Die Revolution am Mittagstisch
Gayelord Hauser sorgt für bleibende' Jugend / Von Walter Fredericia
Der Himmel schickt uns gute Nahrungsmittel ist, lautet daher: Man darf die äußeren Blätter und das Kraut der Wurzelarten (Karotten und so weiter) nicht wegwerfen, sondern man muß sie verwerten. Vor allem am besten braucht man für jedes Gericht eine — ständig in Vorrat gehaltene — Brühe aus C emüseKochwasser, die „Hauser Brühe", die fast iwmer an Stelle von Wasser zum Kochert verwandt wird. Grundsatz Nr. 2 lautet: Kocht eure Speisen nicht zu lange! Die beste Methode ist immer die, welche die geringste Zeit erfordert. Grundsatz Nr. 3 ist: Verwendet kein raffiniertes Weißmehl und keinen raffinierten Zucker, statt seiner lieber Rohzucker, Sirup oder Honig. Hauser stützt seine Ernährung ganz besonders auf fünf „Wundernährmittel": Bierhefe, Magermilch, Joghurt, Weizenkeime, Rohrzuckermelasse. Wer sich einen der elektrischen Mixer leisten kann, die neuerdings in erschwinglichere Preislagen heruntersteigen, hat es leicht, sich diese Wundermittel in Form von Getränken, Cocktails und dergleichen einzuverleiben. Aber das Hauser Buch enthält zahllose Rezepte, dasselbe Ergebnis mit einer Kochkunst zu erreichen, die der traditionellen sehr gleicht, so daß nur der Koch, nicht aber der Esser seine Gewohnheiten ändern muß. Gayelord Hauser ist der Leibarzt mancher " Hollywood Stars, bei denen es sich, wie man weiß, in erster Linie darum handelt, schön und schlank zu sein. Man findet daher in seinem Buch viele. Rezepte undganze Diäten, die speziell auf diesen Zweck zielen, die also auch vielen gelegen kommen müssen, die nicht gerade HollywoodStars sind. Es handelt sich ja dabei nicht nur um den äußeren Effekt, sondern auch um Gesundheit und Wohlbefinden: „Der erste Faktor, der euch in eurer Leberlänger Diät leiten sollte", schreibt Hauser, „ist die Tatsache, daß magere Menschen, die es nie auf ihr Normalgewicht bringen, in der Regel länger leben Eine gut ausgewogene Diät mit niedrigen Kalorienwerten ist daher die erste Vorbedingung der Jugendlichkeit, worunter man vor allem ungeschmälerte Vitalität, gute, reine Haut und allgemeine Lebenslust versteht „Also weg mit der dicken Taille und dem Doppelkinn, zumal wenn ihr die Vierzig; überschritten habt!" Für diejenigen, die schoni zuviel im Essen gesündigt haben und jetzt an Umkehr denken müssen, ist in Hausers Buch natürlich besonders gesorgt. Es ist aber auch für die Erträglichkeit der Diät gesorgt, und zwar dadurch, daß Kuren vorgeschlagen werden, die nur einen einzigen Tag dauern. Hier zwei Beispiele: wenn es sein muß; Kräutertee ist jedodi vorzuziehen. ti äufelt (nicht mit öl angemaci>t ; l Tasse Gemüsebrtthe oder Pfefferminztee, mit Honig ge süßt.
Abendessen: Spinat, mit Zitrone beträufelt; frischer Obstsalat; l Glas Joghurt; l Mokkatasse schwarzer Kaffee oder Kräuteitee.
Vor dem Schiaiengehen: Wenn man hungrig ist, noch stwas Obst oder Fruchtsaft oder heifier Pfefferminztee. weder l Tasse heißer Pfefferminztee mit Honig oder, wein es durchaus nicht anders geM, l Tasse schwarzer Kaffee. oder Apfelsaft oder ein Gemisch von allen dreien. Wenn keine frischen Gemüse aufzutveiben sind, trinkt man statt dessen Orangen- oder Grapefruitsaft.
Zimt, Muskat oder Rohrzuckermelasse.
öder Apfelsaft oder alle drei vermengt. Wenn keine früchen Gemüse zu haben sind, so tränkt man dafür Orangen- oder Grapefruitsaft.
mit Zimt, Muskat oder Aohrzudcermelasse; l Mokkalasse schwarzer Kaffee oder Pfefferminztee mit Honig. Solche Kuren, wenn auch nur für einen 7ag, mögen ein bißchen hart sein, sonst aber ist die Hauser Küche gar nicht hart. Hauser rrucht jedem Mut „Gutes Kochen ist angeboren und nicht erlernbar, hört man oft sagen. Doch ich bin üserzeugt, daß jeder, der sich seiner Intelligenz — und seiner fünf Sinne bedient, ein ausgezeichnjter. Koch werden kann. Denn von allen schöpferisthen Künsten stützt sich keine mehr auf den Gebrauch der Sinne als die Kochkunst " Als Gayelord Hauser vor wenigen Wocher in Rom war, entstand an dem Ausstellungstisch, wo man die Weizenkeirne und die Bierhefe bewundern konnte, ein solches Gedränge, daß Hauser sajte: „Mehr Ruhe bitte, sonst gehe ich!" Drauf rief eine ältere Dame mit flehender Stimme: „Bitte, Meister, gehen Sie nicht, haben Sie Mitleid Tiit uns!"
- Datum 01.05.1952 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1952 Nr. 18
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