DIE ZEIT

Ohne Heimat

Dies nämlich ist es: keine Heimat haben – verjagt sein von Haus und Hof, die vertrauten Wälder nicht mehr sehen, die Seen und Hügel, den Kirchturm über den Dächern des Dorfes, die Straßen und Märkte in den Städten, den Pflug nicht mehr führen können über den eigenen Acker und in der Fremde im Elend leben, Heimweh im Herzen.

Der entgöttlichte Tenno

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind zur Macht des Schicksals für Japan und die Japaner geworden. Sie waren es, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das Inselreich nötigten, seine unzeitgemäße Isolierung aufzugeben und dem ungeduldig murrenden Handel fremder Mächte seine Häfen zu öffnen, und die es damit auf den Weg des Angleichens und Aufholens wiesen.

Neue Wege der Enteignung?

In der Sowjetzone und in Berlin sind unmittelbar nach der Kapitulation die Bänken geschlossen worden. Ihre Aktiven wurden kürzlich auf die neu geschaffenen öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute Übertragen.

Eine Mondlandschaft wird produktiv

Stellungen durchzogen, von Granateinschlägen in den Winter hinein mein Vieh da und dort grasen obungsweise durchwühlt, und er sagte sich, es müsse lassen konnte.

Einheitliche Wirtschaftspolitik

Wir erleben heute im Osten Europas den fast zwangsläufigen Prozeß der Zentralisierung selbständiger souveräner Staaten, wie Polen, der Tschechoslowakei und Rumänien, unter zielbewußter russischer Führung, gleichzeitig sehen wir, wie im eigenen Land im Gegensatz zu dieser Großraumpolitik die kleinsten administrativen Einheiten autonome Ansprüche stellen und wie im Westen das Fehlen einer einheitlichen Konzeption die wirtschaftliche Neugestaltung Europas außerordentlich fragwürdig erscheinen läßt.

Litwinows Abschied

In der vergangenen Woche hat der Ministerratder Sowjetunion den bisherigen stellvertretenden Außenminister Maxim Maximowitsch Litwinow seines Amtes enthoben und die früheren sowjetischen Botschafter in London und Tokio, Fedor Gusew und Jakob Malik, zu stellvertretenden Außenministern ernannt.

WOCHENÜBERSICHT

Bei den am Sonntag im Bundesland Sachsen abgehaltenen Gemeindewahlen erhielt die SED die absolute Mehrheit mit 55,5 v. H. der abgegebenen gültigen Stimmen in 2402 von 2416 Gemeinden.

Raumpolitische Überschneidungen

Die Zukunft von Triest ist ein Musterbeispiel für eines der bisher ungelösten weltpolitischen Probleme: die völkerrechtliche Stellung von Gebieten, in denen die Interessen mehrerer Staaten und Völker sich räumlich überschneiden.

Brief auf Umwegen

Dies ist die Geschichte von der Irrfahrt eines Liebesbriefes, die beweist, daß die Postbeamten, wenn sie sich gelegentlich auch einmal irren können, in der ganzen Welt offenbar Stützen der Ordnung, Priester der Korrektheit und Oberpriester der Findigkeit sind.

Demokratie im Leben des Dorfes

Das deutsche Volk soll zur Demokratie erzogen werden. Am besten erziehen die eigenen Beobachtungen, das eigene Handeln und die eigene Erfahrung.

Die tödlichen Superlative

Woraus man sieht, daß nationale Hoffahrt und Anmaßung uralt sind. Und gerade das, was Plinius formulierte, ist eine jener "Weisheiten" mit auswechselbarem Nationaladjektiv.

Ein seltsamer Zeitgenosse

Von Folge zu Folge werden hier Betrachtungen abgedruckt, worin die Reflexion selbst wieder Gegenstand einer befremdeten Nachdenklichkeit ist.

Latein, Latein!

