In einigen Lokalen in Deutschland kann man jetzt die Gäste bestellen hören: „Einen Tonic, bitte.“ Dann bringt der Kellner ein wasserhelles bläulich opalisierendes Getränk, das aus Gin und Tonic besteht. Gin kennt jeder, aber was ist Tonic, das dem Getränk seine erfrischende Wirkung gibt?

Tonic ist nichts anderes als Chininwasser. Chinin nun, ein Extrakt der Chinarinde, ist ein in der Heilkunde sehr stark verwendetes Alkaloid von desinfizierender und tonischer (zusammenziehender) Wirkung, es war durch Jahrhunderte das einzige Heilmittel gegen Malaria. Auf dem Wege aus den Tropen hat das Chininwasser daher auch seinen Weg nach Europa gefunden. Die Engländer lernten das Chinin von den Eingeborenen in den Tropen kennen und fingen an, es vorbeugend gegen Malaria zu gebrauchen. Die Spanier sollen es in Südamerika schon im 17. Jahrhundert verwendet haben. Da Chinin sehr bitter ist, versuchte man es zu mischen, und so kam es mit dem bei den Engländern seit Jahrhunderten höchst populären Gin zusammen. Wer die Mischung Gin–Chininwasser täglich gebrauchte, gewöhnte sich daran: die Prophylaxe gegen Malaria wurde eine „erfreuliche Pflicht“, wie es in einem amerikanischen Bericht darüber heißt.

Engländer, die in den Tropen viel Gin mit Chininwasser getrunken hatten, brachten diese Gewohnheit nach England mit. Allmählich wurde Tonic zu einem Getränk entwickelt, das nicht mehr der Hygiene, sondern nur mehr der Erfrischung dient. Die Industrie nahm sich der Sache an. Heute kann man in England überall Tonic kaufen, wie man Seiter in Deutschland kauft. Natürlich enthält es nur sehr wenig Chinin, etwa 20 Flaschen so viel wie eine einzige medizinische Dosis, also ein homöophatisches Quantum.

In neuester Zeit fängt das Gin-Tonic-Trinken an auf den Kontinent überzugehen. Amerika, wo sich alles schneller entwickelt, wird gerade davon überschwemmt. In den USA verkauften im vergangenen Jahr bereits 100 000 Geschäfte und 50 000 Bars Tonic, in diesem Jahr erwartet man eine Verdoppelung des Absatzes. 80 v. H. des amerikanischen Bedarfs liefert eine kanadische Firma, die sich auf die Produktion von Tonic spezialisiert hat. Die Herstellung soll nicht ganz einfach sein, weil die verschiedenen Chininsorten – Chinarinde wird aus Mittel- und Südamerika und aus Südostasien geliefert – sehr verschiedene Geschmackseigenschaften haben. Mehrere Arbeitsgänge sind überdies notwendig, um sicherzustellen, daß das Chininwasser klar bleibt. Ein Minimum aromatischer Substanzen der Zitrone muß zugesetzt werden.

Die Mischung des Getränks selbst ist dafür sehr einfach. Man wischt einmal mit ein wenig Zitronenschale durch das Glas, gießt das gewünschte Quantum Gin hinein und dann Tonic darüber. Je weniger Gin und je mehr Tonic, desto erfrischender ist dieser neue Modetrunk. F.