DIE ZEIT

Das internationale Gespräch

Die programmatischen Erklärungen verantwortlicher Staatsmänner verdichten sich in letzter Zeit. Byrnes und Truman, Bevin, Attlee und ihr Oppositionsführer Churchill, Smuts und Bidault haben vor der aufmerksam lauschenden Welt das Wort ergriffen; der gewiß nicht als redefreudig bekannte Marschall Stalin stand innerhalb von fünf Wochen zweimal ausländischen Interviewern Rede und Antwort.

Die amerikanischen Wahlen

Am 5. November haben die amerikanischen Wähler die neuen Kandidaten für den Kongreß gewählt. Der nachfolgende Artikel, der das Resultat der Wahlen noch nicht berücksichtigen konnte, schildert die innerpolitischen Situation der USA.

Tödlicher Kreislauf

Die deutsche Wirtschaft ist in einen circulus vitiosus geraten, einen verhängnisvollen Kreislauf, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Bettler, Teurung, Mondezauber

Es sind noch dieselben Brücken über der Seine; es steht noch schlank und hoch derselbe Eiffelturm am Marsfeld, es ist immer noch derselbe Are de Triomphe, der am Ende der aufwärtsstrebenden Lichterreihe der Champs Elysées wie ein dunkles Tor zum Himmel sich in den Abend redet, es schwebt noch immer der Hauch von Romantik um die Türme mit den Teufelsfratzen von Notre-Dame.

Ein portugiesisches Weißbuch

Als der portugiesische Ministerpräsident und Außenminister Dr. Oliveira Salazar nach Abschluß des Krieges öffentlich feststellte, daß dies der letzte europäische Konflikt gewesen sei, in dem Portugal neutral bleiben konnte, kannten die wenigsten die wirkliche Geschichte der portugiesischen Neutralität in der entscheidenden Kriegsphase und im Rahmen der englischen Allianz.

Madrid: Prunk und Elend

Oberflächliche Spanienreisende gewinnen leicht den Eindruck von Luxus, Reichtum, Eleganz und Wohlleben. Aber der Schein trügt.

Türkei von innen betrachtet

In der Türkei dürfen heute in begrenztem Maße kritische Stimmen laut werden. Die Grenze liegt beim Militärischen. Immerhin bleiben Kommentare der türkischen Wirtschaftsnöte unvollständig.

Beitrag zur Humanität

In Dänemark scheint es sprichwörtlich geworden zu sein, daß es "auch noch gute Deutsche" gäbe, etwa so wie man im Dritten Reich bei uns davon sprach, daß man aber auch diesen und jenen "anständigen Juden" kenne.

Berlin als Patient

Daß Gesundheit nicht nur Privatsache, sondern auch eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, braucht heute nicht besonders betont zu werden.

Englische Arbeiter sehen Belgien

"Wir fühlten uns bei der Ankunft in Brüssel in die Zeit vor dem Krieg zurückversetzt. Lebhafter Verkehr, zufriedene, gutgekleidete Menschen, Lichtreklamen, reichhaltiges, gutes Essen, saubere Hotels – war hier Krieg? In der Unterhaltung mit unseren Gastgebern kamen wir hinter das belgische Geheimnis: nüchtern arbeiten und nicht zuviel versprechen.

Letzte Hoffnung

Kalt bläst der Wind dieses frühen Herbstes durch die dünner Uniformmantel heimat- und hoffnungsloser Männer, die müde auf den Landstraßen gen Kehl wandern Als letzte Zuflucht in ihrem zerstörten Leben bleibt ihnen – so sagen sie – nur noch die straffe Disziplin der französischen Fremdenlegion.

WOCHENÜBERSICHT

Allgemeine Abrüstung und Beibehaltung des Vetorechts waren die Hauptforderungen Molotows in der Vollversammlung der UN. Gegen ein Mißverstehen der USA-Politik durch die Russen wandte sich Senator Austin, der im übrigen die Bereitschaft der USA, in Abrüstungs-, fragen mitzuarbeiten und ebenfalls am Vetorecht festzuhalten, verkündete.

Zur Kritik des Wahlsystems

Der Vorsitzende des deutschen Wahlrechtsausschusses für die britische Zone hat zu der "Debatte um ein Wahlsystem" Stellung genommen.

Das verlorene Hotel

Für Joseph Roth, den "Schriftsteller" in dieser Schilderung, einen der größten Zauberer der deutschen Sprache, dem das traurige Schicksal widerfuhr, in Paris, noch bevor er das fünfzigste Lebensjahr hätte erreichen sollen, als Emigrant sterben zu müssen.

Die großen Städte

Wenn man es in den großen Zusammenhängen übersieht, wenn man die Trümmer betrachtet und alles, könnte man meinen, wir seien mitten ineingeraten in eine Epoche der Ausrottung der großen Städte.

