DIE ZEIT

Recht in Fesseln

vierzehn Tage Urlaub auf Ehrenwort wurdeden Angeklagten im Weizsäcker-Prozeß vor der Urteilsverkündung gewährt. Das war eine faire Geste des Gerichts, das mit ihr bekundete, es halte die Angeklagten nicht für ehrlose Verbrechen In schwarzer Sträflingskleidung und gefesselt wurden die Verurteilten des gleichen Prozesses ins Gefängnis von Landsberg überführt.

Reise nach Südamerika

Unser einstmaliger Chefredakteur Dr. Ernst Samhaber hat sich auf eine Reise nach Südamerika begeben und wird uns von dort laufend Veröffentlichungen mit einem Artikel, den er uns vor seinem Abflug aus Genf übersandt hat.

Triest ein Probefall

Triest blieb wieder einmal als „unerledigt“ auf der Tagesordnung der UNO; seine Bewohner ohne Gouverneur. Der Sicherheitsrat vertagte sich.

„Und neues Leben blüht aus den Ruinen“

Deutschland hat sich ein Grundgesetz gegeben, dessen geographischer Geltungsbereich durch die Macht des Ostens, dessen Souveränitätsrechte durch die Mächte des Westens beschränkt werden; Wir haben auch westlich des Eisernen Vorhangs keine volle politische Freiheit.

Berlin stellt sich um

Seit dem 12. Mai hat jeder neue Tag in Berlin seine neue Farbe. Mit dem Festtag selbst begann es: mit Schulfeiern, festlicher Parlamentssitzung, lebendiger Massenkundgebung, zum erstenmal schwarz-rot-golden bewimpelten Straßenbahnen und Omnibussen, mit Menschentrauben am Teltowkanal und am Funkturm (wo die ersten Wagen aus dem Westen ankamen) und pausenlosem Strom, pausenlosem Radio und U-Bahnen, die seit zehn Monaten zum erstenmal wieder bis zur Mitternacht durch die Stadt rollten – durch eine Stadt, von deren Bogenlampen, auch zum erstenmal die Nacht hindurch Licht über Berlin schien.

David Ben-Gurion

Israel ist als 59. Staat in die UNO aufgenommen worden. Damit hat nun der junge jüdische Staat seine volle Anerkennung in der Welt efunden, wenn auch – und das ist zweifellos, ein Kuriosum in der modernen Geschichte – einstweilen seine Grenzen noch gar nicht festliegen.

Der Ketzer Varga

Seit einigen Monaten fegt durch den Bezirk der Sowjetkultur der eiserne Besen des Politbüros. Mit den Theaterkritikern begann es, dann folgten Literaten, Musiker, bildende Künstler, Naturwissenschaftler, Philosophen.

DIE WOCHE

Das amerikanische Außenministerium veröffentlichte unter dem Titel „Aufbau desFriedens: Das militärische Beistandsprogramm der USA“ eine Broschüre, in der es heißt, daß das militärische Hilfsprogramm der USA für! Westeuropa in Höhe von vorerst insgesamt 1450 Millionen Dollar solange fortgesetzt werdenwird, bis die Gefahr eines dritten Weltkrieges beseitigt worden ist.

Paris – zwar arm, aber liebenswürdig...

Der Hamburger Kultur Senator, Ludwig Hartenfels, hatte Gelegenheit, in Paris mit Studierenden der Saarbrückener „Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk“ zusammenzutreffen, die an der Seine ihre erste Ausstellung ausgesuchter Schüler arbeiten veranstalteten.

Bodenreform in Italien

De Gasperi hat als Ministerpräsident und Führer der Christlich-Demokratischen Volkspartei zum Jahrestag des Wahlsieges über die Kommunisten die Grundlinien einer Bodenreform verkündet und somit überraschend eine neue Phase der italienischen Innenpolitik eingeleitet.

Düsseldorf ehrt Pfitzner

Hans Pfitzner, der zu Unrecht vernachlässigte Meister, kann feststellen, daß sein 80. Geburtstag im deutschen Musikleben Westdeutsche lands beachtet worden ist.

Havanna zieht nicht

Während sich die Großmächte den Kopf über lie Berliner Blockade, das Ost-West-Verhältnis und andere schwierige Probleme zerbrechen, tagt seit einer Reihe von Wochen in der kubanischen Hauptstadt Havanna eine Konferenz von zwölf lateinamerikanischen Staaten.

Herz auf der Bühne

Es war in Berlin, wo man Grethe Weiser gelegentlich auf der Bühne in einer Fasson bewundern konnte, die zwar der kessen Note ihrer Filmrollen entsprach, aber bei weitem mehr schauspielerischen Impetus aufwies.

In memoriam Felix Klein

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gedachte in einer eindrucksvollen Feierstunde des hundertsten Geburtstages Felix Kleins, eines der Größten im Bereich der mathematischen Wissenschaft, der als Grundlagenforscher wie als Förderer der angewandten Mathematik in eine Reihe mit Archimedes, Newton, Leibniz und Gauß zu stellen ist.

