hm Altenau, im Januar

Zu den schönsten Straßen, die im Harz neugebaut werden mußten, gehört jener Weg, der von Oker kommend, am neuen Okerstausee entlang weiter nach Altenau führt. Im Talgrund sieht man die Reste von Schulenburg und oben, rechts der Fahrstraße, an dem Weg nach Clausthal-Zellerfeld, liegt das neue Dörfchen Schulenburg, in das man die Einwohner des im Stausee versinkenden Ortes umsiedelte. Gerade in diesem Augenblick, in dem die Bäume entlaubt sind und die Erde ohne Schnee kahl daliegt, erhält man hier einen bezwingenden Eindruck, wie sehr der Mensch eine Landschaft verändern und ihr seine eigene Ordnung aufprägen kann.

Wer sich Altenau zum Standquartier aussucht, tut gut daran, weil es außerordentlich zentral gelegen ist und Spazierwege und Fahrten nach allen Richtungen anbietet. Der Bruchberg steigt bis zu 928 Metern an, nur der Wurmberg bei Braunlage ist mit 976 Metern noch höher. Noch hat Altenau die größte Skisprungschanze Nordwestdeutschlands, und seine Abfahrtstrecke „Wilde Sau“ ist bei allen, die sie kennen, beliebt. Liegt kein Schnee, sollte man sie einmal „begehen“, um zu bestaunen, worüber man auf der Schneedecke ahnungslos dahinglitt.

Der Doppelort Clausthal-Zellerfeld hat die größte Holzkirche Deutschlands. Macht der Winter einmal in seiner Schneelieferung eine Pause, dann sollte man in der alten Bergmannsstadt in die Mineraliensammlung gehen, die wirklich nicht tote Steine birgt, sondern erzählende. In Bad Grund kann man eine eigenartige Probe aufs Exempel machen: In der auch im Winter zugänglichen Iberger Tropfsteinhöhle sollen immer, Winter und Sommer, 8 Grad sein.

Für Autoreisende eine Warnung: Die Straße, die die Nummer 242 führt, hat viele sehr unangenehme Engpässe. Sie sollte mit äußerster Vorsicht befahren werden. Eine Harz-Achterfahrt, die wir empfehlen (die durchfahren Strecke bildet auf der Landkarte eine Acht), sähe so aus:

Man fährt auf der Straße 241 von Goslar über Clausthal-Zellerfeld nach Osterode. Die Straße steigt schön und kurvenreich, ist aber keineswegs schwierig. Dann auf der Straße 243 nach Herzberg, man befindet sich da außerhalb der Harzberge, aber doch noch am Harz. Über Scharzfeld geht es dann nach Bad Lauterberg und weiter an der zauberhaften Odertalsperre entlang, einem aufgestauten See von fast 10 Kilometer Länge, immer steigend, ohne viel Kehren und Kurven nach Braunlage. Das ist der Mittelpunkt des Hochharzes. Die nahe Zonengrenze wird von manchen Dänen und Holländern als prickelnde Sensation empfunden. In Braunlage gibt es so viele gute Gaststätten, daß man für die Essenspause leicht eine finden wird. Beim Weiterfahren dreht man in die Bundesstraße 4 ein, die von Nordhausen her aus der Zone kommt, und folgt ihr unter dem Brocken, dicht an der Zonengrenze entlang fahrend, bis Bad Harzburg.

Dieses. den ganzen Winter hindurch betriebene Heilbad liegt hoch genug, um die kürzeste Seilschwebebahn Deutschlands zu besitzen. Bad Harzburg ist elegant. Ein Gang durch den winterlichen Ort ist eine Schau der Sportmoden aller Länder.

Zurück zum Ausgangspunkt Goslar führt die Bundesstraße 6 über Oker. Die Acht schließt sich durch die Benutzung der vorher schon genannten Straße 242, die Clausthal-Zellerfeld mit der Abzweigung der 242 von der Straße 4 etwa beim Königskrug verbindet. Krüge hier zu Lande können manchmal an die Bauden des Riesengebirges erinnern, besonders dann, wenn sie allein auf Gipfeln stehen, wie etwa auf dem Ravensberg bei Bad Sachsa. Dieser Krug ist auch für einen ganz strengen Schlesier „schön fast“ eine Baude. Die ganze Strecke von 128 Kilometern ist, mit Halt in jedem genannten Ort und einem Zuschlag für mindestens sechs schöne Aussichtspunkte, innerhalb der Sonnenhelligkeit eines Januartages bequem zu „machen“.