Olympisches Feuer per Flugzeug

Die ersten panamerikanischen Olympischen Spiele in Argentinien

Kr. Buenos Aires, im März Außer Uruguay nahmen kürzlich sämtliche Staaten Amerikas an den panamerikanischen Olympischen Spielen in Buenos Aires teil. Uruguay hatte abgelehnt: In Montevideo fühlt man sich als die Musterdemokratie Südamerikas und wünscht sich in der Hauptstadt eines Landes, das immer mehr dem autoritären System zustrebt, nicht zu produzieren. Diese panamerikanischen Spiele wurden wie die Olympischen Spiele mit Feuer aus Olympia eingeleitet (freilich gab es nach Buenos Aires keinen Stafettenlauf wie nach Berlin oder London: das Feuer wurde durch ein Flugzeug mit einer griechischen Delegation nach Südamerika gebracht). Die Südamerikaner, vor allem Argentinien, hatten sich schon lange gegen die Bevorzugung des alten Kontinents bei der Austragung der Olympischen Spiele gewehrt: nur zwei der zwölf großen Olympiaden wurden in Amerika ausgetragen, und zwar 1904 in St. Louis und 1932 in Los Angeles. Auch die Olympiade von 1952 wird wieder in Europa – in Helsinki – stattfinden.

Das Olympische Komitee hat nichts gegen die Durchführung panamerikanischer Olympischer Spiele eingewandt, und so hat der argentinische Staat, nachdem das neue Stadion mit 130 000 Sitzplätzen in Buenos Aires fertiggestellt worden war, zur ersten amerikanischen Olympiade eingeladen. Als Olympisches Dorf fungierten die Gebäude der argentinischen Militärschule von Buenos Aires – die Mannschaftsstärke der einzelnen Länder bewegte sich zwischen sechshundert und – einem Kämpfer. Sechshundert hatte Argentinien entsandt, ein Läufer lief für Jamaica. Zu derselben Zeit fanden in Neu-Delhi die „asiatischen Spiele“ statt. Die Länder Asiens maßen ihre sportlichen Kräfte – Japan ging als Sieger aus dem Wettstreit hervor.

Anzeige

Die große Überraschung der Spiele in Buenos Aires war der Sieg Argentiniens in der Gesamtleistung vor den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dabei hatten die Amerikaner ihre besten Am in (Buenos Aires am Start. Es kam der Weltrekordmann im 800-Meter-Lauf Malvin Whitfeld, den man zur Teilnahme an der Olympiade aus Korea beurlaubt hatte. Es kamen die Champions der Kurzstrecken, die aber sämtlich von dem Kubaner Rafael Fortun im Hundert- und Zweihundertmeterlauf geschlagen wurden.

Eine peinliche Situation entstand nach dem 3000-Meter-Lauf: In der Zielgeraden hatte der Nordamerikaner Curtis Stone, der klar in Führung lag, sein Tempo offensichtlich verlangsamt und seinen hinter ihm liegenden Team-Kameraden Browning Ross mit der Hand an seine Seite gewinkt. Beide Läufer erreichten gleichzeitig das Zielband. Als die Schiedsrichter Stone disqualifizieren wollten, versicherte der Führer der nordamerikanischen Delegation, daß es in den Vereinigten Staaten als eine sportliche Geste betrachtet werde, sich in die Ehre des Sieges zu teilen. Der Führer der amerikanischen Mannschaft erinnerte die Schiedsrichter an die soviel dramatischere Situation nach dem 3000-Meter-Lauf vor 19 Jahren in Los Angeles: Damals lagen in der Zielgeraden der Finne Lethinen und der junge amerikanische Student Hill, ein krasser Außenseiter, dem niemand eine Chance gegeben hätte, weit vor den anderen. Und dann versuchte Hill an dem Finnen vorbeizuziehen. Aber ob er es nun außen oder innen versuchte: immer wieder lief der Finne so, daß der Amerikaner ihn nicht überholen konnte. So gewann Lethinen, und damals brodelte das Stadion. Erst als eine Stimme im Lautsprecher immer wieder beschwörend rief: „Amerikaner, denkt daran, daß diese Sportler unsere Gäste sind!“, und als Lethinen vor dem Mikrophon erklärte, er habe Hill nicht benachteiligen wollen, legte sich der Lärm. – In Buenos Aires nun erkannte man den Sieg dann doch Stone zu: die Kameraaufnahme hatte ergeben, daß der herangewinkte Landsmann um Millimeter zurücklag.

Die meisten Sportler der panamerikanischen Spiele in Buenos Aires werden im nächsten Jahr in Helsinki gegen die Sportlerelite der Welt antreten. Dann wird sich zeigen ob die großen Erwartungen, die die amerikanischen Staaten in ihre Sportler. gesetzt haben, auch in der Konkurrenz mit den Spitzenkönnern der übrigen Welt zu Recht bestehen bleiben.

Zur Startseite
 
Service