Bei den Deutschen in der FremdenlegionSeite 4/5

Als das Schiff Kurs auf Nordafrika nahm und das alte Fort am Horizont verschwand, warfen wir einen letzten Blick auf Europa. Die meisten von uns, so wußten wir, würden für Jahre nicht zurückkehren, und viele gar nicht.

Mehrere hundert von uns schliefen an Deck des winzigen Dampfers. Im Hafen Oran gingen wir kolonnenweise in der prallen Mittagshitze durch die Straßen, bekamen in einer Kaserne eine Mahlzeit und wurden dann in einen Zug verladen, der uns nachts in langsamem Tempo nach Süden fuhr. In der kühlen Morgendämmerung erreichten wir Sidibel-Abbes, das sagenumwobene Hauptquar-:ier der Fremdenlegion. Innerhalb der Kaserne wies man uns einen kleinen, mit Stacheldraht und Posten gesicherten Bezirk an, den wir nicht ihre Begleitung verlassen durften, solange wir unausgebildet waren. Man stopfte uns in einen kahlen, geweißten Raum, in dem man sich kaum bewegen konnte. Hier bekamen wir unsere erste Mahlzeit seit Oran, eine kleine Tasse schwarzen Kaffee, und obwohl uns das Haar schon in Marseille kurz geschnitten worden war, mußten wir nun antreten, um es uns noch kürzer schneiden zu lassen. Dann kam das Sachenabgeben. Alle Taschen mußten ausgeleert und der Inhalt auf den Tisch gelegt werden. Der Mann vor mir hatte zwei Schlagringe bei sich gehabt. Er wurde daraufhin geschlagen, mit Füßen getreten und mit dem Kopf so lange gegen die Wand gestoßen, bis er, vor Angst und Schmerz laut schrie.

Spielkarten wurden weggenommen, Fotos genau untersucht und zerrissen, wenn eine Uniform darauf zu sehen war, und sei es auf Familienbildern.

Mein englischer Paß war mir schon in Marseille abgenommen worden. Jetzt hatte ich die Reste meiner Zivilkleidung gegen fünf Päckchen Zigaretten, Marke Basto, abzugeben. Die Fremdenlegion ist nicht eine jener Truppen, deren Soldaten zum Wochenende in Sportsakko und Flanellhosen nach Hause fahren. Der Legionär gehört zur Legion, und sonst zu nichts in der Welt. Das sollten wir in Sidi-bel-Abbes gründlich kennenlernen.

Da die Waschgelegenheit in unserer Baracke nur aus einem Trog bestand, wurden wir schnell in der Hauptkaserne abgebraust. Anschließend gab es eine Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten. Dann zurück in die Baracke zum Mittagessen: Fleisch, Gemüse, Obst, saurer Rotwein. Einigen glückte es, die Plätze auf der einzigen Bank zu besetzen, die übrigen machten ein Picknick auf dem Fußboden – eine Methode, an die man bei der Legion schnell gewöhnt wird. Nach dem Essen warf man uns ein neues Sortiment von alten Uniformstücken zu, und diesmal auch weiße Käppis, das stolze Symbol der Legion.

Drei Tage lang wartete ich vor dem Sicherheitsbüro auf den Aufruf meines Namens. Während des Wartens schälten wir einen unabsehbaren Haufen von Kartoffeln, so daß ich am Ende des dritten Tages nicht mehr imstande war, an eine Kartoffel zu denken.

Schließlich wurden mir dann dieselben Fragen über meinen Lebenslauf und meine Beweggründe zum Eintritt in die Legion vorgelegt, die ich in Marseille schon genauestens beantwortet hatte. Den Rest der Zeit verbrachten wir damit, den Boden mit Reisigbündeln zu fegen, Steine zu zerschlagen oder auf Arbeitskommandos zu gehen. Das erste Arbeitskommando, zu dem ich eingeteilt wurde, kam nach einem Marsch durch schmutzige arabische Straßen mit Hacken und Spaten bei einem Friedhof an. Wir gingen hinein und lasen die Inschriften auf den Grabsteinen. Offenbar war es ein jüdischer Friedhof, denn auf vielen Steinen war ein Davidstern. Die Deutschen machten ein Gesicht, als hätte sich jemand mit ihnen einen Scherz geleistet. Aber es war wohl nur ein Mißverständnis. Denn wir gingen bald weiter zu einem christlichen Friedhof, wo wir Legionärsgräber in Ordnung zu bringen hatten.

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