Allmählich zeichnet sich für den an. Aufregungen, Stories und parteipolitischer Spiegelfechterei so reichen Prozeß nun doch das Ende ab. Trotz seiner langen Dauer ist das Interesse innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals nicht erlahmt. Das grote Fragezeichen bleibt der Urteilsspruch. – Im folgenden setzen wir unseren Bericht über die Vernehmung General Rudenkos fort und bringen eine ausführliche Schilderung der Aussagen von Margarete Buber-Neumann, der Frau des deutschen Kommunisten Hans Neumann, die 1940 von Stalin an die Nazis ausgeliefert worden ist.

Im weiteren Verlauf verliest Izard den Lebenslauf Kravchenkos, welcher nebst denen anderer Sowjetbeamten der Einkaufskommission dem Staatsdepartement zu Washington von der Sowjetbotschaft eingereicht worden war. Darin heißt es über Kravchenko: „1942 – 1943, Ingenieur, Rat der Volkskommissare der USSR“.

Der Anwalt der Verteidigung stürzt sich auf das Komma zwischen den Wörtern „Ingenieur“ und „Rat der Volkskommissare“. Dieses Komma mache den Kravchenko zu nichts als einem kleinen Ingenieur, wenn auch im Sovnarkom, aber dennoch, mehr als das, was ein Kabinettschef bei den französischen Ministern ist, sei Kravchenko nicht gewesen. Bisher hatte es immer geheißen, Kravchenko habe das Sovnarkom überhaupt nie betreten. Nun hat er es! Aber durch die Hintertür, den Eingang für Lieferanten; wegen eines Kommas!

Als die Advokaten, die sich um das Dokument gedrängt hatten, endlich auseinandergegangen sind, ergeht Rudenko sich in Beteuerungen der heißen Liebe, die das russische Volk für das französische im Busen trage, besonders für die tapfere französische Fliegerstaffel Normandie-Niemen. Den Franzosen im Saal wird es ganz warm ums Herz, sind wir doch ganz andere Töne von Moskau gewohnt. Aber der spitzzüngige Spaßverderber Izard fragt den General, wie es bei soviel Liebe nur möglich sei, daß selbst ein französischer „Held der Sowjetunion“, nämlich der Fliegerhauptmann Moynet von eben jener Staffel, nie Antwort auf die vielen Briefe erhalte, die er seinem so anhänglichen, russischen Mechaniker seit. Kriegsende geschrieben habe.

Rudenko: „Ich glaube, diese Frage geht über den Rahmen des Prozesses hinaus. Ich habe nicht die Absicht, zu antworten.“ (Bewegung im Saal.)

Izard fragt darauf den General, was er von den politischen Säuberungen in Rußland halte.

Rudenko: „Ich glaube, diese Frage hat nichts mit dem Prozeß zu tun.“