Die langsam fortschreitende Normalisierung der Handelsbeziehungen Westdeutschlands zum Ausland und die Fülle der damit verbundenen Notwendigkeiten hat die Frage der Wiedereinrichtung deutscher Konsulate in den Vordergrund gerückt. Diplomatische Vertretungen werden uns in absehbarer Zeit nicht gestattet sein.Die deutschen Konsulate sollen daher einen gewissen Ersatz darstellen, um vor allem die Handelsbeziehungen zu fördern. In den letzten Wochenhaben in alliierten und deutschen Kreisen die Gespräche über die Vorbereitung derartiger Handelsvertretungen festere Formen angenommen. Es Ist zu erwarten, daß ihre Einrichtung im Zusammenhang mit dem Besatzungsstatut genehmigt wird. Die Aufgaben dieser Vertretungen werden wahrscheinlich sehr eng begrenzt sein.

Ein Vortragsabend des Deutschen Presseclubs in Hamburg beschäftigte sich kürzlich mit diesen Plänen. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Archivs, Dr. Clodwig Kapferer, machte in seinem Referat über den Kontakt zur Weltwirtschaft einen begrüßenswerten und konstruktiven Vorschlag zur Bildung derartiger kommerzieller Vertretungen Westdeutschlands im Auslande. Er lehnte das System der früheren konsularischen Vertretungen ab, die sich nur zu einem ganz geringen Teil mit den heute vordringlich richtigen (und uns überhaupt erlaubten) Wirtschaftsfragen befaßten. Ein künftiger deutscher Konsul wird, so führte Kapferer aus, seine Aufgabe nicht am Schreibtisch erfüllen können. Er muß die Sprache des Gastlandes beherrschen, eine gründliche kaufmännische Ausbildung haben und umfangreiche Warenkenntnisse besitzen, um in kommerzieller Hinsicht Deutschland und auch seinem Gastland zu dienen. Zur Erreichung des wichtigen Zieles der zentralen Wahrnehmung aller Belange des deutschen Außenhandels, zur Schulung des künftigen Auslands-Beamtenstabes und zur Vermeidung früherer Fehler schlug Kapferer die Bildung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts vor. Ihm soll die Koordinierung aller Außenhandelsfragen Westdeutschlands obliegen. Der Referent konnte seinem beachtenswerten Vorschlag das Beispiel der Schweiz zur Seite stellen, die auf ähnlichem Wege ausgezeichnete Erfolge erreicht hat.

Deutsche Handelsvertretungen dürften vorerst auf die ERP-Länder beschränkt bleiben, wo sie die Fragen des Güteraustausches, des Reiseverkehrs, des Paßwesens und der Informationen über Preise und Absatzmöglichkeiten zu behandeln hätten. Wir hoffen, daß die verantwortlich deutschen Stellen der Frage der Vorbereitung dieser deutschen Vertretungen-die erforderliche Bedeutung beimessen und den Vorschlag von Dr. Kapferer ernsthaft überprüfen. ww.