Folgender Auszug diene als Beispiel:

„Bestien, wild von Hunger, werden die Ströme zittern machen, ein immer größeres Gebiet wird Hister besetzen, die Jugend Deutschlands wird nichts mehr achten.“

Eine andere Stelle, die sich auf Deutschland bezieht, heißt:

„Die neue Ordnung (nouvelle loi) wird neues Gebiet bis nach Syrien, Judäa und Palästina hin besetzen, das große barbarische Reich wird zusammenbrechen.“

Es bedarf keiner Gewaltsamkeit, zu mutmaßen, daß Nostradamus, wie mit dem ersten „Antichrist“ auf Napoleon I., mit dem zweiten auf Hitler zielt. Wer aber ist der dritte Antichrist, von dem er sagt: „Der dritte Antichrist wird bald vernichtet sein, der blutige Krieg wird 27. Jahre dauern. Die Ketzer werden erschlagen, gefangen oder vertrieben werden, Blut, Leichen, rotes Wasser werden auf die Erde hageln“?

Die Zeit solchen Geschehens scheint in folgenden Zeilen festgelegt zu sein: „Im Jahre 1999 und sieben Monate danach wird vom Himmel der große König des Terrors kommen.“

Man soll solche Voraussagen nicht lachend beiseite schieben. Man wird der von der heutigen Wissenschaft anerkannten grundsätzlichen Möglichkeit hellseherischer Fähigkeiten auch nicht gerecht mit dem Hinweis, Nostradamus habe so viele Vierzeiler geschrieben, daß es kein Wunder sei, wenn er manchmal zufällig das Richtige prophezeit habe. Um Nostradamus nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung abtun zu können, müßten uns nicht 1000 Vierzeiler, sondern 1000mal so viele vorliegen. Ernsthafte Erwägung aller Umstände erlaubt vielmehr durchaus den Schluß: Nostradamus hatte eine erstaunliche Gabe, in die Zukunft zu blicken, und zwar mit oft frappierender Genauigkeit. Fraglos hat Goethe, der Nostradamus in seinem Faust erwähnt, dessen Werk mit Interesse und Sorgfalt studiert und wurde durch den visionären Vierzeiler über die Geldinflation zu der entsprechenden Szene im Faust angeregt. Wenn Nostradamus auch kein Prophet im religiösen Sinne war, so darf man doch zu behaupten wagen: er hat manches geweissagt, was mit bloßen Vernunftschlüssen keineswegs zu errechnen war, und so verdient er wohl den Namen eines Sehers.