Von Rudolf Pechel

Der Herausgeber der „Deutschen Rundschau“, deren beispielloser Kampf gegen den Nationalsozialismus auch im Ausland anerkannt wurde, hat wie kein anderer das Recht, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Wir freuen uns, daß die „Deutsche Rundschau“ wieder in Berlin erscheinen wird.

Das Wort ist so häßlich, wie seine Träger unbeliebt sind. Das Wort wird immer häßlich bleiben, weil es sprachwidrig ist. Seine Träger brauchten nicht unbeliebt zu sein. wenn ja wenn ...

Zunächst einmal muß man die Gründe für diese Unbeliebtheit, die durchaus nicht unberechtigt ist, untersuchen. Da finden wir einmal, daß viele unter den angeblich politischen Häftlingen keinen Anspruch darauf haben, nach dem Zusammenbruch unter dieser Flagge zu segeln. Und daß es bisher trotz manchen ernsthaften Bemühungen nicht in genügendem Umfang gelungen ist, die Schar der echten Konzentrationäre von den unerwünschten Elementen zu säubern.

Durch die wahllose Freilassung aller Insassen vieler Konzentrationslager, ob es sich um politische Häftlinge oder um Kriminelle oder Asoziale handelte, ergoß sich ein Strom von Menschen über das Land, von denen manche die Freiheit nicht verdient hatten. Gerade die Berufsverbrecher, wegen ihres grünen Winkels die „Grünen“ genannt, nutzten ihre in der langen Lagerhaft durch Aussprache mit gleichen Elementen vervollkommneten Kenntnisse in Verbrechen allerlei Art ausgiebig aus, um neue Verbrechen und Vergehen auszuführen. Fast alle gingen zunächst unter dem Titel „Opfer des Faschismus“, und es hat mühsamster Arbeit bedurft, ihnen diesen Ehrentitel wieder zu nehmen. Durch ihr Verhalten ist in erster Linie der Ruf der echten Konzentrationäre geschädigt worden.

Ein Wort über die Lager: Das schwerste Unrecht, das den politischen Häftlingen im Lager angetan wurde, war die Gleichsetzung mit gemeinen Verbrechern. Wegen Seelenverwandtschaft genossen die Berufsverbrecher bei der SS von vornherein Bevorzugung. Man setzte sie in Massen als Blockälteste, Stubenälteste und in andere gehobene Stellungen ein. Sie benutzten diese Stellungen zu gemeinster Unterdrückung und Mißhandlung von politischen Häftlingen und Ausländern, soweit es ihren Opfern nicht möglich war, sich ihre Gunst durch Zuwendungen, die unter starker Nötigung einem nahegelegt wurden, zu erkaufen. Bezeichnenderweise waren auch die Vollstrecker der verhängten Prügelstrafen und die Henker aus ihren Reihen oder denen der Asozialen mit dem schwarzen Winkel genommen.

Gewiß gab es auch unter den Berufsverbrechern Menschen, denen persönlicher Haß aus ihrem Heimatort eine unverdiente Einreihung in die Kategorie gebracht hatte, und andere, die ein- oder ein paarmal nur gestrauchelt waren in den Maschen der Gesetze, aber im Herzen keine schlechten Kerle waren. Wenn man aber zurückdenkt, so braucht man meist nicht einmal die Finger beider Hände, um die Zahl solcher Männer abzuzählen, die sich wirklich als gute und hilfsbereite Kameraden gezeigt haben. Eine Generalabrechnung mit diesen Elementen wird noch einmal die nötige Klarheit hierüber schaffen.