Der seidene Schuh

Unter den vielen Aufführungen der Kölner Kulturtage, die auf der Schauspielbühne den "Woyzeck" von Büchner, auf der Opernbühne "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß, im Konzertsaal Hindemiths "Nibilissima Visione" und das "Tedeum" von Walter Braunfels unter Günter Wands Leitung erstehen ließen, war die deutsche Erstaufführung von Claudel "Der seidene Schuh" ein besonderes Ereignis.

HAMBURGS ALTE MEISTER

In Hamburg, in der Galerie Bock, wird eine Ausstellung von Meisterwerken mittelalterlicher Kunst gezeigt, in Hamburg, das Percy Schramm noch das "Tor zur Welt" nennen konnte.

Ruf über die Grenze

Im Rahmen weithin beachteter Kulturtage hat Köln gezeigt, daß es trotz seiner Kriegswunden dank seiner Größe und Tradition zu einer eigenen Sendung berufen ist.

Verkehrsregelung

Als die amerikanische Armee in München Quartier nahm und rauschende Züge von Motorfahrzeugen wie Lachse zur Laichzeit durch die Ruinenschluchten schwammen, da standen an allen wichtigen Straßenkreuzungen die MP‘s als Verkehrsregler.

Dokumente des Widerstandsgeistes

Es löst eigentümliche Gefühle und Erinnerungen aus, wenn man heute einmal wieder die auf Schreibmaschinenpapier vervielfältigt gewesenen Predigten und Hirtenbriefe des verewigten Bischoffs von Münster August Clemens Graf von Galen zur Hand nimmt, die – wie lange scheint es doch schon her zu sein! – neben den Rundfunkbotschaften Thomas Manns, neben Wiecherts leidenschaftlichen Aufbegehrungen oder den Zeitkritiken und Verwarnungen der Theologen Barth, Wurm, Dibelius und neben den Zeitglossen und wenig kaschierten Aufsätzen der "Deutschen Rundschau" und ihres heroischen Herausgebers in den dunklen Jahren des wachsenden geistigen Terrors für so viele Deutsche ein Balsam auf die geschundene Vernunft und das zertretene Gewissen gewesen sind.

Filmproduktion am Rhein?

Die vor kurzem in Koblenz veranstalteten "Französischen Filmtage" boten Gelegenheit, die französische Filmproduktion durch eine Schau repräsentativer Filme kennenzulernen.

Notizen

Die von studentischen Kreisen der Universität Berlin erhobene Forderung nach einer neuen Universität, wenn die Humboldt-Universität in Berlin nicht aus der sowjetischen Zonenverwaltung herausgenommen und dem Berliner Magistrat unterstellt wird, wird vom Landesverband Berlin der SPD unterstützt.

Wirtschaft: Das Gespenst Japan

Lancashire hat sich beunruhigt und nervös an das Parlament und an die britische Öffentlichkeit gewandt: Das Gespenst Japan, das durch den Krieg für immer gebannt zu sein schien, ist wieder am Horizont aufgetaucht! Lancashire, das ruhige Zeiten und ein leichtes Exportgeschäft erwartet hatte, sieht die Welt mit billigen japanischen Textilwaren überflutet.

Eine Kriegsschädenbilanz

Berlins Industrie arbeitet wieder, soweit es Zustand oder Wiederherstellungsfähigkeit der Anlagen und Rohstoffknappheit nur irgendwie zulassen.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Infolge des Ausbleibens von überseeischen Getreide- und Mehldampfern sind die Lebensmittelzufuhren über Hamburg in der vierten Oktoberwoche auf einen Stand von 9925 t zurückgegangen.

Noch mehr Scherben?

Es kann heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Organisation unseres Geldwesens in dieser trübsten Zeit unseres Landes eine Belastungsprobe ohnegleichen bestanden hat -Von der Filialbank bis zur kleinsten Sparkasse, unter schwierigsten äußeren Verhältnissen, größtenteils in zerstörten Räumen, haben Angestellte und Leiter den Zahlungs-, Überweisungs- und Kreditverkehr aufrechterhalten und damit nach der Kapitulation die Existenzgrundlage für Hunderttausende von Menschen und für ungezählte Betriebe fürs erste sichergestellt.

Wir leben von der Substanz

Seit dem Abbruch der Kriegskonjunktur macht sich in steigendem Maße ein Mißverhältnis zwischen Einkommens- und Preisentwicklung fühlbar.

Hausse "auf Abbruch"

In der vorletzten Woche hat an allen Börsen eine ausgesprochene Hausse eingesetzt, die sich in starker Umsatzbelebung (Hamburg meldete.

Ländliche Bauvorhaben

Ländlicher Wohnungsbau als volkswirtschaftliche Aufgabe: dieses Problem hat in der Vergangenheit kaum bestanden. Wohl gab es auf dem Lande, vorzüglich in großagrarischen Gegenden, bisweilen Wohnungsprobleme, jedoch waren sie lediglich sozial bedeutungsvoll und nur sekundär durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung bedingt.

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