An Kleinwagen werden zur Zeit in Deutschland nur Volkswagen gebaut, denn den Opel-Olympia und den Mercedes-Benz 170 V muß man schon zu den mittleren Wagen rechnen. Zweifellos zählt der Volkswagen zu den modernsten, leistungsfähigsten und sparsamsten Kernstruktionen dieser Art! Nach dem neuesten Stand, der Technik wären allerdings einige Verbesserungen, wie z. B. eine Synchronisation der oberen Gänge oder ein automatisches Getriebe,, möglich, ebenso könnte statt der mechanischen Bremsen ein? Öldruckbremse Verwendung finden. Die derzeitige Ausstattung genügt daher kaum den holen Anforderungen, die für den Export gesteh werden müssen. Doch dies sind Äußerlichkeiten, die mit dem eigentlichen hohen technischen Gebrauchswert nichts zu tun haben. Nachdem das Vorkswagenwerk im letzten Jahre fast 20 000 Fahrzeuge hergestellt hat, soll die Produktion 1949 auf 40 000 Stück erhöht werden. Hoffentlich ist es dann möglich, den Preis von 5300 DM für die einfachste Ausführung – die Exportausführung I kostet 200 DM und die Exportausführung II (mit verchromten Teilen) 400 DM mehr – zu ermäßigen.

Kleinstwagen, die gewissermaßen ein Motorrad mit Seitenwagengespann ersetzen und diesem preislich wie hinsichtlich Leistung und Verbrauch entsprechen sollen, werden in Deutschland leider immer noch nicht gebaut, obwohl hierfür in weitesten Kreisen großer Bedarf besteht. In anderen Ländern, vor allem in Frankreich und Italien, ist man in dieser Beziehung schon viel weiter. Früher hatten wir auch in Deutschland schon recht brauchbare Kleinstwagen. Wir erinnern uns noch des Hanomag-„Kommißbrotes“, des Grade-Wagern und des Standard-Superior. Sie wurden von den in Groß-Serien hergestellten Kleinwagen („Laubfrosch“, „P 4“ bzw. „Kadett“ von Opel z. f.) preislich „überrundet“ und verschwanden deshalb von der Bildfläche. Eine solche Gefahr besteht wohl in den nächsten zehn Jahren für einen guten Kleinstwagen nicht mehr. Es wäre deshalb an der Zeit, daß auch in Deutschland neuzeitliche, preiswerte und sparsame Kleinstwagen gebaut würden, die sicher reißenden Absatz fänden.

Einer der bekanntesten Kleinwagen, der italienische Fiat-Topolino, der in Frankreich von Simca hergestellt und auch von Steyr in Österreich fabriziert werden soll, wurde wesentlich verbessert. Er ist neuerdings durch einen Zylinderkopf mit günstigem Verbrennungsraum und hängenden Ventilen wesentlich leistungsfähiger und trotzdem noch sparsamer geworden. Hinsichtlich seines Äußeren präsentiert er sich jetzt als ein „Amerikaner en miniature“. Er ist aber ein verkleinertes Automobil, was zweifellos nicht der richtige Weg zum Kleinstwagen ist.

Weiterhin verdient hier der 4-PS-Renault mit einem wassergekühlten stehenden Vierzylinder-Heckmotor genannt zu werden. In mancher Beziehung kann er im Prinzip als ein verkleinerter Volkswagen angesehen werden. Auch der französische Panhard-Dyna mit luftgekühltem Zweizylinder-Boxermotor und Frontantrieb sowie der kleine Rovin sind interessante Kleinstwagen. Auf dem letzten Pariser Autosalon hat Citroën einen spartanischen Kleinstwagen mit luftgekühltem 375-ccm-Zweicylinder-Viertaktmotor und Vorderradantrieb als „Versuchsballon gezeigt, der starkem Interesse begegnete und verhältnismäßig billig sein wird, wenn es zu der beabsichtigten Groß-Serienproduktion kommen sollte.

Deutsche Konstrukteure sind dabei, solche – Kleinstwagen zu entwickeln. Bis jetzt hat sich aber noch keine Fabrik gefunden, die derartige Fahrzeuge in rationellen Groß-Serien zu günstigem Preis herstellen kann. Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, daß wir eine Reihe – hervorragender,’ sehr leistungsfähiger, zuverlässiger und haltbarer Lieferwagen mit kleinen Motoren produzieren. Wenn selbst die bewährten DKW-Frontantrieb Wagen in absehbarer Zeit wieder gebaut werden sollten, so wäre es doch wünschenswert, daß bei uns auch bald ein einfacher, wesentlich billigerer und sparsamerer Kleinstwagen auf den Markt käme, der sich mit wenig Material- und Arbeitsaufwand herstellen läßt. FAEM