Wandlungen im Welthandel

Von Artur Bode

Deutschland, das fast 10 Prozent des Welthandels bestritt, und Japan mit einem Anteil von 5 Prozent fallen zunächst für den Ausgleich der Weltbedürfnisse aus, Großbritannien hat Positionen abgeben müssen; die Vereinigten Staaten haben ich an die erste Stelle geschoben; Südamerika hat ich erfolgreich weiter industrialisiert und seine außenwirtschaftlichen Beziehungen zum nördlichen Schwesterkontinent ungemein verstärkt. Europa, belastet mit einem Vakuum in seiner Mitte, durch die Vernichtung etwa der halben deutschen Produktionskapazität, ist grundlegend geschwächt; im Fernen Osten liegt China wirtschaftlich ebenso am Joden wie Japan, und der südpazifische Raum wird Jahre gebrauchen, bis er sich von den Kriegswirkungen erholen und zur alten Erzeugungskraft zurückfinden kann.

Dafür ist im Osten. Europas und in der nördlichen Masse des asiatischen Festlandes die Sowjetunion zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht geworden, das Aussichten hat, sich dem amerikanischen anzugleichen. Nur Afrika und Australien haben ihren alten Stand und ihre wirtschaftliche Struktur einigermaßen unverändert gehalten und stehen mit Erzeugungen bereit, die auch vorher ihre Stellung im Welthandel bestimmten.

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Weitere Einflüsse gehen von der finanziellen Schwergewichtsverlagerung aus, die nicht überall identisch ist mit der produktioneilen. Europa freilich liegt auch hier auf der Passivseite, und Amerika hat gewonnen. Die Vereinigten Staaten haben die Eingleisigkeit der aktiven Handels- und Zahlungsbilanz verstärkt und wollen auch bei den Dienstleistungen für die Welt noch zusätzlich einsteigen; Südamerika hat den tiefgreifenden Wandel vom Schuldner- zum Gläubigerland jetzt erst vollziehen können. Synthetische Erzeugnisse sind, entwickelt worden, die auch in Friedenszeiten ihren Rang behaupten und Wettbewerbsverschiebungen zwischen den Ländern und Welthandelsartikeln herbeiführen werden.

Die Produktionsmenge wird in absehbarer Zeit wieder ausreichen, um die Bedürfnisse zu befriedigen, und die Absatzfrage, das Krisenübel vergangener Zeiten, wird wieder in den Vordergrund treten. Sosehr sich auch in allen Teilen der Welt der Gedanke der Planung in den Vordergrund gedrängt hat, und der staatliche Einfluß auf den Wirtschaftsablauf zur Dauererscheinung zu werden scheint, so vollzieht sich diese Beeinflussung doch in der Ebene der Volkswirtschaften. Im Weltrahmen bleibt aber dem ungeregelten Wettbewerb weiter Spielraum. Die Sehnsucht nach der krisenlosen Wirtschaft ist überall groß, aber es wird gut sein, sich rechtzeitig darauf einzustellen, daß es sich hierbei um utopische Wünsche handeln kann. Noch lebt die Welt im Übergang von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft, und die Umstellungen sind im wiederbeginnenden Kampf um die Absatzmärkte zunächst durch die Ausschaltung eines früher so starken Wettbewerbers wie Deutschland für die andern Industriestaaten vereinfacht worden. Freilich besteht auch die Gegenrechnung, daß ein industriell verkümmertes Deutschland zwangsläufig als Absatzgebiet ausfällt und später nur im beschränkten Rahmen zur Außenwirtschaft wieder zugelassen werden soll.

Für 1949 ist ein vorläufiger Plan der industriellen Erzeugungsmöglichkeit und des Außenhandelsumfangs veröffentlicht worden, der maximal ein Volumen von 6 Milliarden Reichsmark vorsieht. Die 3 Milliarden, die davon auf die Einfuhr entfallen und 1,5 Milliarden Lebens- und Futtermittelimporte neben den notwendigen Rohstoffeinfuhren, Dienstleistungen usw. sicherstellen müssen, können nur realisiert werden, wenn die Exportsumme von ebenfalls 3 Milliarden erreicht werden kann. Das möchte nicht schwierig erscheinen, wenn die Ausfuhrintensität und Deutschlands Standing im Welthandel von früher zugrunde gelegt werden könnte. Aber dies wäre nach dem Industrieplan nicht zu verantworten. Abgesehen von der Beschneidung der Kapazität auf etwa 55 Prozent nach dem bisherigen Plan, verliert Deutschland viele Spezialerzeugungen, die besondere Werbungskraft auf dem Weltmarkt hatten.

Neben den Exporten der Großindustrien Kohle und Eisen spielte die Ausfuhr an Maschinen, diemischen Stoffen und Erzeugnissen und elektrotechnischen Artikeln, um nur einige Beispiele herauszugreifen, eine hervorragende Rolle. 1938 betrug die Erzeugung für Maschinen (außer elektrischen) 4330 Millionen Reichsmark, von denen 766 Millionen in die Ausfuhr gingen. Nach dem Plan sollen 1949 nur für 1651 Millionen hergestellt werden dürfen. Der Ausfuhranteil muß mindestens im gleichen Maß sinken; vielleicht verkleinert er sich noch, weil Spezialitäten nicht mehr erzeugt werden und weil der Inlandbedarf notwendigerweise vorweg gedeckt werden muß. Ähnliches gilt für andere Wirtschaftszweige: die Erzeugung an elektrischen Maschinen wird halbiert. Früher lag die Produktion bei 3000 Millionen bei 317 Millionen Export. An chemischen Grundstoffen wurden 159 Millionen ausgeführt bei einer Produktion von 920 Millionen, die auf 368 Millionen sinken soll. Chemische Fertigwaren werden auf einen Erzeugungswert von 1478 Millionen gegen 2112 heruntergesetzt. Die Ausfuhr betrug 1938 an diesen Waren 576 Millionen Reichsmark.

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