Als ersten Zeugen in der fünften Verhandlungswoche hören wir den von der Verteidigung bestellten Professor der Philosophie und kommulistischen Abgeordneten Garaudy, der in einem weitschweifigen Vortrag versucht, Kravchenkos Buch zu zerpflücken. Kravchenkos persönlicher Hauptfehler sei der, daß er die mit der Sowjetdemokratie verbundene Disziplin nicht ertragen habe. „Wenn wir“, so sagt der Professor (wir, die Kommunisten), „jedem eine Erfolgschance geben wollen, können wir es nicht zulassen, daß der hemmungslose Egoismus der Starken die Möglichkeit hat, der Freiheit der Schwachen den daraus zu machen.“

Ist der Professor wirklich so naiv, zu glauben, daß „hemmungsloser“ Egoismus nur in sogenaanten kapitalistischen Ländern anzutreffen ist? Weiß er nicht, daß in Sowjetrußland die Starken sich gegen die Schwachen lediglich andersartiger, aber fiel gefährlicherer Waffen bedienen, als sie den amerikanischen Trusts zur Verfügung stehen?

Als letzter Zeuge wird der an zwei Krücken gehende 59jährige Vassilkow einvernommen. Ehemals Rechtsbeirat des Sowjettrusts Glubostal. Er nennt die Namen aller Leiter, Ingenieure und Arbeiter dieses Trusts, die man zur Zeit der großen Säuberungen verhaftet und deportiert hat, und schildert ausführlich, wie seine ganze Familie von der Geheimpolizei ausgerottet worden sei, was den Direktor der Lettres Françaises so sehr einsagt, daß Präsident Dürkheim diesen zur Ordnung ruft: „Das ist nicht zum Lachen, Monteur Wurmser, ob es nun wahr ist oder nicht, was der Zeuge erzählt.“

Izard zu Wurmser: „Menschliches Leid bringt Sie zum Lachen!“

Wurmser zum Auditorium: „Ja, das Leid der Reaktionäre, darüber kann ich nur lachen. Dean das wahre Leid und Elend ist bei denen, auf leren Seite ich stehe.“

Manches Auge im Saal sucht unwillkürlich die legante Madame Gorlowa oder die anderen opulenten Zeugen der neuen Elite Rußlands, die so in Glanz in diesen bescheidenen Gerichtssaal gebracht haben.

Während der Zeuge fortfährt, Kravchenkos Schilderungen der Arbeitsbedingungen in Sowjetrußland, des Polizeiterrors und der Säuberungen zu bestätigen, kritisiert Kravchenko des öfteren die Übersetzungen des neuen Dolmetschers, den man ihm zugeteilt hat. Plötzlich springt dieser ornig auf und erklärt, er sei nicht der Angestellte des Herrn Klägers, und geht unter den Beschimpfungen des nicht gerade nervenfesten Kravchenko fort, für Präsidenten Dürkheim der wohl willkommene Anlaß, die Sitzung aufzuheben.