So wie ein Kind, dem man in jedem Wunsche nachgibt, nicht glücklich, sondern undankbar wird, so hat es auch der Rundfunkhörer keinem Sender gedankt, der ihm das ‚Glück aus dem Äther‘ auf dem flachen Weg turbulenter Dauerunterhaltung bescheren wollte.“ Dieser so wahre Satz, Resultat mehrjähriger Hörerbefragung, findet sich in dem Arbeitsbericht, den der Südwestfunk zur zehnten Wiederkehr seines Gründungstages (31. März 1946) vorlegt. Es ist ein Blick auf sehr turbulente Anfänge, auf eine Schöpfung aus dem Nichts; denn Baden-Baden hatte ja nicht wie die anderen deutschen Sender bereits Funkhäuser und Studios zur Verfügung, sondern mußte improvisieren. Um so erstaunlicher das Ergebnis der zehn Jahre: Bis heute hat sich der Sender durch sein wohldurchdachtes Programm ausgezeichnet.

Recht sinnreich markierte den Geburtstag die deutsche Erstsendung einer Funkdichtung, die wohl im Umfang, nicht aber im poetischen Gehalt hinter dem letzten und größten Werk ihres Autors („Under Milkwood“) zurücksteht: Dylan Thomas’ Hörspiel „Rückreise“ (Return Journey). Der Sprecher – er hat in Baden-Baden die inständige Stimme Oskar Werners – besucht die zerbombte Hafenstadt seiner frühen Jugend, fragt die Leute, die er trifft, ob sie sich noch an den „kleinen Thomas“ entsinnen – und so zeichnet sich, aus vagen Antworten und immer präziseren Fragen, ein Bild der verschütteten Zeit, in der diejungen Leute im Café davon träumten, „wie Dan Jones die großartigste Symphonie komponieren und Fred Janes das fabelhafteste, das allergenaueste Bild malen und Charlie Fisher die größte Forelle fangen und der junge Thomas diekochendsten Gedichte schreiben würde.“ Und der Schulmeister erinnert sich, daß der junge Thomas „aussah wie die meisten Jungen, daß er mit dem Pult klapperte und seine Schulstunden vertat, sich vor der Algebrastunde im Waschraum versteckte und bei den Schulgebeten hin und her rutschte.“ Immer mehr verschwimmt die Physiognomie, bis endlich der Parkwächter die Auskunft gibt: „Ja, ja, ich hab ihn gut gekannt. Ich hab ihn zu Tausenden gekannt!“ Und auf die Frage des Sprechers: „Was ist jetzt aus ihm geworden?“ kommt prompt die Antwort: „Tot... tot tot...“ Das Nichts, der Anfang, ist immer gestorben, wenn die Gestalt zutage kam.

Donnerstag, 5. April, ab 20 Uhr vom NDR 2. Progr.:

Eine neue Einrichtung des UKW-Nord-Programms ist der „Städtetag“, eine abendfüllende Sendereihe, die heute in Goslar beginnt und die Physiognomie dieser Stadt darstellen will. Karl Heinz Waggerl zeigt „Goslar, poetisch gesehen“; aus dem Kloster Grauhof erklingt dazu Orgelmusik von Couperin, Buxtehude und Bach.

20.00 aus München: Marcel Pagnols „Tochter des Brunnenmachen“. – 20.15 vom NDR: Wiederholung von Josef Martin Bauers Hörspiel „Der Mensch aber ist gut“. – 21.15 vom NDR: Der Pianist Gunnar Johannsen spielt Busonis „Fantasia contrapuntistica“. – 23.00 aus Frankfurt: Im Studio für Neue Musik Orchesterwerke italienischer Komponisten: Petrassis „Récréation“, Bruno Madernas „Improvisazione“ und Dallapiccolas „Canti sig prigione“. – 23.15 vom SWF: Moderne Kammermusik von Harrison („Cembalosonaten“), Nabokow (Serenata estiva für Streichquartett), Biales („Gesang von den Tieren“).

Freitag, 6. April, 20 Uhr aus Bremen:

Bei den vorjährigen Musiktagen in Hitzacker würde eine authentische Aufführung der frühesten Oper, des „Orfeo“ von Monteverdi, in historischer Instrumentalbesetzung aufgenommen.