Der liebe Gott hat die lateinische Sprache dazu erfunden, daß zehnjährige Kinder ihren Witz daran üben. Ein aufgeweckter Junge muß lateinische Formen pauken und Sätze konstruieren, denn dies akrobatische Spiel macht wie nichts anderes den Geist kräftig und geschmeidig, wenn auch der kleine Hans nicht einsieht, warum das Latein seine erste Fremdsprache sein soll.

Mond der Liebenden

Die Kulisse ist dieselbe geblieben: der Abendals Zuflucht der Liebenden. Und die Stunde des Rendezvous naht. Das Abendrot ist da und der kühle Wind, in dem schon eine Ahnung des Herbstes ist.

Eines Dichters Visionen im Gefängnis

Moabiter Sonette – ist das nicht ein Widersprach in sich? Moabit, das Gerichts- und Gefängnisviertel Berlins, ist keine Landschaft, in der sonst Sonette blühen.

Gespenster und Abstraktion

Als vor einem Jahr die Berliner Theater wieder zu spielen anfingen, setzte zunächst die große Rekapitulation ein. Wir begannen wieder, wo wir 1933 aufgehört hatten: von Brecht bis Zuckmayr, von Kaiser bis Molnar erlebten wir von neuem die Vergangenheit, auch wenn sie inzwischen Vergangenheit geworden war.

Rundfunk-Hotel in Baden-Baden

Obwohl der Rundfunk noch keine 25 Jahre alt ist – wenigstens in Deutschland hat er doch schon ein gut Stück Geschichte zurückgelegt und kann allerhand erzählen.

Begegnung

Zum erstenmal sah man im Waterloo-Kino, Hamburg, wieder einen englischen Film in deutscher Sprache. Es mag auch in diesem Fall an den Schwierigkeiten des Neuaufbaues liegen, daß diese Synchronisation nicht an die hervorragenden deutschen Leistungen heranreicht, die wir einst zu erleben gewohnt waren.

Liliom oder Der Rückgriff

Das "Theater am Brunnenhof" ist zu Sommersbeginn mit einem alten Stück: "Nathan der Weise" eröffnet worden – einem alten Stück voll erstaunlicher Aktualitäten.

Seefischerei bleibt lebenswichtig

Normalerweise herrscht in der Welt Nahrungsmittelüberfluß. Diese Feststellung nützt uns im Augenblick zwar wenig, aber sie kann uns doch ein gewisser Trost für die Zukunft sein, denn eines Tages löst sich jede Mangelkrise wieder auf.

Österreich als Einheit

Nach langen Bemühungen hat die österreichische Wirtschaft jetzt den Abbau der Zonengenzen erreicht. Damit wird eines der großen Hindernisse auf dem Wege zur Wirtschaftsfreiheit der zweiten Republik beiseite geräumt.

"Hamburger Plan"

Die Arbeiter bei den Beratungen heranzuziehen, erübrigte sich, weil ihr Versicherungsverhältnis bei der Neuordnung, auch bei der Berliner Regelung, nicht wesentlich verändert würde.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Bielefeld produzierte im Juni wieder 25 000 Fahrräder gegen 5000 im Januar. Der Großhandelspreis je Fahrrad ist von 45 RM (1939) auf 70-75 RM gestiegen.

Noch autoritärer?

Bürokratie geht seltsame Wege. Sie hat aus der vergangenen Epoche einen Hang zu autoritären Lösungen übernommen und die Neigung, alles in eigener Regie machen zu wollen.

Zersplittertes Gemeinderecht

Mit der Bildung von Ländern wird die Neuordnung des Kommunalrechts, insbesondere des Gemeinderechts, eine der wichtigsten politischen Fragen.

Stockwerkseigentum

Die Entgegnung: „Stockwerkseigentum? – Nein!‘ – in Nr. 21 der „Zeit“ habe ich erst jetzt zu Gesicht bekommen, da leider hier die „Zeit“ selten zu haben ist.

Die letzte Börsenwoche

Die deutschen Börsen haben den Schock nach der Übernahme der westlichen Eisen- und Stahlkonzerne durch die Militärregierung überwunden.

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