Wie dick eigentlich muß ein Buch sein, um ein Buch zu sein? Wer dies für eine allzu akademische Frage hält, dem sei die Lektüre einer jetzt von der Unesco in Paris herausgegebenen Publikation – R. E. Barker: „Books for All“ – angeraten, in der zum Beispiel festgestellt wird, daß die Zollbehörden der verschiedenen Länder sich durchaus nicht einig sind, welcher gedruckte Gegenstand Buch ist und welcher nicht. Für die Iren, Italiener und Monegassen liegt die kritische Grenze bei hundert Seiten, während die tschechoslowakischen Zöllner schon mit 32 Seiten zufrieden und die Isländer mit spärlichen 17 Seiten noch bescheidener sind. In England dagegenhält man von der Seitenzählerei nicht viel; hier gilt: nur was Sixpence (30 Pfennig) oder mehr kostet, wird „zollamtlich“ als Buch anerkannt.

Nun haben auch der Mr. Barker und die Unesco eine Meinung, wie dick ein Buch sein soll. Mindestens 49 Seiten nämlich, den Einbanddeckel, nicht mitgerechnet. Legt man diesen Maßstab zugrunde, dann werden auf der Welt jährlich fünf Milliarden Bücher gedruckt – das sind durchschnittlich zweieinhalb für jeden Erdbewohner.

Was uns die Statistik hier suggeriert, nämlich die Vorstellung einer gleichmäßigen Verteilung, wird von Mr. Barker allerdings sogleich wieder aufgehoben: denn mehr als drei Viertel der Welt-Buchproduktion stammt aus nur zehn Ländern. Und von den dreitausend Sprachen, die auf diesem Planeten gesprochen werden, sind nicht einmal vierzig „Buchsprachen“. Die reine Belletristik ist gar meistens auf nur sechs große Sprachen beschränkt: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und Russisch.

Zwischen Mr. Barkers trockenen Zahlenreihen verbirgt sich noch eine Fülle interessanter Einzelheiten. Zum Beispiel diese: Über die Hälfte der in der Welt hergestellten Bücher werden in Schulen verwendet. – Kanada hat weniger Buchläden als Dänemark. – Länder, deren eigene literarische Produktion gering ist, bringen auch am wenigsten Übersetzungen heraus.

Über manches, was man gern erfahren hätte, weiß leider auch Mr. Barker keine Auskunft zu geben. Zum Beispiel: Wie verteilt sich die Weltbuchproduktion auf die verschiedenen Buchsparten? Oder: In wie viele Sprachen sind etwa Tolstois „Krieg und Frieden“, Melvilles „Moby Dick“ oder Goethes „Wilhelm Meister“ übersetzt worden? Und schließlich: Wie viele von den in vierzig Sprachen erscheinenden fünf Milliarden Büchern werden denn wirklich gelesen... h. g.