Nach Beendigung des Krieges ist die Teile- und Zubehör-Industrie für Kraftfahrzeuge aus ihrem Schattendasein stärker in das Lichtfeld der Verkehrswirtschaftgerückt. Die Transportverhältnisse erforderten den Wiederaufbau des motorisierten Straßenverkehrs. Zwei Aufgaben fielen dabei der Teilen und Zubehör-Industrie zu. Sie mußte, im Rahmen der „klassischen“ Arbeitsteilung mit den Kraftfahrzeugherstellern, diesen jene Teile liefern, für die die Teile- und Zurbehör-Hersteller schon bisher die Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten geleistet und sich Fertigungseinrichtungen geschaffen hatten. Sie mußte zugleich die Lieferung der Ersatzteile übernehmen, die für das Infahrthalten des verbliebenen Kraftfahrzeugbestandes und die Inbetriebnahme stilliegender Fahrzeuge gebraucht wurden.

Sicherlich ist die zweite Aufgabe angesichts des Rohstoffmangels, der beschädigten Fertigungseinrichtungen und der Vielzahl der überalterten Fahrzeugtypen die schwierigere gewesen. Der Bestand an fahrbereiten Kraftfahrzeugen in der Doppelzone hat sich 1948 um mehr als 235 000 Einheiten – 61 v. H., bei Anhängern um mehr als 54 000 Einheiten = 51 v. H. vergrößert. In diesem Jahr sind aber nur rund 60 000 Kraftfahrzeuge (einschließlich der Lieferungen für den Export) produziert worden. Die Vergrößerung des Kraftfahrzeugbestandes konnte also nur durch „Einsatz“ alter Fahrzeuge ermöglicht werden. Um bei der Produktion des Jahres 1948 den derzeitigen Kraftfahrzeugbestand zu erneuern, wären mehr als zehn Jahre erforderlich. Das Durchschnittsalter der Kraftfahrzeuge lag vor dem Kriege bei fünf bis sechs Jahren und liegt jetzt bei etwa elf Jahren.

Diese wenigen Zahlen lassen die Bedeutung der Ersatzteile-Versorgung erkennen. Auch die Ergänzung der Ausstattung, in Verbindung mit der schärferen Beachtung der Vorschriften derStraßen-Verkehrsordnung, wie sie im Interesse der Verkehrssicherheit geboten ist, stellt hohe Anforderungen an die Teile- und Zubehör-Industrie.

Unternehmerinitiative

Die Automobilindustrie hat in den Jahren vor dem Kriege etwa 6 v. H. der Eisen- und Stahlerzeugung verarbeitet. Im laufenden Kontingentszeitraum erhielt sie zunächst nur 3,8 v. H. der erwarteten Erzeugung. Dabei war die Teile- und Zubehörindustrie mit Anteilen beteiligt, die bei Beginn der Kontingentierung nicht in einem angemessenen Verhältnis, standen. Erst durch den Nachweis des ungedeckten Bedarfes und der Schrumpfung der Lagerbestände konnte im Laufe der letzten Jahre eine leichte Besserung der Kontingentierung erreicht werden. Trotzdem ist auch heute für die Lieferung von Teilen und Zubehör noch nicht der Zustand erreicht, der dem Lieferungsverhältnis zwischen Kraftfahrzeug-Herstellern und Teile- und Zubehör-Herstellern in Amerika vor dem Kriege entsprach, obschon die deutschen Verhältnisse eine stärkere Begünstigung der Teile- und Zubehör-Hersteller rechtfertigten.

Trotz der unzureichenden Köntingentzuteilungen hat die Teile- und Zubehör-Industrie neben der Deckung des Bedarfes für das Neubauprogramm in den vergangenen Jahren ein Vielfaches mehr geliefert, als den Kontingeitszuweisungen entsprach. Aber die Quellen, aus denen der für die Mehrlieferungen notwendige Eisenbedarf gespeist werden konnte, sind nicht unerschöpflich.

Preise und Betriebswirtschaft