Die Anwendung von Fernsteuerungssystemen ist heute fast überall dort zu finden, wo man sich technischer Mittel überhaupt bedient. Genau zwanzig Jahre nach der ersten Atlantiküberquerung durch Lindbergh, startete 1947 eine Douglas „Skymaster“ zum vollautomatischen Flug über den Ozean. Die Besatzung brauchte keinen Handgriff zu tun. Alles wurde drahtlos von der Leitzentrale aus an den entsprechend konstruierten Schaltmechanismus der Maschine übermittelt und dort – eben automatisch – ausgeführt. Schon in den dreißiger Jahren wurde die Fernsteuerung von Flugzeugen auch in Deutschland mit gutem Erfolg erprobt. Allerdings beschränkte man sich damals auf einen wesentlich kleineren Aktionsradius. Einen sehr willkommenen Dienst haben diese ferngesteuerten Flugzeuge bei den Versuchen mit Atomexplosionen geleistet. Von Mutterflugzeugen aus lenkte man diese mit allen notwendigen Photo-, Meß-, Funk- und Registriergeräten ausgestatteten Maschinen in die radioaktive Explosionswolke, und so erhielt man Aufschlüsse, wie sie kein menschlicher Beobachter ohne Gefahr für sein Leben hätte geben können.

Ähnlicher Verfahren bedient sich die Meteorologie. Automatische Wetterbeobachter melden aus unbewohnten Gebieten die benötigten Angaben, wie Windrichtung und -Stärke, Feuchtigkeit, Temperaturen und Druckänderungen. Raketen und Registrierballons funken ununterbrochen die Höhenwetterlage an die Bodenstationen, die daraus ihre Navigationsberatungen aufbauen. Unbemannte Leuchttürme, die sich über eine astronomische Uhr ein- und ausschalten, weisen den Schiffen und, als Leuchtfeuer, auch den Flugzeugen den Weg. Jedes Versagen löst eine Ersatzeinrichtung aus. „Auto-Alarmgeräte“ an Bord der größeren Überseeschiffe horchen auf die Ozeane hinaus und sind auf die internationale Seenotfrequenz abgestimmt. Sobald von irgendwoher ein SOS durch den Äther jagt, wird in der Funkkabine Alarm ausgelöst.

Ernte automatisch...

Auch in der Landwirtschaft hat der Roboter inzwischen seinen Siegeszug angetreten. Pflugautomaten arbeiten in den USA bereits pausenlos auf den Feldern. Sie werden durch Peilgeräte elektrisch gesteuert. Raupenschlepper ziehen Furche neben Furche. Jeder Maschinendefekt wird an die Farm signalisiert. Im Jahre 1927 gab es in den USA noch über 15 Millionen Pferde, heute sind es kaum noch sieben Millionen. Dafür hat sich das Maschinenarsenal der Farmen vergrößert. Erntemaschinen übernehmen bis zu 60 Arbeitsgänge. Brutmaschinen brüten bis zu 25 000 Eier gleichzeitig aus. Ein einziger Mann füttert 200 Schweine in einer Stunde.

Ähnliche Entwicklungen bahnen sich in dem industriellen Produktionsprozeß an. Die „Halbautomatisierung“ durch das Fließband weicht an einigen Stellen bereits dem vollmechanischen Arbeitsprozeß. Seit einigen Jahren arbeitet in der Nähe von London eine Fabrik für Radiogeräte auf vollautomatischer Basis. 50 spezialisierte Arbeiter erreichen dort die gleiche Produktionskapazität, für die am Fließband noch 1500 Menschen benötigt würden. Bis auf wenige Arbeitsgänge wird alles von Automaten geleistet.

Es ist heute bereits unmöglich, alle Funktionen und Leistungen aufzuzählen und zu beschreiben, die die ferngelenkten und -gesteuerten Automatismen bereits übernommen haben. Ein soeben erschienenes Buch (Rolf Strehl: Die Roboter sind unter uns. Ein Tatsachenbericht, Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg, 320 Seiten, mit 8 Textabbildungen und 42 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln, Leinen DM 16,80) gibt einen interessanten Überblick dieser Welt der Roboter und Automaten. Leider bleibt uns der Verfasser dabei die Erklärung der technischen Wirkungskreise ebenso schuldig, wie jede Quellenangabe seines Materials. Mit unzuverlässigen Sensationsberichten, wie sie ja gerade unter dem Schlagwort der „denkenden Maschine“ immer wieder durch die Illustrierten geistern, kann man noch nicht, wie Strehl das versucht, eine Soziologie der Roboter aufbauen. Es wird nicht so viele Arbeitslose – von ihrem Arbeitsplatz verdrängt durch die Vollautomatisierung – geben, wie der Verfasser das befürchtet; vor allen Dingen noch nicht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Denn die Investitionsmittel, die dafür erforderlich wären, sind selbst für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten immer noch ungewöhnlich hoch. Zudem sind der Ausdehnung des vollautomatischen Produktionsprozesses aus volks- und kapitalwirtschaftlichen Gründen noch recht enge Grenzen gesetzt.

Ein falscher Mythos

Damit sollen die erstaunlichen Leistungen dieser Automaten keineswegs verkleinert werden. Aber gerade ihre Betrachtung zeigt – trotz allem Staunen über ihre spezialisierten Rekorde –, wie verwirrend und unzulässig sich jede Vermenschlichung der Maschine auswirkt. Immer, wenn von „künstlichen Menschen“ oder „denkenden Maschinen“ oder ähnlich gesprochen wird, sollten wir kühl und kritisch bleiben. Natürlich ist die Technokratie heute eine ernste Gefahr, und viele Schriftsteller, wie etwa George Orwell, haben uns sehr nachdrücklich daran erinnert. Aber der schöne Satz von Leibniz bleibt dennoch wahr: „Kein Mißbrauch hebt den Gebrauch auf.“ Und es ist eine Frage der menschlichen Entscheidung, ob eines Tages aus den radargesteuerten Flakgeschützen mit automatischer Fehlerberichtigung Geräte für eine erhöhte Sicherheit des Flugverkehrs werden oder nicht. Ob Krieg, ob Frieden: gefährlicher als die Roboter ist ihr Mythos, der nur durch den geistigen Überblick, das heißt: die Kenntnis ihrer begrenzten technischen Leistungsfähigkeit, zerstört werden kann. Dann wird das Geraune vom „künstlichen Menschen“ endgültig dem Kuriositätenkabinett der Phantasie angehören.