Japan hat es besser

Der japanische Ministerpräsident Yoshida hat allen Grund, vergnügt zu sein: die Vereinigten Staaten haben die Einstellung aller Demontagen japanischer Industriebetriebe, einschließlich der Kriegsbetriebe, angeordnet.

J. M.: Notizen

Zur Feier der 25. Wiederkehr. des Tages, an dem Max Reinhardt die Direktion des Theaters in der Josefstadt in Wien übernommen hatte, wurde ein an der Front des Theatergebäudes von Mario Petrucci geschaffenes Wanddenkmal durch die Witwe des Verstorbenen, Helene Thimig, enthüllt.

Spiegelbilder des Lebens

Fachleute untereinander können sich leicht verständigen, und so haben die Gespräche und Diskussionen der Filmexperten vieler Nationen auf der Internationalen Kulturfilmtagung in Hamburg, über deren Beginn wir bereits berichteten, zu weiterer fruchtbarer Zusammenarbeit angeregt.

Stimmen zu Paris

New York Times meldet, die USA-Behörden beschäftigen sich mit einem Plan, nach dem alle Besatzungstruppen in Deutschland nach genau begrenzten Gebieten bei den norddeutschen Häfen zusammengezogen werden sollen.

Zaim wird aktiv

Der ehemalige Generalstabschef der syrischen Armee und jetzige Ministerpräsident Husni Zaim hat seit seiner Machtübernahme vielen politischen Propheten harte Nüsse zu knacken gegeben.

Menschenrechte

Alle menschlichen Wesen sind frei geboren und einander gleich an Würde und Rechten. Sie sind von Natur mit Vernunft und Gewissen begabt und sollten gegeneinander im Geiste der Brüderlichkeit handeln.

Münchner Kunstpremiere

Das Bayerische Nationalmuseum wurde mit einer Ansprache des bayerischen Kultusministers der Öffentlichkeit wieder übergeben.

Siegfried – oder wer sonst?

Unlängst ging in München ein internationales Studententreffen zu Ende, bei dem sich Teilnehmer aus Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz, Schweden, Dänemark und England mit ihren deutschen Kommilitonen zu Unterhaltung, Spiel und Tanz, aber auch zu ernsthaften Diskussionen zusammengefunden hatten.

„Das Wundertheater“

Paul Valery sagte: „Das Geheimnis der Wahl ist nicht geringer als das Geheimnis der Erfindung.“ – Angesichts der heiteren Kurzoper „Das Wundertheater“ des jungen Komponisten Hans Werner Henze, die in den städtischen Bühnen zu Heidelberg zur Uraufführung gelangte, hatte man das schöne Gefühl, daß hier jenes Geheimnis zwischen Wahl und Erfindung in der rechten Proportion geherrscht habe.

„Laßt Menschen leben“

Stockholm, im Mai Ein Kollektiv von vierzehn Personen, nein, von Seelen, von Gemordeten, schleudert seine Anklage in den Zuschauerraum.

„Liebe 47“ und die Frauen

Der Film „Liebe 47“ nach dem Theaterstück von Wolf gang Borchert „Draußen vor der Tür“ (Regie Wolfgang Liebeneiner) lief nun auch in Hamburg an.

Marcel Archard: „Jean de la lune“

Hans im Mond, Hans der Träumer – so könnte man den Titel übersetzen. Jef, ein romantisch-verträumter Dichter, wird so genannt: der blumenhegende Jef, der das leichte Pflänzchen Marceline geheiratet hat, der von ihr ein Horn nach dem anderen aufgesetzt erhält und sie dennoch immer wieder von seiner unwandelbaren Liebe und Treue überzeugen möchte.

Rembrandt in der Schweiz

Die Chronik schweizerischer Ausstellungen, die seit der denkwürdigen Schau österreichischer Kunst durch die Expositionen von altdeutschen Meisterwerken in Schaffhausen, Werken aus Liechtensteinschem Familienbesitz in Luzern und durch die Kollektion lombardischer Kunst in Zürich immer wieder Veranstaltungen von Weltinteresse geboten haben, ist um eine Sensation bereichert: im Museum zu Allerheiligen von Schaffhausen wurde die Ausstellung „Rembrandt und seine Zeit“ eröffnet.

Vom verlorenen Liebesgefühl

Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann sich heute vorstellen, was in dem Friedensjahrzehnt vor dem ersten Weltkrieg das Erscheinen eines neuen Buches bedeutet, ja der bloße Name von Dichtern über viele Menschen, vorab die damals jungen, vermocht hat.

Eine kleine Spritze Inflation...

