Reinhart Stalmann: Die Kavaliere von Kanada. Roman (Limes-Verlag, Wiesbaden, 388 S., Leinen 14,50 DM).

„Staub“, der Kriegsroman dieses Autors, fiel im vorigen Jahr dadurch auf, daß er sich vorurteilslos um ein. objektives Bild des zweiten Weltkrieges bemühte. Stalmanns Werk ist von demselben Willen eingegeben. Man spürt es an den Partien, die von Freundschaft eines deutschen Kriegsgefangenen in Kanada mit einer emigrierten Jüdin und mit einer englischen Generalstochter handeln, man spürt es an der auch gegen sich selbst rücksichtslosen Dialogführung der PoW‘s untereinander. Und vor allem spürt man es an der zwar realistisch düsteren, aber zuversichtlichen Grundhaltung, die in vielen kleinen Episoden des Lebens und des Fluchtversuchs deutscher Soldaten in Kanada zum Ausdruck kommt.

Auch die „Kavaliere in Kanada“ sind ein sehr direktes Buch. Viele Dinge ließen sich mittelbarer, gleichnishafter ausdrücken. Aber ein Kriegsbuch (oder ein Nachkriegsbuch) darf wohl genau so unmittelbar, genau so deutlich sein wie der Krieg und der Nachkrieg selbst. Dadurch, daß Stalmann sich zuweilen mehr der Form einer Reportage als der eines Romans nähert, erreicht er sein Hauptanliegen: genau das zu zeigen, was sowohl der politisch noch unfertige Soldat, als auch der linientreue Parteigenosse oder der nur von der Tradition gestützte Offizier dachte, als der Krieg für ihn hinter Stacheldraht endete. Und wie betont: dabei spürt man die anständige Haltung jünger Menschen, die sich bemühen, aus einem Zusammenbruch wieder aufzutauchen. Daß Stalmann zudem noch tolerant genug ist, die Toleranz des Gegners nicht nur anzuerkennen, sondern auch von ihr zu lernen, verstärkt noch den Grundton des Buches. Und daß man ihm anmerkt, wie sehr ihm die technische Aufgliederung von Mailers „Die Nackten und die Toten“ gefallen hat – nun, auch das ist kein Fehler. Wilhelm G. Dittmer