Ein ähnliches Institut wie die Wiederaufbaubank in der Doppelzone wurde kurz vor der Währungsreform für die französische Zone ins leben gerufen. Es ist die Finanzierungs-AG in Speyer. Sie wurde von den Ländern Rheinland-Pfalz, Baden und Württemberg-Hohenzollern mit einem Grundkapital von 30 Mill. RM gegründet, Mit der Geldumstellung ist dieses Kapital auf 3 Mill. DM zusammengeschmolzen. Heute, nach einem weiteren Aktienerwerb des Landes Rheinland-Pfalz, beträgt es 3,95 Mill. DM. Der Anteil des Landes Rheinland-Pfalz ist dadurch doppelt so groß geworden wie der Württembergs und Badens. Eine Stimmenmehrheit in der Generalversammlung der Gesellschaft ist damit jedoch nicht verbunden; lediglich bei der Verteilung der Kredite wirkt sich das Übergewicht des Landes Rheinland-Pfalz aus. Auf das Land entfällt entsprechend seiner Größe die Hälfte der von der Gesellschaft zu gewährenden Kredite.

Trotz dieser geringen Kapitalausstattung hat die Finanzierungs-AG ihre Tätigkeit relativ schnell aufgenommen. Selbstverständlich übersteigen die an die Gesellschaft herangetragenen Kreditwünsche bei weitem deren Kapazität. Deshalb beschränkt sich die Gesellschaft vorläufig darauf, lediglich Bürgschaften zu übernehmen, um vor allem solchen Kreditsuchenden, die über keine ausreichenden Sicherheiten verfügen, die Kreditaufnahme bei einer Bank oder Sparkasse zu ermöglichen. Die Bürgschaft wird nur für 6„fördenmgswürdige“ Betriebe oder für Personen, die eine „nützlich“ Existenz“ gründen wollen, übernommen. Ob und inwieweit diese Voraussetzungen im Einzelfalle gegeben, sind, prüft und entscheidet der Kreditbeirat, der jeder Zweigniederlassung der Bank beigegeben ist. Zweigniederlassungen bestehen in Ludwigshafen, Tübingen und Freiburg. Der 6Kreditbeirat setzt sich zusammen aus je einem Vertreter des Finanz- und Wirtschaftsministeriums, der Landeszentralbank, der Industrie- und Handelskammern und der Gewerkschaften; dazu kommt noch der Leiter der Zweigniederlassung.

Die Bürgschaft, die von der Finanzierungs-AG übernommen wird, erstreckt sich in der Regel auf 90 v. H. des etwaigen Ausfalls. In Anbetracht des geringen Risikos, das bei dem kreditgebenden Institut bleibt, hat die Finanzierungs-AG zur Bedingung gemacht, daß für derart verbürgte Kredite keine höheren Sollzinsen als 1 v. H. über dem jeweiligen Diskontsatz (der Landeszentralbank) genommen werden dürfen. Die Finanzierungs-AG selbst erhebt zur Deckung ihrer Unkosten eine. einmalige Gebühr von 1 v. H. und eine laufende Bearbeitungsgebühr von 0,25 v. H. des bewilligten Kreditbetrages. –

An die Emission einer Wiederaufbau-Anleihe wird vorerst in der französischen Zone nicht gedacht, da die seit der Währungsreform durchgeführten Emissionen nicht sehr verheißungsvoll verlaufen sind. Einen größeren Erfolg verspricht man sich dagegen von einer Steueramnestie-Anleihe. Eine andere Quelle ist der D-Mark-Fonds, der sich aus dem Verkauf der Marshall-Plan-Importe ansammeln muß (wenn auch vorläufig der Säckel noch leer ist). Es ist geplant, aus diesem Fonds eine erste Rate von 50 Mill. DM für Investierungen in der französischen Zone freizugeben, und in die Verteilung dieses Geldes die Finanzierungs-AG in Speyer einzuschalten. Wann das aber der Fall sein wird, vermag im Augenblick noch niemand zu sagen. Die sicherste und am schnellsten zu erschließende Kreditquelle ist zur Zeit das halbe Festkonten-Prozent, das laut Festkonten-Gesetz blockiert wurde. Mit einer Freigabe dieser Gelder dürfte bald zu rechnen sein, da vor einiger Zeit schon die amerikanische Militärregierung der Bank Deutscher Länder eine „Arbeitsanweisung“ über die Verwendung dieser Gelder hat zugehen lassen. Die Freigabe erfolgt natürlich für das gesamte Währungsgebiet. Dadurch stände hier in der Südzone eine Summe von etwa 50 Mill. DM für die mittel- und langfristige Kreditgewährung zur Verfügung. Ob allerdings die Erschließung dieser Summe allein der Finanzierungs-AG vorbehalten bleibt, erscheint fraglich. Die „Arbeitsanweisung“ der amerikanischen Militärregierung sieht jedenfalls für die Doppelzone kein Monopol der Wiederaufbaubank vor.

Gegen den von alliierter Seite gemachten Vorschlag, das halbe Festkonten-Prozent nur dann zum Erwerb von Wiederaufbauanleihen zuzulassen, wenn ein gleich hoher Betrag ans freien Geldern gezeichnet wird, werden in der französischen Zone starke Bedenken geltend gemacht, Die praktische Durchführung dieses Vorschlags würde bedeuten, daß die Konteninhaber, wenn sie Wiederaufbauanleihen erwerben wollen, fast ein Sechstel ihres abgewerteten Guthabens zeichnen müßten. Es erscheint außerordentlich fraglich, ob unter einer derartigen Bedingung die Konteninhaber noch bereit sind, ihr halbes. Festkonten-Prozent für eine Anleihezeichnung zu verwenden. Es ist vielmehr anzunehmen, daß viele von ihnen unter diesen Umständen auf einen Anleiheerwerb verzichten und einfach warten, bis das halbe Prozent freigegeben wird, was ja am 1. Januar 1954 der Fall sein soll, Vor allem wenden sich auch die Banken und Sparkassen der Zone gegen diese Regelung, da sie befürchten, daß bei solch einer Zahlungspflicht ihre Einlagen zurückgehen. rö.