Stahlverein in der Endphase

Der Schatten des Mister Willner hat bis zuletzt über der Zerschlagung und Auflösung der Vereinigte Stahlwerke AG, der einstmals größten Kohle- und Eisengesellschaft Europas, geschwebt und sich sogar in den Nachfolgegesellschaften ausgewirkt. Mit der am 13. April erfolgten Gründung der Handelsholding, einer Zusammenfassung von neun Handelsgesellschaften des Stahlvereins, ist der Stahlverein in seine Endphase eingetreten. Zwar ist Mr. Willner noch in letzter Zeit in den USA gegen jede vernünftige Regelung, der sich zuletzt nicht einmal mehr die Franzosen verschlossen hatten, Sturm gelaufen, aber der Einschaltung des Kanzlers und seines Wirtschaftsministers, ferner der Vermittlung des Bankiers Pferdmenges, ist es geglückt, doch noch eine einigermaßen befriedigende Lösung zu finden.

Der Name der neuen Firma lautet: Handelsunion AG, Düsseldorf. Das AK beträgt 46 Mill DM, die gesetzliche Reserve macht 4,6 Mill., die Rücklage 10 Mill. DM aus. Andererseits betragen Beteiligungen rund 50 Mill. DM. Hierin sind die Kapitalstocks folgender Handelsgesellschaften enthalten: Heinr. Aug. Schulte Eisen-AG, Dortmund! Eisen- und Stahlhandel AG, Frankfurt a. M.; Berliner Eisen- und Stahl-AG, Berlin: Röhren- und Roheisen-Großhandel GmbH., Frankfurt a. M.: Stahlunion-Export GmbH., Düsseldorf; Schrotthandel vorm. Albert Sonnenberg GmbH, Düsseldorf; Düsseldorfer Metallwerke GmbH, Düsseldorf; Stückblechkontor GmbH, Essen: Bicker & Co. AG, Essen.

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Das nach der Neuordnung der Zeche Erin – die bedauerlicherweise selbständig bleiben muß und nicht zur GBAG geschlagen werden durfte – noch verbleibende Restvermögen des Stahlvereins, bestehend aus Grundstücken, Forderungen, Wertpapieren und einigen kleineren Beteiligungen, wird auf die noch zu gründende und mit 20 000 DM auszustattende „Bergbau- und Industriewerte GmbH, Düsseldorf“, übertragen. Die „Bul“ wird zugleich Rechtsnachfolgerindes Stahlvereins, sobald dieser im Handelsregister gelöscht ist. Hier werden auch treuhänderisch die Interessen der von Österreich beschlagnahmten und vorläufig enteigneten Beteiligungen der Gebr. Böhler & Co AG, Wien, verwaltet. Der Anteil des Stahlvereins am 75 Mill. RM AK von Böhler beträgt 50 Mill., muß aber zur Zeit als dubios angesehen werden. Aus einem etwaigen Liquidationserlös aus dieser Position ist ein Betrag von einem Drittel, höchstens aber 10 Mill. DM zugunsten der August. Thyssen-Hütte AG reserviert.

Der neue Vorstand der Handelsunion erklärte, daß nunmehr eine arbeits- und konkurrenzfähige Gesellschaft entstanden sei. Sie sei nicht durch Anleiheschulden aus der Erbmasse des Stahlvereins belastet worden und stehe auf einer finanziell zunächst ausreichenden Basis. Der erste Vorstand setzt sich zusammen aus Walter Schwede als Vorsitzer, Walter Boeck, Hansgeorg Schedel und Siegfried Seelig, alle aus der Stahlvereins-Gruppe. Den AR-Vorsitz hat der AR-Vorsitzer des Stahlvereins, Bergassessor a. D. Dr. Wenzel, inne. Stellvertreter ist Staatssekretär a. D. C. C. Schmid (Schutzvereinigung) ferner gehören dem AR an Karl-Josef Nachtsheim, Mühlheim/Ruhr (Thyssen), und Rudolf Stöter-Tillmann, Essen (Rheinische Stahlwerke). –It.

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