Blank und seine Pressereferenten
Vor einigen Tagen wurde der Pressereferent des Verteidigungsministeriums, Major a. D. Hans Guhr, abberufen und durch den Oberstleutnant d. R. Amtsgerichtsrat Roewer ersetzt. Diesem Vorgang würde man kaum Beachtung schenken, wenn nicht in jener Behörde schon seit den Zeiten in denen sie noch als Amt Blank bezeichnet wurde, fortwährend Veränderungen auf dem Posten des Pressereferenten stattfänden.
Die Pressearbeit, durch die der Kontakt mit der Öffentlichkeit – in letzter Zeit übrigens immer sparsamer – hergestellt wird, ist eine politische Aufgabe. Sie war daher seinerzeit den damiligen „Beauftragten“ und heutigen Minister Blank unmittelbar unterstellt worden und gehört keiner der Hauptabteilungen des Ministeriums an. Kenner des Hauses meinen, es sei immer so gewesen, daß die Arbeit jedes Pressereferenten im engsten Einvernehmen mit Blank begann und dann regelmäßig nach einer Periode der Abkühlung, mit totalem Bruch endete. Ein konkreter Anlaß wurde nur einmal bekannt, als nämlich vor mehr als zwei Jahren Herr von dem Bussche und sein Stellvertreter Kraske ausschieden; die Ursache lag damals in der Auseinandersetzung mit dem Oberst v. Bonin, der sich gegen Graf Baudissin und die Befürworter einer Modernisierung des „Inneren Gefüges“ durchsetzte („Der Graf Baudissin wird nach der Ratifizierung für zwei Jahre in ein Mädchenpensionat geschickt“, meinte Bonin damals). Nach Kraske folgte dann im Pressereferat Conrad Ahlers, nach dessen Ausscheiden Hans Guhr, der offenbar schon seit längerer Zeit den Kontakt mit Blank verloren hatte.
Im Verteidigungsministerium bagatellisiert man die Abberufung Guhrs: er sei nicht entlassen, sondern dem Referat „Heer“ zugeteilt worden, und wolle im Ministerium nur seine bevorstehende Reaktivierung als Offizier abwarten. Die rasche Folge der Veränderungen auf dem Posten des Pressereferenten deutet jedoch darauf hin, daß hier tiefere, strukturelle Gründe mitwirken. F






