Von Gerd Bucerius

Die Reise geht über gute Straßen. Die Äcker in unserer Zone sind vollständig bestellt, die Saat steht gut, ist nur ein wenig blaß infolge Düngermangels. Der Übergang in die russische Zone vom Norden her ist nur bei Helmstedt, 40 Kilometer östlich Braunschweig, auf der Autostraße Hannover-Berlin möglich.

Die Messepässe vermitteln die Einreise in das russische Gebiet ohne Schwierigkeiten. Nur wegen des Autos verlangen zwei gut aussehende Grenzsoldaten freundlich lächelnd zwei Liter Benzin – auf der Ausreise später eine Flasche Sprit –, die auch gewährt werden, was immerhin vorzugsweise Abfertigung bei den russischen Paßbeamten sichert Am selben Morgen waren schon 500 andere Messebesucher in das russische Gebiet gereist, viele waren mit Autobussen bis zur Grenze in Helmstedt gebracht; von dort aus Fußmarsch von 45 Minuten zur nächsten Bahnstation.

Auf der russischen Seite war ebenfalls jede! Acker bestellt. Die Saat bedeutend kräftiger: hier sieht man auch im Ostwind die Staubwolken hintei dem düngerstreuenden Bauern. Provinz und Land Sachsen verfügen über einigermaßen ausreichende Produktionsstätten für Kunstdünger.

Die Straßen im russisch-besetzten Gebiet sind fast leer. Die völlige Abwesenheit russischer Militärfahrzeuge ist sehr auffallend. Nur in den Städten fahren einige russische Offiziere in requirierten Wagen.

Der Weg führt über Magdeburg, Halle nach Leipzig. Magdeburg ist sehr zerstört; auch der Dom hat schwere, aber heilbare Schäden. Halle ist die einzige deutsche Großstadt, die fast keinen Schaden hat. Leipzig hat trotz der auch dort bis zur Sinnlosigkeit fortgesetzten Kämpfe weniger Schäden, als man erwarten sollte. Zwar hat die Innenstadt sehr gelitten, aber nur 18 v. H. des Wohnraums sind zerstört (in Hamburg 50 v. H.). Insgesamt sind die Schäden in der russischen Zone geringer als die der britischen mit dem zerstörten Industriegebiet,

Die Ausstellung