Einstweilen müssen die deutschen Rundfunkhörer noch das Fernsehen mitfinanzieren. Diese prekäre Situation enthält für die Fernsehabteilungen die bedenkliche Versuchung, mit dem Programm à tout prix „auf populär zu gehen“. Das wäre ein Jammer. Denn eben in den letzten Monaten beginnt sich, nach langem Herumprobieren, ein Fernsehstil herauszubilden, der weder nach dem Hörfunk noch nach dem Theater noch nach dem Film schielt, sondern sich auf der geistigen Ebene der opera buffa und des Singspiels aller optischen Finessen bedient, die die Fernsehkamera anbietet. Ob es ein Zufall ist, daß hier nicht avantgardistische Experimentatoren einer jungen Kunstgattung den Weg gezeigt haben, sondern ältere und vielerfahrene Künstler gerade aus der Schule Max Reinhardts, wie Ludwig Berger mit einem selbstverfaßten Singspiel über Constanze Mozart. Jetzt gelang Ernst Matray Ähnliches in einem musikalischen Spiel um Jacques Offenbach. Das Entzücken der Fernsehzuschauer war groß und berechtigt. Für wie viele von den nun 100 000 Apparatbesitzern mag es die erste Begegnung mit dem Musikdramatiker der „Großherzogin von Grolstein“ gewesen sein?

Wir werden sehen:

Mittwoch, 9. März, 20.20 Uhr:

Aus München ein Originalfernsehspiel „Die 40 Minuten der Henriette Dupont“ von dem jungen österreichischen Dramatiker Harald Zusanek. Später am Abend demonstriert Werner Finck „Saul Steinbergs Linientreue“.

Wir werden hören:

Donnerstag, 3. März, 20.15 Uhr, vom NWDR:

Jules Supervielle, der Meister des romantischironischen Märchenspiels nach alten Motiven, läßt in seiner Funkkomödie „Scheherazade“ die Welt von 1001 Nacht aufleuchten. Die Titelrolle spricht Kyra Mladek.