Leben ohne Margaret

Von Wolfgang Ebert

Nur ich weiß, warum Herr Hürter vier Tage nach dem Ende der Romanze zwischen Prinzessin Margarethä Peter Townsend plötzlich und für alle anderen unerwartet von uns gegangen ist, auch wenn der Arzt seinen Tod akuter Herzschwäche zugeschrieben hat.

Ich kannte Herrn Hürter etwa seit der Zeit, da sich Ingrid Bergman scheiden ließ, um Roberto Rossellini zu heiraten. Unsere Bekanntschaft begann an einem Zeitungsstand, wo sich Herr Hürter einen Packen von Illustrierten unter den Arm geklemmt hatte. Über die mutmaßlichen Gründe und Hintergründe der Bergmenschen Scheidung kamen wir uns rasch näher und waren uns, da wir hinsichtlich der fatalen Lage des Arzt-Ehemannes der Bergman einer Meinung waren, gleich sympathisch. Trafen wir einander fortan, tauschten wir gegenseitig die neusten Meldungen und Meinungen aus, ja, wenn eine besonders sensationelle Nachricht eintraf – etwa die Geburt der Rossellinischen Zwillinge –, raste einer zum anderen und besprach mit ihm die neue Wendung.

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Zu einer leichten Entfremdung zwischen uns kam es vorübergehend, als sich Rita Hayworth von Ali Khan scheiden ließ. Da ich gerade im Urlaub war, hatte ich diese Ehe einfach verpaßt, war wohl auch damals vollauf von dem erfolgreichen Versuch Faruks in Anspruch genommen, die Narriman ihrem Verlobten zu entreißen. Als ich Herrn Hürter wieder traf, war ich darum, was Rita anging, nicht auf dem laufenden und er von meiner Nachlässigkeit tief enttäuscht. Nicht einmal mein Gelöbnis, bei den nächsten Ehen der Hayworth besser aufzupassen, konnte ihn besänftigen.

Lese ich heute in meinen Tagebüchern nach, muß es dann – etwa zur Zeit des Koreakrieges – eine Weile ziemlich ereignislos in der Welt zugegangen sein. Das verdüsterte nicht nur das Antlitz Herrn Hürters, sondern nahm ihn auch körperlich einigermaßen mit. Meine wiederholten Versuche, ihn durch Rubirosa und seine Beziehungen zu Barbara Hutton und Zsa Zsa Gabor neuen Lebensmut einzuflößen, waren ziemlich erfolglos. Was ihn wieder auf die Beine brachte und auch unsere Freundschaft kittete, war der Montesi-Skandal, obgleich wir diesmal in gegnerischen Lagern standen – er glaubte, Vilma sei ermordet worden, während ich einen Unglücksfall mit tödlichem Ausgang für wahrscheinlich hielt –, kommt es doch vor allem darauf an, im gleichen Streit zu fechten.

Die glücklichste, erfüllteste Zeit im Leben meines Freundes begann aber erst mit den Gerüchten um Prinzessin Margaret und den Fliegeroffizier. Nie zuvor waren seine Augen strahlender, nie seine Wangen rosiger, nie seine Packen Illustrierten dicker als in jenen Wochen. Und nur gelegentlich, wenn Menschen so rücksichtslos waren, zu behaupten, an den Gerüchten sei kein wahres Wort, nur dann bemerkte ich in seinen Augen eine merkwürdige Stumpfheit und Leere.

Die Affäre Margaret-Peter stellte nun allerdings seine Geduld auf eine harte Probe. Oft, wenn lange nichts über die beiden zu lesen war und man nur Bilder von Margaret sah, wie sie gerade den Sieger einer Windhundausstellung prämiierte, fielen mir an Hürter Anzeichen einer tief wurzelnden Depression auf. Zwar versuchte ich dann mit „Originalberichten vom persischen Hof“ („Warum ist Kaiserin Soraya immer so traurig?“) seine Stimmung zu bessern. Er aber winkte nur ermüdet ab, da er an neue entscheidende Aspekte in dieser Richtung nicht glaubte und sich ganz auf die mögliche Heirat Margarets und Peters konzentrieren wollte.

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