Im Schatten der Pariser Verhandlungen und der bevorstehenden Generalversammlung der UNO hat am 10. September 1946 in London die Palästinakonferenz begonnen. So realisieren nur wenige in Deutschland die außerordentliche Bedeutung, die dieser Konferenz zukommt. Behandelt sie doch eine der heikelsten Konstellationen der heutigen Weltpolitik, die in ihren kaum entwirrbaren Interessenverflechtungen weit, über die Landschaft Palästina hinaus nicht nur den ganzen Vorderen und Mittleren Orient bewegt, sondern auch die Regierungen der Großmächte in viel stärkerem Maße, als es nach außen hin den Anschein hat, beschäftigt und mit Sorgen erfüllt.

Die Anfänge des Problems liegen in der Zeit des ersten Weltkrieges, als durch die Balfour-Erklärung den Juden eine nationale Heimat im Heiligen Lande und gleichzeitig durch den Obersten Lawrence den Arabern Nationalstaaten im arabischen Raum versprochen wurden. Damit war der Konflikt geboren: zwei Völker beanspruchen die Souveränität über das gleiche Territorium, auf dem sie zusammen leben, beide berufen sich auf ihr ihnen durch Versprechungen der englischen Regierung zuerkanntes Recht.

Immer neue Kompromisse hinsichtlich der jüdischen Einwanderung und der Vertretung beider Parteien bei der Regierung überbrückten mühsam das erste Jahrzehnt, bis schließlich in der Mitte der dreißiger Jahre die politischen Gegensätze zu offenen Feindseligkeiten führten. Um endlich eine tragbare Lösung zu finden, wurde daraufhin 1937 die Peel-Kommission nach Palästina entsandt, die nach gründlicher Untersuchung des Problems eine radikale Aufteilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen souveränen Staat in Vorschlag brachte, unter Preisgabe des englischen Mandats. Gegen diesen Plan haben sich Widersprüche erhoben, zumal da man auch der Meinung war, daß der Teilungsplan zuviele Araber unter jüdischer Herrschaft ließe. Darum wurd 1938 eine neue Kommission unter Woodhead eingesetzt, um eine bessere Lösung zu erwägen. Als Resultat ergab sich nun der Vorschlag, die beiden Gebiete wesentlich kleiner zu bemessen und nur gewissermaßen den Kern eines jüdischen und eines arabischen Staates, umgeben von englischem Mandatsgebiet, zu schaffen.

Das verbleibende Mandatsterritorium sollte dann im Laufe der Zeit je nach Bedarf der einen oder der andern Seite zugesprochen werden. Es ist leicht verständlich, daß auch hierzu weder das Einverständnis der Juden noch das der Araber zu erreichen war.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges vertagte die Diskussion des Problems aufs neue. Kaum aber waren die Feindseligkeiten beendet, als der Konflikt wieder aufzuflackern begann und die Gewalttätigkeiten zwischen der jüdischen und arabischen Volksgruppe zunehmend schärfere Formen annahmen, so daß sich bereits Mitte vorigen Jahres die neue englische Labour-Regierung genötigt sah, als eines der ersten Probleme den leidigen Palästinakonflikt wiederaufzunehmen.

In dieser Situation kam der englischen Regierung ein Zufall zu Hilfe, den sie meisterhaft auszuwerten verstand: Präsident Truman richtete, auf Anregung der amerikanischen Zionisten, im Herbst vorigen Jahres an Premierminister Attlee ein Schreiben, in dem er, wortführend für die ganze Welt, es als unbedingt notwendig bezeichnete, in den nächsten Monaten 100 000 Juden aus ihrer jammervollen Flüchtlingsexistenz in Europa nach Palästina zu überführen. Diese Anregung wurde ohne bindende Zusage von England bereitwilligst aufgenommen, der Präsident der Vereinigten Staaten jedoch gleichzeitig aufgefordert, sich daran zu beteiligen, die Möglichkeiten zur Durchführung seines ausgezeichneten Planes zu schaffen. Eine; solchen Aufforderung mußte er nach Lage der Dinge wohl oder übel nachkommen.

Diese Anregung Trumans ermöglichte es dem englischen Kabinett, die USA mit ihrem politischen und wirtschaftlichen Potential zur Lösung des gesamten Palästinaproblems mit heranzuziehen. Ein größer diplomatischer Erfolg, weil die englische Verantwortung für die zu wählende Lösung sich dadurch halbierte, gleichzeitig aber auch ein Nachteil, weil durch die Befassung einer weiteren Großmacht mit dieser Frage neue Verhandlungen notwendig wurden, die eine gefährliche Hinausschiebung der endgültigen Entscheidung unvermeidlich machten. Immerhin, die Dinge kamen in Fluß. Anfang dieses Jahres bereiste eine anglö-amerikanische Kommission Palästina und versuchte unter den Schüssen und Bomben der verschiedenen Widerstandsgruppen den wahren Verhältnissen und Notwendigkeiten auf den Grund zu kommen. In den letzten Julitagen konnte dann gelegentlich einer großen Palästinadebatte der Minister Morrison dem Unterhaus die von der gemischten Kommission ausgearbeiteten Vorschläge zur endlichen Befriedigung Palästinas vorlegen.