Für die gesamte Wirtschaft ist die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit von schwerwiegender Bedeutung. Mit einer Vortragsreihe macht die Volkswirtschaftliche Gesellschaft E. V., Hamburg, den anerkennenswerten Versuch, die bedeutungsvolle Frage der Befriedung beider Partner in den Vordergrund eingehender Untersuchungen zu stellen.

Die erste Veranstaltung, die der Klärung des Verhältnisses von Unternehmer und Arbeiter diente, brachte einen Vortrag von Dr. Herbert Groß, Düsseldorf. Er sprach über das Thema der Partnerschaft des Arbeiters in der USA-Wirtschaft und konnte aus persönlicher Kenntnis dieser Materie interessante Einblicke in die soziale Betriebsgestaltung der Staaten vermitteln. Mit großer Aufmerksamkeit wurden seine Feststellungen aufgenommen, daß zahlreiche Fortschritte in den verschiedensten Industriezweigen der USA von den Gewerkschaften ausgelöst werden, die sich sehr interessiert zeigen, die Unternehmen, in denen ihre Mitglieder tätig’sind, zu fördern. Die Rationalisierung ist auf dem Gebiete der Produktion zu einem gewissen Höhepunkt gelangt. Heute haben Unternehmer und Gewerkschaften längst erkannt; daß auf dem Wege einer Beteiligung am Unternehmensertrag noch erhebliche Leistungsreserven des Arbeitnehmers frei gemacht werden können. Beinahe, so sagte Dr. Groß, ist in den Staaten die Gewinnbeteiligung der Arbeiter schon zur Modekrankheit geworden. Das neue amerikanische System habe aber beträchtliche Erfolge, allerdings besonders deshalb, weil die soziale Frage jenseits des großen Wassers nicht von Volks- oder Betriebswirten, sondern in der Hauptsache von Soziologen bearbeitet werde, und weil man in den USA in einer „klassenlosen Gesellschaft“ lebe, die von den Dogmen eines Marx weit entfernt sei.

Daß sich dieses System der Beteiligung des Arbeitnehmers am Ertrag der Unternehmen auch bei uns einführen läßt, wies Bergassessor Klaus Schraepler, Duisburg, nach, der das interessante Beispiel der Duisburger Kupferhütte erläuterte. Zur Ausschaltung der Hauptursachen von sozialen Spannungen wurde in diesem Betrieb für den Arbeitnehmer der Begriff des „gerechten Lohns“ geprägt. Dieser „gerechte Lohn“ setzt^sich aus dem Tariflohn und einem „Ergebnislohn“ aus dem erzielten Jahresgewinn zusammen. – Der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft gebührt ein besonderes Verdienst, der Hamburger Wirtschaft diese Gedankengänge einmal aus sach- und fachkundigem Munde vermittelt zu haben. Um weiteste Wirtschaftskreise mit dem erfolgreichen System der Duisburger Kupferhütte bekannt zu machen, werden wir in einer unserer nächsten Ausgaben ausführlich dazu Stellung nehmen.

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