Ich glaube fest daran, daß Deutschland in kommenden Generationen wieder seinen Platz einnehmen wird im Kreise der Nationen, andere Völker achtet und selbst geachtet wird. Suche jeder „eine Arbeit, trage durch anständige Haltung dazu bei, den Grundstein zu legen eines kommenden glücklichen Volkes und Landes.“

Mit diesen Worten wandte sich der von den Engländern bei der Besetzung Oldenburgs als Ministerpräsident eingesetzte Theodor Tantzen-Heering an die Bevölkerung.

Aus dieser Gesinnung heraus hat er seines Amtes gewaltet, bis ihn am 11. Januar 1947 im 70. Lebensjahre an seinem Arbeitstisch der Tod ereilte und ihn aus seiner verantwortungsvollen Stellung als oldenburgischer Ministerpräsident und als Verkehrsminister des neuen Landes Niedersachsen herausriß.

Tantzen wurde am 14. Juni 1877 auf dem Hof Heering in Butjadingen in Oldenburg geboren. Aus der bäuerlichen Arbeit kam er über die oldenburgische Landwirtschaftskammer in die Politik, wurde 1910 Mitglied der oldenburgischen Fortschrittspartei, 1918 nach Übertritt zur Demokratischen Partei Mitglied des Landesdirektoriums Oldenburg und 1919 Ministerpräsident dieses Landes. Bereits Mitglied der Nationalversammlung, war er fast in allen Wahlperioden Mitglied des Reichstages. Schon 1930 begann er sich gegen den immer stärker werdenden Einfluß Hitlers zu wehren und trat unter gleichzeitiger Niederlegung seines Reichstagsmandats aus der Demokratischen Partei aus mit der Begründung, „daß der Deutsch-Demokratischen Partei Kraft und ernsthafter Wille fehle, eine rückschrittliche volksfeindliche Politik erfolgreich abzuwehren und eigene Wege zu gehen“.

Der Tod von Theodor Tantzen-Heering ist für das neue politische Leben in Deutschland ein besonders schwerer Verlust, weil Gestalten wie er leider eine Seltenheit geworden sind. Seine bäuerliche Herkunft, die ständige Verbundenheit mit seinem Hof, eine tiefe christliche Gläubigkeit, verbunden mit einem starken Willen, sein klarer Geist und seine nicht zu erschütternde Zuverlässigkeit hatten ihn zu einer Persönlichkeit gemacht, die man vielleicht am besten charakterisiert, wenn man ihn als „Ohm Krüger“ Oldenburgs bezeichnet.

SdS.