In Marokko ist es zu einem Machtkampf zwischen dem Sultan Sidi Mohammed ben Jussif und dem franzosenfreundlichen Pascha von Marrakesch, El Glaoui, gekommen. Der Pascha, der schon vor einigen Wochen zusammen mit anderen Stammesführern von der französischen Regierung die Absetzung des Sultans mit der Begründung gefordert hatte, er habe sich mit den nationalistischen Elementen der Istiqlal-Partei zusammengetan und dadurch die religiösen Gefühle der Berber verletzt, scheint der Unterstützung Frankreichs so sicher gewesen zu sein, daß er glaubte, von sich aus die Absetzung des Sultans vornehmen zu können Hierin hatte er sich jedoch getäuscht, denn in den Augenblick, als der Sultan unter starkem Druck alle von Frankreich geforderten Dekrete unterzeichnet hatte, besann sich Frankreich seiner im Protektoratsvertrag von 1912 übernommenen Pflicht, den Thron und die Person des Sultans zu schützen. Auf Grund der Vorstellungen des französischen Generalresidenten Guilleaume verzichtete der Pascha zwar auf eine Absetzung des Sultans, erkannte ihm jedoch die Würde des Imam, des Herrschers der Gläubigen, ab. Zum neuen Imam proklamierte er einen Onkel des Sultans. Da Frankreich die Ernennung eines neuen Imam als eine inner-marokkanische religiöse Angelegenheit betrachtet, in die es sich nach dem Protektoratsvertrag nicht einmischen darf, ist mit einem französischen Schritt nicht zu rechnen. Die Lage wird jedoch dadurch kompliziert, daß Sultan Sidi Mohammed nicht nur der „Herrscher aller gläubigen Moslems“ in Französisch-Marokko, sondern auch im spanischen Teil des Landes ist. Wie aus dem Wortlaut der Dekrete hervorgeht, die der Sultan zur Rettung seines Thrones unterzeichnete, hat er auf den größten Teil Seiner politischen Macht verzichten müssen. Die fünfzehn der UNO angehörenden Staaten des arabisch-asiatischen Blocks haben den UNO-Generalsekretär Hammarskjöld und den Präsidenten der UNO-Vollversammlung, Lester Pearson, auf die ernste Lage in Marokko aufmerksam gemacht. Der Rat der Ulemas in Kairo, die höchste Instanz der Mohammedaner, hat zur Unterstützung des Sultans aufgerufen. Der politische Ausschuß der arabischen Liga ist zu einer Sondersitzung zusammengetreten.

Der vom Staatspräsidenten Einaudi mit der Regierungsbildung beauftragte frühere Budgetminister der Regierung de Gasperi, der Christliche Demokrat Pella, hat ein ausschließlich aus Mitgliedern seiner Partei bestehendes Kabinett gebildet. Da außer den Liberalen und den Republikanern auch die Monarchisten dem Kabinett Pella ihre Unterstützung zugesagt haben, und die Italienische Sozialbewegung (MSI) sich bei der Vertrauensabstimmung der Stimme enthalten will, scheint Pella mit seinem Übergangskabinett eine ausreichende Mehrheit in der Kammer zu haben.

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Die Westmächte haben ihre Bereitschaft erklärt, den früher von ihnen vorgelegten „Kurzvertrag“ über Österreich fallen zu lassen, wenn die Sowjetregierung ihrerseits auf das Vorbringen „abwegiger Probleme“, wie der Triestfrage oder anderer nicht direkt zum Thema gehörender Angelegenheiten, verzichtet und zu einem Vertrag bereit ist, der dem Land politisch und wirtschaftlich Unabhängigkeit gewährt. Als Termin für eine neue Sitzung der Außenminister-Stellvertreter, die in London stattfinden soll, wurde der 31. August vorgeschlagen? Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab erklärte hierzu, das Land Österreich verlange den Frieden und habe nichts dagegen einzuwenden, wenn der Staatsvertrag ihm eine große Wehrmacht und militärische Allianzen verbiete.

Die Sondertagung der Vereinten Nationen über Korea wurde am 17. August eröffnet. Kurz vor Beginn der Sitzung hatten sich die sechzehn am Koreakrieg auf Seiten der Vereinten Nationen beteiligten Staaten geeinigt, der Vollversammlung vorzuschlagen, alle Mächte, die unter dem Oberkommando der UNO gekämpft haben, zu der bevorstehenden politischen Konferenz über Korea einzuladen. Auf kommunistischer Seite sollen Vertreter Nordkoreas und Rotchinas hinzugezogen werden, auf Anregung Australiens und Neuseelands auch die Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten wollen diesen Vorschlag aber nur dann unterstützen, wenn diese Einladung von kommunistischer Seite ausdrücklich gewünscht wird. Sie wollen damit Nordkorea und Rotchina zwingen, die Sowjetunion öffentlich als ihren Verbündeten im Koreakrieg anzuerkennen. Über die Teilnahme Indiens konnten sich die Vertreter der sechzehn Staaten nicht einigen. E. K.