Von Wilhelm Fuhrmeister

Der Bedarf an Kraftfahrzeugen ist in den USA wie in Europa so groß, daß er von den Werken in absehbarer Zeit, nicht gedeckt werden kann. Trotz laufender Produktion und voller Ausnutzung der Kapazität der ungefähr 1000 Fabriken ist das Automobil auch in Amerika heute eine ausgesprochene Mangelware. Das ist darauf zurückzuführen, das im Jahre 1942 die Erzeugung von Personenkraftwagen zugunsten des Heeresbedarfs so gut wie völlig eingestellt und erst im Jahre 1946 in größtem Umfang wiederaufgenommen wurde. Wenn man weiß, daß im Jahr 1929 die amerikanische Autoindustrie eine Rekordproduktion von 5,3 Mill. Kraftwagen erreicht hatte und bereits in den drei ersten Monaten des Jahres 1942 (also kurz vor Einstellung der Produktion) 1,5 Mill. Wagen die Werke verließen, ist leicht zu errechnen, daß diese vierjährige Lücke in der Produktion einen Fehlbestand von ungefähr 24 Mill. Wagen ergab.

Die Exportmöglichkeiten, (von denen hauptsächlich Südamerika und die skandinavischen Länder gewinnen könnten, sind aus diesem Grunde stark eingeschränkt. Diese Lage wurde von der englischen und französischen Kraftfahrzeugindustrie weitgehend ausgenutzt, die jetzt den größten Teil ihrer Produktion für den Export nach diesen Ländern bereitstellen. Wenn auch die Produktion der amerikanischen Automobilindustrie im Jahre 1948 zum ersten Male seit 1929 wieder die 5-Mill.-Grenze überschritten hat, dürfte eine Sättigung des Inlandsmarktes in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu erwarten sein. Die Nachfrage wird eher noch ansteigen. Man kann erst vom Jahr 1952 an mit einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage rechnen.

Von General Motors Corp. wurden im Jahr 1948 2,15 Mill. Personen- und Lastkraftwagen hergestellt. Trotzdem hatte dieser Konzern im Herbst noch 800 000 Bestellungen vorliegen, die täglich durch 7000 Neuaufträge vermehrt werden. Die G. M. C. produziert die Marken Buick, Chevrolet, Cadillac, De Soto, Pontiac und Oldsmobile. Von Cadillac, Buick und Oldsmobile sind für 1949 neue Modelle angekündigt. Neben den jährlichen Detailsverbesserungen ist 1949 eine wichtige technische Neuerung zu registrieren: für die gesamte Serie von Cadillac sowie das größte Oldsmobile-Modell sind neue Motoren entworfen worden, die das erste praktische Ergebnis der Forschungen darstellen, die Kettering, der frühere Leiter der G.-M.-Forschungsabteilung, während mehr als zehn Jahren auf dem Gebiet der Höchstverdichtung für normale Motoren durchgeführt hatte. Auch Chrysler hat für seinen Dodge-Wagen Auftragsrückstände für ungefähr zwei Jahre, und der Rückstand von Ford in Höhe von 2 Mill. Wagen wird ebenfalls erst 1951 aufgearbeitet sein. Der vierte der großen Konzerne, Kaiser-Frazer, meldet für die 1949er Modelle erhebliche Verbesserungen an Motor, Chassis und Karosserie.

Die amerikanische Autoausfuhr ist im Jahre 1948 weiter zurückgegangen, sie betrug nur 6 v. H. der Gesamtproduktion an Personen-Fragen; 1947 waren es noch 7,5 v. H. gewesen. Dieser Prozentsatz ist mit Ausnahme von 1936 und der Kriegsjahre der niedrigste seit 23 Jahren. Nach einer jetzt veröffentlichten Marktanalyse der Crowell-Collier-Company ist es wahrscheinlich, daß bis 1950 ungefähr 15,5 Mill. Amerikaner neue und alte Wagen kaufen werden. Wie groß der Anteil der Käufer von Neuwagen sein dürfte, geht aus einer von Buick veranstalteten Erhebung hervor, die in erster Linie das Einkommen als Grundlage nimmt. Hiernach nicht das Gesamteinkommen der Amerikaner aus, um im Jahre 1949 einen Absatz von 6 Millionen Wagen zu garantieren.