DIE ZEIT

Denazifizierung

Das Wort klingt genau so mißtönend wie sein Inhalt widerwärtig ist, gilt es doch, den Sumpf der vergangenen Jahre aufzuwühlen, all den Schmutz noch einmal durchzuseihen, in dem wir fast erstickt sind.

Ein Teilungsplan

François Poncet, während langer Jahre französischer Botschafter in Berlin, hat einen Plan vorgelegt, der die Kriegsgefahr beschwören soll, die – angeblich von einem einigen, von zentraler Stelle geleiteten und verwalteten Deutschland ausgehen könnte.

Ohne Frieden

Ein Jahr ist verstrichen, seitdem die deutsche Armee kapituliert hat. Ist dies nur ein Datum der Erinnerung, an das sich mancherlei Betrachtungen anknüpfen lassen, oder können wir aus dem, was in diesem Jahr geschehen ist, heute schon erkennen, ob sich ein ‚Weg abzeichnet, auf dem wir vorwärtsschreiten, ein Weg, der aus dem Chaos heraus und nicht tiefer hineinführt? Die Vergangenheit so zu betrachten, heißt den Blick nicht auf die Zeit der Naziherrschaft richten, der vor einem Jahr ein Ende gesetzt wurde, sondern eben auf dieses Freiheitsjahr Nummer eins, wie wir es analog-den Jahren der Französischen Revolution bezeichnen könnten.

Die vier Gesichter Berlins

Es gibt keine Barrikaden in Berlin und auch keine Grenzposten, die den Übergang von der einen in die andere Zone überwachen.

Frankreichs Nein

Frankreich, durch die Pariser Außenministerkonferenz ohnehin schon im Blickpunkt der Welt, hat dieser Weit eine politisch Sensation geboten: mit 10 4 50 883 gegen 9 280 380 Stimmen hat das französische Volk die vom Verfassungsausschuß seiner Nationalversammlung ausgearbeitete Verfassung abgelehnt.

Heikle Themen

Auch die Versammlung der Außenminister in Paris macht keine Ausnahme von der durch Briand einmal ausgesprochenen diplomatischen Erfahrung, daß jede große Konferenz erst einmal ihre Krise durchmachen muß.

Zigeunerschicksal

Der alte Mann mit der gedrungenen Gestalt und dem weißen Spitzbart, mit der Adlernase und dem an die Ferne verlorenen Blick ist nicht etwa der Kapitän eines Elbkahns.

Bericht aus einer Zeitungsstadt

Das Verhältnis des Lesen zum gedruckten Wort ist voll merkwürdiger Widersprüche. „Alles Schwindel!“ kann man den Berliner sagen hören, wenn er seine Zeitung zusammenfaltet und umständlich in die Tasche steckt.

Die Verantwortung der Jugend

In letzter Zeit sind verschiedentlich Zuschriften aus Kreisen der Jugend an uns gelangt. Wir begrüßen dies mit besonderer Freude und werden ihnen dann, wenn wir glauben, daß sie vertretbar und zugleich von allgemeinem Interesse sind, gern, soweit möglich, einen Platz in unserer Zeitung einräumen.

Lesefrüchte

Bücher sind heute eine Kostbarkeit. Ist ihr Mangel zu beklagen? Ist er nachteilig für unsere künftige geistige Erziehung? Pädagogen und Schüler, Leser und Leserinnen stimmen in diese Klage ein.

Märtyrer für den Frieden

Hierwird das beste moderne Deutsch geschrieben“, sagte Kurd Wenkel, damals Bilanzkritiker in der Handelsredaktion des „Berliner Tageblattes“, und deutete auf ein kleines rotes Heft, das auf seinem Schreibtisch lag.

Weg zu neuem Leben

Täglich geht durch die Büroräume des Hamburger Zentralkomitees ehemaliger politischer Häftlinge ein nicht abreißender Strom von Besuchern: Versprengte, entwurzelte Menschen aller sozialen Klassen, heimatlose Flüchtlinge, die aus allen deutschen Provinzen nach einem oft jahrelang vegetierenden Siechtum in den Konzentrationslagern nun wieder in ein normales Leben eingereiht werden wollen.

WOCHENÜBERSICHT

Die Ablehnung der von der Nationalversammlung entworfenen Verfassung in Frankreich wird von den rechtsstehenden Zeitungen als eine Niederlage der Kommunisten und Sozialisten gewertet.

Bekenntnis zu Reger

Vor dreißig Jahren, am 11. Mai 1916, ist Max Reger gestorben. Dennoch heißt über ihn zu schreiben, nicht eines Toten zu gedenken.

Botschaft an Hermann Hesse

Als sich am 1. April dieses Jahres in den Mauern um Deutschland eine Tür öffnete, als Briefe und Karten durch sie in die Welt hinaustreten konnten, da durfte auch ein Brief von meiner Hand auf die Reise gehen.

