Von Erik Blumenfeld

Hiermit ersuche ich Sie ebenso höflich wie dringend, meinem lebensnotwendigen Betrieb einen Lastkraftwagen endlich zuzuteilen ...“ „Für die uns gestellten Aufgaben benötigen wir sofort einen Personenwagen...“ Da wir vordringlichste Aufträge, u. a. für die Militärregierung, vorliegen haben, stellen wir hiermit den Sofort-Antrag auf Erteilung des F-Scheines für zwei weitere Fahrzeuge, nämlich die in unserem Besitz befindlichen...“ „Insbesondere jetzt, wo der Wahlkampf vor der Tür steht, ist es undenkbar, daß die Parteien mit so wenig Fahrzeugen auskommen ...“

In bunter Fülle, zu Hunderten, flattern die Anträge auf Zuteilung von Kraftfahrzeugen und Zulassungen auf die Schreibtische der Männer in den Verkehrsverwaltungen. Im Ton wie in der Aufmachung verschieden: von dem sachlich-höflichen und gut begründeten Antrag angefangen über die kategorische Anforderung bis zur Drohung, Verleumdung, Denunziation.

Alle Wünsche haben eine ähnliche äußere Form, mit vielen, Stempeln und Befürwortungen versehen, aber auch eine gleiche innere Berechtigung. Aus dieser spricht weniger der Wunsch, Besitzer eines Fahrzeuges zu sein, als vielmehr, es zum Zwecke der Arbeit, des Berufs oder der Dienstleistung zu benutzen, um so mehr, als senstige Verkehrsmittel beschrankt, unzulänglich und überfüllt sind. Vor die Frage der Auswahl und Berücksichtigung der dringlichsten; im öffentlichen wie im volkswirtschaftlichen Interesse zu berücksichtigenden Anträge gestellt, haben die verantwortlichen Verkehrsverwaltungen eine denkbar schwere und immer undankbare Arbeit.

Im Vergleich zu normalen Verhältnissen sind, von verbindlichen Richtlinien der Besatzungsmacht abgesehen, drei ausschlaggebende Momente zu berücksichtigen, die eine großzügige Zuteilung unmöglich machen: 1. Die Treibstofffrage, 2. die mangelnde oder ausfallende Neuproduktion, 3. die Reifen- und Ersatzteilfrage.

Gerade das Fehlen der Ersatzteile ist es, das bei der Vielzahl der Typen, nicht zuletzt an ausländischen Fabrikaten, eine wirtschaftliche Reparatur unmöglich macht, so daß monatlich durch Verschleiß und Unfälle ausfallende Kraftfahrzeuge einen ansehnlichen Wagenpark bilden, der nur noch Schrottwert hat.

Ein prinzipieller Denkfehler liegt den meisten Anträgen auf Zuteilung oder Zulassung eines PKW oder LKW zugrunde. Der Antragsteller geht davon aus, daß er ein Fahrzeug erhalten muß, um seine Existenz aufzubauen oder zu erweitern und zu vergrößern. Er beschafft sich Aufträge, übernimmt Lieferungsverpflichtungen, schließt Verträge, die das Vorhandensein eines Fahrzeugs voraussetzen. Mit diesen Unterlagen ausgerüstet, erscheint der Bewerber, seiner eigenen Meinung nach nicht abweisbar. Aber gerade hier muß behördlicherseits angesetzt werden, um nur den wirklich „echten“, notwendigen Zugang zu der mangels Substanz bereits völlig übersetzten Wirtschaft zuzulassen.