Wie ich den Godulla suchen ging

Die Geschichte eines Buches und eines schlesischen Menschen von Hans Nowak

Von Hans Nowak

Im Verlag P. Keppler, Baden-Baden, erschien kürzlich als Neuauflage „Zink wird Gold; ein Roman des wirklichen Lebens“ von Nowak-Zivier. Erstmalig kam der Roman 1938 in Breslau heraus und wurde in Oberschlesien bald eine Art Volksbuch. Er führt die Landschaft der Halden und Wälder herauf und gibt an der sagenumwobenen Person des genialen Inspektors mit dem Knüppel und dem Schlapphut die Geschichte der Verwandlung des Landes aus einer Waldprovinz in eine Monstre-Schmiede, aus einem Feudalreservat in ein industrielles Revier. Hier erzählt Hans Nowak, wie aus Kindheitseindrücken und späteren Nachforschungen das fesselnde Buch entstand.

Seid still, sonst kommt er, der Godulla!“ Die Stube, wo die Kinderbetten standen, war voll Dunkelheit. Sie zog wie Rauch gegen den gelblich-hellen Punkt des Schlüssellochs, und wir fürchteten uns und konnten nicht schlafen. Eines hatte zu rufen begonnen, nun ging die Tür eine Handbreit auf, und aus dem Hellen sagte eine Stimme ins Dunkle den Namen hinein, der selbst aus Dunkelheit gemacht war. Im Augenblick wurden wir still. Die Tür klinkte wieder ein. Wir saßen in unsern Betten auf und hörten, wie die Finsternis brodelte. Ob er nun kommen würde?

Der Wächter, den wir am anderen Morgen fragten, schüttelte den Kopf. „Der kommt hier nicht. Bloß in Ruda und Beuthen, da kommt er. Nämlich, weil er dort den Schatz hat.“

Anzeige

Einen Schatz... Die Mägde hatten einen Schatz, einen Ulanen. Aber auch die Kröte mit dem Krönlein hatte einen Schatz, den hütete sie in der Mauer. So wußten wir nicht, was der Wächter gemeint hatte. Die Hauptsache war, daß der Godulla hier nicht umging. Nach Ruda und Beuthen war es weit. Die Wälder lagen dazwischen, dann der Promnitzer See und die Kattowitzer Heide. Nur in manchen Nächten, wenn es nach Regen roch, war über dem Forst ein ferner Dunst von Licht zu sehen. Das war der Him- – mel über dem Revier und dort lagen Ruda und Beuthen.

Eines Abends aber, es muß um Allerseelen gewesen sein, denn es dunkelte früh, und bei Tag und Nacht hörte der Wind nicht auf, trug sich das Folgende zu. Wir hatten unsere Schemel in die Küche getragen, um den Mägden zuzusehen, die über der blanken Tischplatte einen Teig ausrollten. Hoch über uns, auf dem Dach, ritt der Sturm; er schwoll von Stunde zu Stunde an, als ob er uns holen wollte.

Vor der Nacht kam der Wächter herein. Mit seiner Tabakpfeife stand er in der Mitte der großen Küche, wie ein Geistesabwesender. Wir saßen ganz still, hörten den Wind gegen die Waldwand schäumen, das helle Zischen im Kiefernforst und dahinter das ungeheure Gebrause der Eichen. Jetzt war das erste Brechen zu hören – ein hoher langgezogener Laut pfiff übers Haus, und dann war es nicht anders, als führe einer mit einem gewaltigen Pflug durch die splitternde Mauer von Stämmen. Plötzlich setzte es aus.

Service