Der Krieg hat nicht nur unsere Städte zerschlagen. Er hat auf die Bauplätze, auf die wir nicht verzichten können. Berge von Schutt gehäuft, die wir erst forträumen müssen, bevor wir mit der Arbeit für den Neubau beginnen können. Halb stehengebliebene Mauern müssen niedergerissen, aufgetürmte Berge von verbogenem Eisen und Stahl entwirrt, Hügel von Trümmern und unbrauchbaren Überresten fortgeräumt werden! Die Kosten sind teilweise so hoch, daß mancher daran denkt, lieber fortzuziehen und ein neues Baugelände zu suchen, als die Kosten des Aufräumens aufzubringen.

Ist es auf geistigem Gebiet anders? Sperren unseren Weg in die Zukunft nicht Riegel von Vorurteilen, von Haß und Leidenschaften, von verlogenen Ansichten und verwirrten Begriffen, furchtbares Erbe einer schrecklichen Zeit geistiger Umnachtung? Die Worte, mit denen wir uns vor fünfzehn, zwanzig Jahren verständigt haben, sind in ihrem Sinn verändert. Sie haben einen neuen, manchmal unheilvollen Klang erhalten. Sie wecken in uns quälende Erinnerungen, die uns eine klare, nüchterne Überlegung zu rauben drohen. Zwölf Jahre lang ging über uns eine Flut von Propagandareden, die alles verfälschten, alles entwerteten, alles verdrehten, was vordem fest und sicher und klar erschien. Heute können wir nicht dort anfangen, wo wir vor dreizehn Jahren standen.

Wir selbst haben uns verändert. Wir sehen manche Erscheinungen klarer und schärfer, viele jedoch verzerrt und entstellt, weil die Begriffe der Zeit der Unterdrückung freier Meinungsäußerung sich widerstandslos in uns hineinfressen durften. Sie gilt es wegzuräumen, wenn wir dem deutschen Volk den Weg in eine lichtere Zukunft zeigen wollen.