Wer heute das geistige Ohr an den politischen Boden legt, der vermeint ein fernes Geräusch zu vernehmen. Die überhitzte Einbildungskraft einer namenlos gepeinigten Menschheit glaubt Pferdegetrappel und Rossegestampf unterscheiden zu können, das Rollen der schweren Geschütze und das Dröhnen und Brummen der Motoren, und das Herz krampft sich uns in entsetzensstarrem Grauen zusammen wie früher, wenn der Engel der Vernichtung über einer Stadt schwebte. Woher die Furcht? Herrscht nicht Friede?

Am 1. Mai sollte in Paris die Friedenskonferenz zusammentreten, die die Verträge mit Italien, Bulgarien, Ungarn und Finnland prüfen sollte. Vor einiger Zeit tauchten Gerüchte auf, daß der vorbereitende Ausschuß der stellvertretenden Außenminister in London bis zum angesetzten Tage nicht die Vorschläge vorzulegen imstande sein werde, so daß die Konferenz verschoben werden müsse. Es kam als Antwort eine Erklärung des amerikanischen Präsidenten Truman, er hoffe, daß der angesetzte Termin eingehalten werden könne. Für den Außenstehenden erscheint dies schwierig.

Da ist etwa die Frage der Anerkennung der Regierung Bulgariens durch die Westmächte nicht vorwärts gekommen. Der russische Geschäftsträger in Washington hat dem amerikanischen Außenministerium eine Note überreicht, die russische Klagen über die Politik der USA in Bulgarien enthält; sie Verleite die Opposition, übertriebene, nicht im Moskauer Abkommen vom vergangenen Dezember enthaltene Bedingungen aufzustellen. Ohne Beteiligung der Opposition eine Anerkennung der bulgarischen Regierung zweifelhaft.

Während die Menschheit mit Sehnsucht darauf wartet, daß ein Friede dem letzten Kriege einen vollen Abschluß gibt, tauchen neue, bisher ungeahnte Fragen auf. Während der ersten Tagung der Vereinten Nationen in London wurden Griechenland, Indonesien, Persien und Syrien in den Mittelpunkt der Weltpolitik gerückt. In offener Aussprache konnte eine Einigung der beteiligten Mächte über die Frage der Behandlung der neuen Probleme erzielt werden, aber der seitdem erzielte Fortschritt ist nicht leicht festzustellen. In Indonesien gehen die Verhandlungen der Nationalisten mit der holländischen Regierung fort, obwohl Weiterhin Meldungen von blutigen Zusammenstößen einlaufen. In Griechenland konnten sich Regierung und Opposition nicht über die kommenden Parlamentswahlen einigen, und dennoch erhofft eine kriegsmüde und notleidende Bevölkerung, endlich zu Ruhe und wahrer Freiheit gelangen zu können. In Syrien räumten britische und französische Truppen die besetzten Gebiete, aber aus dem benachbarten Palästina mehren sich die Nachrichten von Unzufriedenheit und Unrast.

Die persische Abordnung, die unter Führung des Ministerpräsidenten Ghavan Sultaneh in Moskau Weilt, vermag keine abschließenden Ergebnisse aufzuweisen. Inzwischen ist der ursprünglich in den Verträgen der drei Besatzungsmächte, Sowjetunion, Großbritannien und USA, festgelegte Stichtag des 3. März verstrichen. Die angelsächsischen Truppen haben das Land geräumt, die Russen nicht, und die nordamerikanische Regierung hat in Moskau hierüber einen offiziellen Schritt unternommen.

Wenn wir den Blick um die Erde gleiten lassen, dann wollen wir auch an andern Gefahrenpunkten nicht vorübergehen. Die russischen Truppen haben die Mandschurei nicht entsprechend den ursprünglichen Absichten geräumt, weil zunächst die Truppen der chinesischen Nationalregierung nicht so schnell von Süden nach Norden geworfen werden konnten, und weil die Gefahr bestand, daß ungeordnete Truppen, teilweise der kommunistischen Regierung in Jenan, die Macht an sich reißen könnten. Es ist auch inzwischen in der Mandschurei zu Geplänkel gekommen, die beigelegt werden konnten. Einen Antrag der Chinesen jedoch, Dairen als Basis für die UNRRA-Lieferungen freizugeben, wurde von russischer Seite abgelehnt.

Auch die Frage Polen wird neuerdings wieder aufgeworfen. Die britische Regierung hat erklärt, daß sie an dem in Jalta gegebenen Versprechen festhalte, das Polen freie, unbeeinflußte Wahlen zusichert. In Potsdam ist vom kommenden Frühjahr als Zeitpunkt dafür gesprochen worden. Als Hemmnis betrachtet die Warschauer Regierung die polnische Armee des Generals Anders in Italien, die von England bezahlt und unterhalten wird. Sie soll nach Polen zurückgebracht werden, weigert sich aber, zurückzukehren, ehe nicht Sicherheiten für die Zurückgekehrten in ihrer Heimat gegeben seien.