Totengräber
Der ehemalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Joseph Wirth, hat offenbar beschlossen, sich neuerlich der Politik zuzuwenden. Wer sich an sein Wirken im politischen Bereich erinnert, vernimmt diese Kunde mit Schrecken. Viele werden dabei an jene Szene denken, als Wirth nach der Ermordung Rathenaus im Deutschen Reichstag rief: „Der“ Feind steht rechts“, wobei er mit ausgerecktem Finger auf die Deutschnationale Volkspartei deutete. Sie hatte zwar mit dem antisemitischen Attentat nicht das geringste zu tun, aber er mochte nun einmal die Deutschnationalen nicht. Nach der Reichstagssitzung lief er in den Wandelgängen umher mit erhobenen Armen und geballten Fäusten und schrie: „An alledem sind nur die Franzosen schuld.“ Natürlich hatten die Franzosen mit dem antisemitischen Attentat nicht das geringste zu tun, aber er mochte nun einmal die Franzosen nicht. Anderen Tages eilte er zum Reichspräsidenten Ebert und erpreßte von ihm die Einsetzung eines Staatsgerichtshofes auf Grund des Artikels 48, Abs. 2, der damit zum erstenmal sich als ein bequemes Hilfsmittel für unfähige Reichskanzler erwies.
Dies sind 48 Stunden aus dem Leben des Politikers Wirth! Es sind zufällig herausgegriffene Stunden, die dennoch deutlich zeigen, daß Wirth einer der prominentesten Totengräber der Weimarer Republik war. Nach dem zweiten Weltkrieg kehrte dieser verheißungsvolle Staatsmann nach Deutschland zurück, und nun fand er endlich den ihm angemessenen Platz: Er wurde. Stammtischpräsident im „Oberkirch“ gegenüber dem Freiburger Münster. Leider aber gibt er sich mit dieser Position nicht zufrieden, und so fuhr er denn zu Nuschke und Ebert. in die Ostzone, um Adenauers Politik zu unterminieren, denn er mag Adenauer nun einmal nicht. Daß er, um sich dort gut einzuführen, erklärte, er hielte die Einsperrung politischer Gegner in der Sowjetzone für berechtigt, zeigt deutlicher als alles andere, wer Herr Wirth eigentlich ist. Tgl.



