J~ie Parteien sind wieder da. An den Straßen prangen hre Aufrufe. In großen Ver S Sammlungen wenden iie sich an die kommenden Wähler. Wir glauben den Ausrufer zu hören: "Hereinspaziert, hereinspaziert!" Auf den cffentlidien Plätzen wird auf den Sündenbock eingeschlagen, der an allem schuld sein s)ll "Haut den Lukas!" gellt es durch die Gassen. Der kleine Mann, der Verführte, der Eingeschüchterte, der Namenlose wird verurteilt und verdammt.

In der Jahrmarktbude hingegen wird "entnazifiziert"S Merkwürdige Gestalten erblühen wir dort, um vertraut aus zahllosen unliebsamen Erlebnissen. DA sfehen sie, die Männer mit dem tiefen Brustton der Überzeugung, die von ihren Gefolgschaftsmitgliedern "Beweise" verlangten, um sich nach oben zu decken. Jetzt sind sie die Männer mit detf weißen Weste.

Der Fragebogen wird mühsam gestemmt, um den dunklen Punkt in der Vergangenheit schamvoll zu verhüllen. Glücklicherweise sind diese Herrschaften immer vorsi&tig gewesen. Sie haben nur den kleinen, schwachen, abhängigen Familienvater hineinschlittern lassen in die Schuld, die heute riesengroß erscheint. Sie hatten ja immer die besten Beziehungen, und auch jetzt spielen unterirdische, für niemand erkennbare Verbindungen, Jedenfalls sind sie wieder da. Nur hereinspaziert in die Jalnnarktbude, in der die Sunden abgewasdten werden. Der Eintritt in die riditige Partei macht alles wieder gut. Sitzt dort nicht die Dame ohne Vergangenheit, makellos, eil sie nidit sündigen konnte? Wo ihre Vergangenheit geblieben ist? Wer wollte alle Zsabertricks sofort durdtschauett können? Dann wäre der Zauberkünstler nur ein Stümper. Vielleicht ist die Vergangenheit im Osten zurückgeblieben, vielleicht untergegangen in einem brennenden Partei gebäude. Oder war der Herr Hansdampf wirklich so vorsichtig gewesen? Es kommt darauf an, sofort und so schnell wie möglich den Anschluß an eine Partei, min, an die richtige Partei zu finden. Es müssen "Beweise" für eine wirklich demokratische Gesinnung erbracht werden, heißt es in manchem Aufruf, und was hegt näher, als der Eintritt in die eine, alles seligmachende Partei, die auch alle vergangene Schuld tilgen kann.

Die Geschäftigen benutzen die Gelegenheit, sich in Sicherheit zu bringen. Die ernstere und die ehrlicheren Geister prüfen und prüfen. Werden sie sich durchringen, für eine Überzeugung einzutreten, die nicht voll und ganz die ihre ist? Können sie alle die Zweifel überwinden, die immer noch ihr Herz erfüllen? Während die einen sich in das Zelt des Zauberkünstlers drängen, aus dem der politische Mensch weißgewaschen und mit Zettel chen versehen hervortritt, steht die Jugend beiseite. Aus Verantwortungslosigkeit? Sie sieht das Jahrmarkttreiben und versteht es nicht. Von blutgetränkten Schladitleiden ist sie zurückgekehrt, auf die der Wahnsinn der vorangegangenen Generation sie gechidrt hat, wo die Besten verblutet sind, wo sie ihre Gesundheit und wandle ihre GliedmaßeH gelassen haben. Und ihr wird jetzt die ganze Schuld der Verantwortung aufgepackt. Ihr wird von den Alten, den zutiefst Verantwortlichen, das große befreiende Wort, die Chance ihres Lebens, der Generalpardon, verweigert! Jahrmarkt der Politik!