Mitte reichte, also in sich zuviel Zündstoff zu einer festen Regierung zu bergen schien. Der Putsch im Juli 1936 schien am ersten Tage gescheitert, da die Gendarmerie, die Guardia Civil, sich allen Hoffnungen der Rechten zum Trotz treu verhielt und den Aufstand in den großen Städten Madrid und Barcelona niederschlug. Da griff die monarchistische Rechte ein, die Karlistenbewegung des Nordens, die ultrakonservativen, Tradicionalistas unter Falconde. Sie stellten dem General Mola in Burgos 50 000 bewaffnete Milizen, ,,Requetes" genannt, zur Verfügung, die die Pässe des Guadarrama-Gebirges nördlich von Madrid besetzten.

Unter diesem Schutz vermochte General Franco, der an Stelle des eigentlichen Kopfes der Aufstandsbewegung, des im Flugzeug verunglückten Generals San Jurjo. das Kommando über die Fremdenlegion übernommen hatte, 8000 Marokkaner aus Afrika nach Sevilla überzuführen, wo General Queipo de Llano mit einer Handvoll Soldaten im Rundfunk durch Reden Macht vortäuschte. Nun beginnt der Marsch der Mauren, der einzigen in Spanien vorhandenen organisierten Truppe, über Badajoz bis zur französischen Grenze bei Irun, dann zurück über Toledo bis zu den Toren von Madrid, nach Bilbao, Barcelona, Valencia und zuletzt, April 1939, in die Hauptstadt Madrid.

Längst hatten auswärtige Mächte eingegriffen. 1939 verkündete die Reichsregierung, daß siegegen die feierliche Versprechung der Nichteinmischung eine "Legion Condor", reguläre deutsche Truppen, auf Seiten Francos unterhalte, Freiwillige der verschiedenen Legionen kämpften auf Seiten der spanischen Republikaner. Wenn ein offener europäischer Krieg damals vermieden wurde, so ist das das Verdienst der französischen Regierung Léon Blum. Zugleich gingen die inneren Krisen auf beiden Seiten des spanischen Bürgerkrieges weiter. Franco mußte zuerst die ursprünglichen Führer der Tradicionalistas entfernen, dann ließ er die Anführer der Falange, der Gründung des Sohnes von Primo de Rivera, erschießen. Auf rotspanischer Seite kam es zu blutigen Zusammenstößen des gemäßigten Flügels mit den Anarchisten, an Stelle des Kommunisten Largo Caballero trat im Mai 1937 der Bürgerliche Negrin, der heute wieder eine Rolle spielt.