Um die Zerstörung der Güter in der Ostzone zu vollenden, erließ Sokolowski am 7. September 1947 den Befehl 209, mit dem der Abbruch der Gutsgebäude angeordnet wurde. Aus dem auf diese Weise gewonnenen Baumaterial sollten im verflossenen Jahr 37 000 Siedlergehöfte erstellt werden. – Wie stets, wenn es sich darum handelt, etwas zu zerstören, würde die Arbeit mit rücksichtsloser Tatkraft durchgeführt. Von, etwa 34 000 Gutsgebäuden wurden 10 500 zum Abbruch bestimmt, allein in Thüringen von 1950. nicht weniger als 1168. Auch zahlreiche schöne und historisch bedeutsame alte Herrenhäuser fielen den Sprengpatronen und der Spitzhacke zum Opfer. Man wird den angerichteten Schaden mit 700–800 Millionen DM einschätzen müssen.

Wenn auch die Wirtschaftsgebäude der großen Güter infolge Viehmangels und der minimalen Ernten der Siedler meist ungenutzt standen – die Ablieferung der Gutsareale ging 1947/49 auf etwa ein Sechstel des Friedens zurück –, so versuchte die Bevölkerung doch, sich dieser sinnlosen Demontage ihrer alten Arbeitsstätten zu widersetzen. Die Ausbeute an Baumaterial entsprach natürlich keineswegs den Erwartungen. Der Wiederaufbau der zerstörten Städte wurde daraufhin zurückgestellt und alle Handwerker und Baustoffe für den Befehl 209 eingesetzt. Aber auch diese Maßnahme reichte nicht aus, Zement, Kalk, Dachsteine, Pappe und Eisenzeug fehlen weiterhin, besonders seit der Sperrung der Zonengrenze im Juli 1948. Um das Plansoll zu erfüllen, mauerte man nun mit Lehm, deckte mit Holz oder Lehmschindeln und behalf sich mit Holznägeln. Es bleibt abzuwarten, welche Lebensdauer diesen Gebäuden beschieden sein wird.

Nach der „Täglichen Rundschau“ wurden bis 1. Dezember 1948: 25 526 Neubauernhöfe erstellt Die Vermutung liegt nahe, daß beim Bau dieser Höfe Potemkin Pate gestanden hat; aber selbst wenn man jene Zahl als richtig unterstellt, wird ihre eindrucksvolle Größe durch eine Angabe des „Freien Bauern“ wieder zunichte gemacht, der mit jener in der Ostzone üblichen Neigung zu Obertreibungen behauptet, daß bis zum 1. April 1948 521 000 Siedler mit Land ausgestattet wurden. In dieser Zahl müssen nun allerdings wirklich „Tote Seelen“ nach Gogolschem System mitgerechnet worden sein, denn bei einer Durchschnittsgröße von 7 1/2 ha Nutzfläche je Wirtschaftseinheit reicht das vorhandene Land überhaupt nur für 230 000 Neubauern, einschließlich der bisherigen 94 000 Landarbeiter, aus.

Wenn man einmal diese phantastischen Zahlen auf ein wahrscheinliches Maß reduziert, so wird man wohl annehmen können, daß 1948 etwa ein Drittel der Gutsgebäude abgerissen und für ein Zehntel der Neubauernhöfe neue Gebäude errichtet wurden. Für 1949 und 1950 ist der Bau von je 35 000 Höfen geplant. Wenn entsprechend der Ziffer für 1948 der Abbruch derGutsgebäude in den folgenden Jahren fortgesetzt wird, so dürfte der entstehende Schaden den der Fabrikdemontage im Westen weit überschreiten.

O. R.