Während Nordrhein-Westfalens Wirtschafts-und Verkehrsminister Dr. Sträter anläßlich der Jahrestagung des Bundes Deutscher Verkehrsverbände in Köln mit großer Beredsamkeit die Bedeutung und Förderung des Fremdenverkehrs im Lande Nordrhein-Westfalen preisen konnte, setzte sich Hamburgs Bürgermeister Brauer mit den sozialen Problemen des Fremdenverkehrs auseinander, nachdem eine stattliche Reihe mehr oder weniger wichtiger Begrüßungsansprachen die Rolle des Fremdenverkehr als Devisenbringer, als binnenwirtschaftliche und außenpolitische Aufgabe dargestellt hatte. Bürgermeister Brauer warb für die, Erkenntnis, daß neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Reiseverkehrs die soziale stehe. Seiner Argumentation, daß die „oberen Zehntausend“, die früher in den Bädern und Sommerfrischen dominierten, stark geschrumpft seien, kann man zustimmen, obwohl auch die zusammengeschmolzene Zahl sehr kapitalkräftiger Gäste bei der Lösung der vielfältigen Investitionsprobleme gerade des Hotelgewerbes noch immer eine wahrscheinlich bedeutsame Rolle spielen wird. Es wird hier – wie auch an vielen anderen Stellen der derzeitigen Wirtschaftslage – die Diskrepanz zwischen sozial Notwendigem und finanziell Tragbarem sichtbar.

Mit dem „Sozialtourismus“ will man eine Überbrückung dieser Diskrepanz versuchen. Es müßte angestrebt werden, die sich immer preissteigernd auswirkende Kurzkonjunktur im Fremdenverkehrsgewerbe während weniger Sommermonate mittels einer besser durchdachten Ferienordnung und geschickteren Werbung zu verlängern. – Wir glauben Brauer richtig verstanden zu haben, wenn er unter „Sozialtourismus“ keine dem Reiseverkehr dienende öffentliche Fürsorgemaßnahme versteht, sondern Sozialtourismus als volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich tragbare Lösung eines allgemeinen Bedürfnisses vor allem nach Erholung, Entspannung und Sammlung bezeichnet. Dü.