„Ländlistehler“ riefen erboste Schweizer nach der Besetzung Prags hinter Autos mit deutschen Nummern her, und „Ländlistehler“, so ähnlich klingt es auch aus dem empörten Brief, den der Staatspräsident von Südwürttemberg-Hohenzollern, Dr. Müller aus Tübingen, am den Staatspräsidenten von Baden, Dr. Wohleb in Freiburg, geschrieben hat. Ja, was ist der Welt denn da entgangen? Sind die Hitlerzeiten in der deutschen Südwestecke wieder ausgebrochen?

Nein, mit Erleichterung können wir berichten, so ist es nicht. Hier handelt es sich nicht um jüngste Vergangenheit, sondern um einen längst vergessenen Moder aus der Zeit unserer Urgroßtanten, als böse Intriganten mit Gesichtsmasken und vergifteten Dolchen über die Bühnen schlichen und alle Bösewichte schwarz und alle Jungfrauen himmelweiß rein waren.

Da hat also im Auftrage von Wohleb der südbadische Oberlandesgerichtspräsident Dr. Zürcher an den hohenzollernschen Regierungspräsidenten Dr. Müller in Sigmaringen ein vertrauliches Schreiben gerichtet, und das hat nun der Postbote – das alte Werkzeug der Guten Macht aus der Komödie – in der Tübinger Staatskanzlei für den anderen Dr. Müller, den Staatspräsidenten nämlich, abgegeben. Der las es und war über soviel schwarze Ruchlosigkeit entsetzt. Denn was mußte er entdecken? Da war doch in Freiburg eine Intrige gesponnen worden, mit der man ihm sein Ländli Hohenzollern stehlen wollte; Dabei hatte er doch eine Vereinbarung von Staatsoberhaupt zu Staatsoberhaupt mit Freiburg getroffen; daß, falls der Südweststaat nicht ins Leben treten würde, die alten Länder Baden und Württemberg einschließlich Hohenzollern wiederhergestellt werden sollten. So protestierte denn Dr. Müller in einem energischen Brief dagegen, daß sein, Kollege Wohleb eine geheime Konferenz mit hohenzollernschenUntertanen abgehalten hätte. um mit ihnen eine Verschwörung einzufädeln, das Ländli zu Südbaden zu schlagen.

Dr. Wohleb leugnete alles, das seien nur harmlose Besprechungen zwischen Parteigenossen der CDU gewesen, die um Artikel des Grundgesetzes gegangen wären. Allerdings, so erklärte er später in einem Interview, könne er. nicht einsehen, warum die Untertanen von Hohenzollern nicht auch ein Recht auf Befreiung von ihrem Joche hätten. Das altmodische Intrigantenstück wäre unvollständig geblieben, hätten sich nicht auch Vertreter einer Macht jenseits des Rheins daran beteiligt. C. J.