Die Desinflationspolitik – man kann sie beileibe noch nicht als deflatorische Politik bezeichnen, denn der Notenumlauf verzeichnet nicht nur zu jedem Monatsende neue Rekordhöhen von mehr als einer Billion Francs – ist kaum angelaufen, und schon heißt die neue, nun auch von der Regierung übernommene Parole: Eine Kreditausweitung tut not, um die Gefahr eher Deflationskrise zu bannen.

Hauptgewicht der Messe: Maschinen

Der einzige Vorteil, den die erheblich und mit völliger Berechtigung kritisierte Zweiteilung der diesjährigen Exportmesse Hannover bringen wird, dürfte die verbesserte Ausstellungsmöglichkeit für die deutsche Maschinenindustrie sein.

Hausse in „Deutschen“

Sie ist nicht nur auf das leise Flügelrauschen des Friedensengels und auf die Aufhebung der Blockade Berlins zurückzuführen.

Messe-Neuheiten

Auf der Technischen Messe Hannover wird die neue Produktion der Auto-Union mit dem DKW-Motorrad (RT 125 W, 5 PS) und dem DKW – Vierrad – Schnellieferwagen (Dreiviertel-Tonner, 20 PS) sehr starkes Interesse finden.

Die stillgelegte Kapitalpumpe

Nur noch wenige Aktionäre in Deutschland können sich uneingeschränkt der Rechte erfreuen, die ihnen in ihrem Aktienbesitz verbrieft sind.

Exportkontingente als Aushilfe

R. K. N., Zürich, Mitte Mai Auch die Schweiz wird unter dem Druck des allgemeinen wirtschaftlichen Dirigismus von ihrem Wirtschaftsliberalismus immer mehr abgedrängt.

Neuer Super-Ballon

Im Rahmen der Technischen Exportmesse nimmt die Harburger Gummiwaren-Fabrik – Phönix Aktiengesellschaft, Hamburg-Harburg, in Halle I Gelegenheit, ihr vielseitiges, ausgereiftes und exportfähiges Qualitätsprogramm zu zeigen.

Luftreifen-Jubiläum

Werke, die unter den Exportindustrien des Landes Niedersachsen einen hervorragenden Platz einnehmen, sind anläßlich der Exportmesse in Hannover mit ihrem gesamten Fertigungsprogramm vertreten.

Abgewerteter Exportschilling

Im Jahre 1945 wurde für den österreichischen Schilling ein Kurs von 10 Dollarcents proklamiert und seither nicht geändert, obwohl Löhne und Preise in der Zwischenzeit in Österreich auf etwa das Vierfache gestiegen sind.

Exportieren ist schwer

Vielfache Handelshemmnisse „daheim und draußen“ lassen manche rationelle Arbeit des Außenhandelskaufmanns scheitern. Hier ist der Kaufmann hilflos; es muß Aufgabe der Verwaltung sein, auf Besserung hinzuarbeiten.

Deutscher Elektroexport

Drei Betriebe der Elektrotechnik haben mit der Schaffung einer Exportorganisation einen neuen Weg zur Ausfuhrförderung eingeschlagen.

Land der wahren Friedenswirtschaft

Wer nach zehnjähriger Abwesenheit das erstemal den Boden der Union von Südafrika, betritt – die zu den wenigen wirklichen Gewinnern des vergangenen Krieges gehört –, stellt bei einem Vergleich sehr schnell fest, wieweit Europa (Deutschland spielt dabei die letzte Rolle) von einer Normalisierung der Verhältnisse entfernt ist.

Rückkehr der Hüte

Nun sind sie wieder „behütet“, die Frauen. In der hellen. Frühlingssonne leuchtet es in allen Farben, in knalligen und zarten Tönen.

Sacha Guitry, der Komödiant

Kaum hatte Sacha Guitry, der als „Collaborateur“ galt, nach dem Kriege sein Théâtre à la Madeleine wieder eröffnet, als er von unbekannten Personen auf einem Lastwagen nach Lyon entführt wurde: dort müßte er an einer Stelle niederknien, auf der ein Denkmal zu Ehren der Resistance-Kämpfer errichtet werden soll, und wurde in dieser Haltung photographiert.

Der Schlüssel zum Tor einer fremden Welt

Mit neunzehn Jahren wird Ckampollion Professor an der Universität Grenoble; unter seinen Studenten waren junge Leute, die noch zwei Jahre zuvor mit ihm auf der Schylbank gesessen hatten. Er wird angefeindet, gerät in ein Netz von Intrigen.

Fährtensucher der Geschichte

Heute irritiert es nicht mehr, wenn eine Inschrift von rechts nach links, die andere von links nach rechts, die dritte von oben nach unten gelesen werden muß, denn man weiß, daß dies der Brauch inzwischen festgelegter verschiedener Zeiten war.

Götter, Gräber und Gelehrte

Ein Kind, das Hieroglyphen lesen will – Champollion und der Stein von Rosette – Vom Tingeltangel zur Archäologie

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