Das Gedicht im archaischen Griechenland

Die Rolle, die das lyrische Gedicht in Hellas spielte, war eine durchaus andere als jene, die ihm in unserer Welt zukommt. Es steht nun einmal so, daß bei uns die Allgemeinheit das Gedicht als eine teils verwirrende, teils lächerliche, teils angenehme, teils unbegreifliche Zugabe zu den eigentlichen Lebenswerten, als eine Art von Verzierung, die vorhanden sein, die aber ebensogut auch fehlen kann, als eine durch und durch ästhetische Angelegenheit empfindet, mit der ernsthafte Leute sich nicht befassen sollten.

„Lotte in Weimar“

Es gibt nur eine Methode, die Klassiker zu reiten: wenn wir sie ohne Umstände zu unserer eigenen Rettung gebrauchen, das heißt, neun wir von ihrer Eigenschaft als Klassiker absehen .

Pferde im Frühling

In diesem Lande, in dem Sorgen und Freuden nach Kalorienverlust und -erhalt gemessen werden. ist das Frühjahr mit seiner wärmenden Sonne und den sprießenden Vitaminen so sehnsüchtig erwartet und freudig begrüßt worden wie nie zuvor.

Religiöse Möglichkeiten der Kirche

Einer der namhaftesten und tiefgründigsten Theologen des 19. Jahrhunderts, der in Heidelberg lehrende Richard Rothe (1799-1867), Schüler Hegels und Schleiermachers, war der Meinung, daß mit der Reformation das Christentum in das wesentlich nicht kirchliche Stadium seiner Entwicklung“ eingetreten sei, dergestalt, daß die eigentliche christliche Lebensbewegung keine kirchliche Tendenz hat und also-die christliche Gemeinschaft nicht als kirchliche sucht“.

Grütze, Grütze

Esgibt gutes und schlechtes Essen, es gibt das üppige Mahl der Genießer und das karge Gericht der Asketen, es gibt das Armsündersüppchen.

Al contra Cu

Zu der Preisanomalie zwischen Blei und Zink – Blei jetzt teurer, vor dem Kriege billiger als Zink – ist eine neue getreten. Nach den Londoner Preiserhöhungen für Kupfer (das seit Dezember 1939 unverändert 62 Pfund Sterling je Tonne notiert hatte) auf 72 Pfund, für Zink um 8 Pfund auf 39 Pfund 5 Schilling und für Blei um 6 Pfund auf 45 Pfund je Tonne und der gleichzeitigen Senkung des Preises für Aluminium auf 76 Pfund je Tonne (gegen bisher 85 Pfund, und noch 110 Pfund vor Jahresfrist) ist, zum erstenmal in der Geschichte der Metallpreise, Aluminium billiger als Kupfer.

Die Ausfuhrkapazität des Handwerks

Gemessen an dem gesamten Volumen des Exports deutscher Erzeugnisse, wie er sich in den letzten fünfzehn Jahren darstellte, machte der Export von Handwerkserzeugnissen einen nicht sehr bedeutenden Teil aus.

Es müßte gelingen...

Nach den Zahlen, die Hoover neuerdings genannt hat, betragen die „sichtbaren Vorräte“ an Brotgetreide 5 Mill. Tonnen, während der Bedarf bis zur neuen Ernte auf 11 Mill.

EXPORT

Das eigentliche Thema der Außenhandelstagung in Hamburg, einer gemeinsamen Veranstaltung des Wirtschaftsrats für die britische Zone (Sitz Minden) und der Hamburger Handelskammer, sollte ursprünglich die Frage der zweckentsprechenden Exportorganisation sein.

J.M. Keynes, der Mann und sein Werk

Mitten während der aktuellen finanz- und produktionspolitischen Auseinandersetzungen in Großbritannien und den USA, an deren Vorbereitung und Führung Keynes ausschlaggebenden Anteil hatte, ist dieser größte britische Nationalökonom der Gegenwart, nach seiner Heimkehr von den Beratungen in Washington und in Savannah, im Alter von 63 Jahren gestorben.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Als Folge des Kohlenstreiks in den USA, der seit Anfang April andauert, sind alle Verschiffungen, außer von Lebensmitteln und Betriebsstoffen, gestoppt.

Vom klugen Kaufmann

Als das staatliche Getreidemonopol auf die Einfuhr überzugreifen drohte, begegneten die Getreideeinfuhrhändler dieser Gefährdung ihrer Existenz dadurch, daß sie sich 1935 genossenschaftlich zum Deutschen Getreidekontor zusammenschlössen.

Aus Verkehr und Schiffahrt

Das amerikanische Außenministerium verhandelt über Rückgabe oder Verkauf von 17 auf Grund des Pachtleihvertrages Rußland überlassenen Handelsschiffen.

Die letzte Börsenwoche

Die sinkende Tendenz, bedingt durch die nur zögernde Nachfrage, hielt an allen Aktienmärkten weiter an. Nur das Maß der Rückgänge war verschieden: Hamburg mit 5–6prozentigen Abschlägen steht an der Spitze; Frankfurts Aktienmarkt, mit Verlusten um ? Prozent, zeigt sich etwas widerstandsfähiger.

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