Wenn man sich heute gegen die Juden ergehen will, so schreibt man am besten ein Buch über Rußland. Da gibt es Ostjuden, und es klingt eingeweiht, wenn man sie „Chosaren“ oder „Aschkenasim“ nennt. Man entdeckt bei ihnen „negride“ Züge, man kann nach Herzenslust über Kaftan und Peieslöckchen reden, Pogrome als Ausbruch der Volkswut schildern und dazu noch einige antisemitische Zitate der „sephardischen“ Juden vom „arabisch-beduinischen“ Typ einflechten –Disraeli, Rathenau oder eines russischen Westjuden aus Kiew: „Nun, ich kann es verstehen, wenn sie die Juden totschlagen. Aber warum vergreifen sie sich an den Hebräern?“ Wobei unter „Juden“ Ostjuden und unter Hebräern europäisierte Westjuden zu verstehen sind!

Die Ostjuden „powern das Volk aus“. Wo es, „krumm oder gerade“, etwas zu verdienen gibt, da sind sie zu finden. Lassen sie sich taufen, so ist es „Tarnung“, und dabei bevorzugen sie den „gummiweichen Protestantismus“. Dann klettern sie auf der sozialen Leiter rasch hoch, nach außen sind sie „freigeistig“, in Wirklichkeit aber nach wie vor ihren Kultbräuchen treu, und „insgeheim“ unterstützen sie alle revolutionären Bewegungen. Heute findet man sie „besonders häufig als Untersuchungsbeamte beim MWD“.

Enträtseltes Rußland nennt ein Mann namens German Pinning, der lange in Rußland war, ein Werk dieser Art, das er soeben veröffentlichte. Man ist wohl vorbereitet, wenn es nach 250 Seiten zum Höhepunkt der „Enträtselung“ kommt: die Richtung „Lew Trotzki-Bronstein“, von Stalin, dem Asiaten, Jahrzehnte unterdrückt, kommt wieder zum Zuge! Die Rehabilitierung der Opfer des Ärzteprozesses unter Berija war „der erste Rückzieher vor dem Judentum“. Und der Sturz Berijas? Ein Sieg der Armee oder der Gemäßigten? „Nein! Hinter dieser Palastrevolution zeichnen sich andere Kräfte ab. Oder soll es ein Zufall sein, daß um die gleiche Zeit der Kotau der mächtigen Sowjetunion vor dem kleinen Staat Israel erfolgte?“ Daß die Regierung ihrem „treuesten und hervorragendsten Mitarbeiter“, dem Juden Lasar Kaganowitsch, einen hohen Orden-verliehe?

Daß das Buch zugleich primitiv antichristlich ist – das „Christentum“ ist „zu einer der führenden Finanzmächte geworden“ – paßt in das Bild. Vielleicht hätte man als Titel lieber „Enträtselter Pinning“ wählen sollen.