Bei den öffentlichen Sparkassen sind im ersten Halbjahr 1956 die Spareinlagen um 1,07 auf 14,3 Mrd. DM gestiegen. Das sind leider 272 Mill. DM weniger, als die Zunahme in der gleichen Zeit des Vorjahres ausmachte. Dem Anziehen der steuerbegünstigten Spareinlagen im ersten Halbjahr 1955 um 123 Mill. DM stand in diesem Jahr bedauerlicherweise eine Abnahme um drei Mill. DM gegenüber. Diese rückläufigen Zahlen beweisen eindringlich die Notwendigkeit der vom Bundestag bereits beschlossenen Reform des steuerbegünstigten Sparens, insbesondere der Herabsetzung der Vertragslaufzeit von zehn oder sieben auf drei Jahre.

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Im Juni wurde in der Bundesrepublik ein für den Steuerzahler geradezu „erschütternder“ Steuerrekord erreicht: Erstmals nach dem Kriege überschritten die Bundes- und Ländersteuern die Vier-Milliarden-Grenze. Diese Summe entspricht einem Steuerzuwachs um 16 v. H. gegenüber dem Juni 1955. Es ist nur zu verständlich, daß der „Bund der Steuerzahler“ unter dem Eindruck dieser „Zuwachsrate“ erneut seine Forderung aufstellt, die Steuersenkung zum 1. Oktober in Kraft treten zu lassen.

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Im Zusammenhang mit dem Suez-Konflikt wird aus den meisten westeuropäischen Ländern übereinstimmend berichtet, daß noch erhebliche Erdöl- und Benzinvorräte zur Verfügung stehen und daher an Rationierungs- oder ähnliche Notstandsmaßnahmen noch nicht gedacht werden muß. Allgemein wird die Lage übrigens mit wesentlich größerer Ruhe betrachtet als etwa zur Zeit der Mossadek-Affäre. Im Bonner Bundeswirtschaftsministerium hat man jedoch schon vorsorglich die zur Einführung einer etwaigen Erdöl- und Benzinrationierung erforderlichen Maßnahmen erörtert. Unsere Rohölvorräte reichen ewa 15 Tage; Dieselöl dürfte für vier Wochen und Benzin für etwa zwei bis drei Monate ausreichen.