Von ERNST SAMHABER

Viererlei sind die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufbau, für eine Erhöhung der Erzeugung, erklärte Anthony Eden in einer großen Rede Anfang März in Hull: Unternehmungslust, Leistung, innerer Ansporn und harte Arbeit. Nichts kann klarer die Aufgaben umreißen, die für jede Regierung gegeben sind, nichts kann zugleich die Schwierigkeiten besser aufzeigen, denen Deutschland gegenübersteht, denn von diesen vier Voraussetzungen scheint kaum eine für uns gegeben zu sein.

Unternehmungslust erwächst aus den Möglichkeiten des Gewinnes, aus den Hoffnungen, daß vermehrte Arbeit und erhöhtes Wagnis einen Gegenpart finden in gesteigerten Einnahmen. Wo diese fehlen oder auch durch übermäßige Steuerlasten ihrer wahren Bedeutung beraubt werden, da schwindet die Lust, zu wagen und zu planen, zu bauen und zu kämpfen, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst mit Gut und Namen einzusetzen für ein Werk.

Leistung setzt Freiheit der Entschließung, rasches Zugreifen, Ausnutzung weiter Möglichkeiten, Zusammenführen von Menschen und Heranschaffen von räumlich auseinanderliegenden Rohstoffen und Werkzeugen voraus. Grenzen, die durch ein Land hindurch gehen, Beschränkungen in der Bewegung von Menschen und Material, Behinderungen durch Formelkran und Bewilligungsunwesen und der Zwang dauernder Umstellung auf neue Verhältnisse, Stromersparnisse und anderes mehr treffen die Leistung im Kern.

Woher soll da der innere Ansporn kommen? Wenn ein Werk aufgebaut wird, so geht von ihm eine magische Kraft aus, die alle in den Bann schlägt, die an ihm mitgearbeitet haben. Wenn es abgebaut wird, so lähmt die gleiche Magie, diesmal des sterbenden Wesens, die Umgebung und die frühere Gefolgschaft. Sie verlieren den Mut, etwas Neues anzufangen, wenn sie überzeugt sind, daß ihr Handeln sinnlos, ihre Arbeit vergeblich sein müssen.

Damit entfällt auch die letzte Voraussetzung, von der Eden gesprochen hat. Die schwere Arbeit kann aus äußerlichen Anlockungen nicht erwachsen, selbst dann nicht, wenn die Ernährung sie reinkörperlich noch gestatten würde. Überall in der Welt trat nach dem Kriegsende eine sichtbare Erschlaffung ein, weil der geistige Ansporn des Kampfes fehlte und die jahrelang übermüdeten Arbeiter sich nach Ruhe und Entspannung sehnten. Da wir unseren Arbeitern nicht mehr zu bieten haben als die Lebensmittel, die es auf Karten zu kaufen gibt, diese jedoch mit einer verhältnismäßig geringen Summe zu erwerben sind, ist die Gefahr sehr groß, daß nur so viel geleistet wird, wie zum Erwerb der Lebensmittelkarten nötig ist. Ein gefährlicher Gedanke!

Jeder Gelderwerb, der über dieses Mindestmaß hinausgeht, erscheint vielen heute zwecklos und widersinnig. Was soll das Geld? Es kann sich nicht in Waren umwandeln, weil es keine Waren gibt, und auch nicht in vergrößerten Wohnraum, weil dieser durch das harte Gebot der Not bestimmt wird. Mit den regelrechten Geldeinnahmen etwa am schwarzen Markt teilnehmen zu wollen, wäre ein unsinniger Wunsch. Ein Junggeselle der Steuerstufe I könnte nach Abzug der Steuern für die ersten tausend Mark Monatseinkommen noch keine zwei Pfund Butter, für das zweite Tausend noch nicht ein Pfund, für das dritte noch kein halbes Pfund kaufen.